Moore – Die Klimaschützer

Was sind Moore?

Moore sind besondere Ökosysteme, die sich selbst regulieren und organisieren. Dieser spezialisierte Lebensraum stellt eine Übergangszone zwischen festem Land und Wasser dar. Moore entstehen überall dort, wo ausreichend Wasser vorhanden ist und das Klima eine torfbildende Vegetation erlaubt. So sind sie in Regionen des Polarkreises, an Meeresküsten der Subtropen und in Regenwaldgebieten aufzufinden. In Deutschland sind nur noch ca 3,5 % mit Moorflächen bedeckt (Bundesamt für Naturschutz 2015).

Moore zeichnen sich durch Wasser, Pflanzen und Torf aus. Aufgrund eines beständigen Wasserüberschusses ist der Boden sauerstoffarm, was einen vollständigen Abbau der pflanzlichen Biomasse verhindert. Das sich so mit der Zeit ansammelnde tote Pflanzenmaterial ist gemeinhin als Torf bekannt. Aufgrund dieser fortwährenden Ablagerung von organischem Material, wachsen Moore mit der Zeit in die Höhe. Dennoch beschränkt sich dieses “Anwachsen” auf nur etwa einen Millimeter pro Jahr.

Welche Arten von Mooren gibt es?

In Deutschland sind vorwiegend drei Typen von Mooren vertreten. Hierzulande finden sich Nieder-, Hoch- und Übergangsmoore.

Niedermoore bzw. grundwasserernährte Moore entstehen in feuchten Senken, Mulden, Flussniederungen, etc. Dieser Moortyp ist abhängig von Grund-, Quell- oder Sickerwasser. Infolge des hohen Wasserstandes und dem dadurch einhergehenden Sauerstoffmangel findet nahezu kein biologischer Abbau des organischen Materials statt. Die Nettomasseproduktion ist daher positiv. Die sich ansammelnde tote Pflanzenmasse sammelt sich am Gewässergrund und bildet die Torfschicht. Angesichts des verhältnismäßig hohen Nährstoffgehaltes ist dieser Moortyp artenreicher als das Hochmoor.

Hochmoore, auch als Regenwassermoore bezeichnet, entstehen in kühl-feuchten Regionen, wo weniger Wasser abfließt als z.B. durch Regen nachgeliefert wird. Sie entwickeln sich aus anfänglichen Niedermooren, lösen sich aber im Laufe der Zeit von ihrem mineralischen Untergrund und wachsen über das Grundwasserniveau hinaus. Hochmoore decken ihren Nährstoffbedarf vorwiegend über die nährstoffarmen Niederschläge, da sie über keinen Kontakt mehr zum Grundwasser oder zum festen Untergrund verfügen. Charakteristisch sind die sogenannten Torfmoose (Sphagnum) die große und schwammartige schwimmende Polster bzw. Inseln auf ihrer Oberfläche ausbilden. Aufgrund des sehr niedrigen pH-Wertes, welcher sich durch die marginale Mineralstoffversorgung und Stickstoffarmut ergibt, kommen hier nur sehr wenige spezialisierte Tier- und Pflanzenarten vor.

Übergangs- oder auch Zwischenmoore bilden ein Übergangsstadium zwischen Nieder- und Hochmoor. Dieser Moortyp wird sowohl vom Regen- als auch vom Grundwasser gespeist. Nimmt im Laufe der Zeit die Niederschlagsmenge deutlich zu, bildet sich ein Hochmoor. Die vorkommenden Arten setzen sich aus für beide Moortypen charakteristischen Vertretern zusammen.

Lebensraum Moor

Die unterschiedlichen Moortypen stellen mit ihren extremen Umweltbedingungen hohe Ansprüche an die hier lebenden Arten. Aufgrund dieses einzigartigen feuchten und speziellen Lebensraumes hat sich hier eine außergewöhnliche Artenvielfalt entwickelt. Viele Tierarten kommen nur in Moorgebieten vor und sind daher selten und teilweise sogar bedroht, da ihr angestammter Lebensraum zu den letzten naturnahen Refugien zählt.

So manche der hier lebenden Pflanzen sind wahre Überlebenskünstler. Die hier vorherrschende Nährstoffarmut und das saure Milieu stellen für z.B. den Sonnentau (Drosera rotundifolia) oder auch das Scheidige Wollgras (Eriophorum vaginatum) kein Problem dar, sie sind sogar darauf angewiesen. Eine Veränderung der Umweltbedingungen ist meist kritisch, da viele im Moor lebenden Arten darauf äußerst empfindlich reagieren. So stellen nahe liegende landwirtschaftlich genutzte Flächen eine ebensolche Gefahr dar. Einbringung von Dünger oder Pestiziden führt zu Beeinträchtigungen dieses sensiblen Ökosystems.

Auch für diverse Tierarten bieten Moore einen essentiellen Lebensraum. Viele von ihnen sind zeitweise oder auch ganzjährig an feuchte Standorte gebunden. Allen voran sind hiervon seltene Vögel (Nistmöglichkeiten) und Amphibien betroffen. Kraniche finden hier vor ihrem Weiterzug in ihre Winter- und Sommerquartiere genug Nahrung für den anstrengenden Flug. Bodenbrütende Vögel, wie der Goldregenpfeifer finden auf Moorflächen letzte ungestörte Nistmöglichkeiten abseits der vom Menschen betriebenen Landwirtschaft.

Bedeutung für das Klima (Wasser- und Kohlenstoffspeicher)

Im öffentlichen Bewusstsein spielen Moore kaum eine Rolle. Dies ist nicht nur aus den bereits genannten Gründen bedauerlich, sondern auch aufgrund ihres immensen Einflusses auf das Klima und das Wohlergehen der Umwelt. Moorflächen bedecken etwa 3 % der globalen Landfläche, speichern durch den gebildeten Torf jedoch 450-500 Gigatonnen Kohlenstoff. Dies ist doppelt so viel, wie die gesamte Biomasse aller Wälder der Erde zusammen binden.

Moore gehören seit Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland zu den ersten Naturschutzgebieten. Dennoch gibt es heute weniger Moore als damals, über 95 % sind entwässert und bedroht. Entwässerungen von Moorflächen führen zu einem Eintritt von Sauerstoff in den Torf, was durch einsetzende Abbauprozesse, zu einem Emittieren von CO2 und N2O führt. Entwässerte Moorflächen machen etwa 0,3 % der globalen Landfläche aus und verursachen dennoch überproportional hohe Emissionen. Jährlich sind dies 2 Gigatonnen CO2, was einen Anteil von 5 % der weltweiten anthropogenen CO2-Emissionen ausmacht. In Deutschland machen diese Flächen 7 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche aus und verursachen damit aber 37 % der gesamten CO2-Emissionen der Landwirtschaft, einschließlich Düngung und Tierhaltung (Greifswald Moor Centrum).

Moore sind abhängig von Wasser, ohne Wasser kein Moor. Es ist Dreh und Angelpunkt rund um die Bildung und Zerstörung dieses Ökosystems. Aufgrund der Torfmoose haben v. A. Hochmoore ein enormes Wasserspeichervermögen. Moore bestehen bis zu 95 % aus Wasser. Dadurch haben sie eine Schlüsselrolle im Landschaftswasserhaushalt. In sehr niederschlagsintensiven Perioden können Moore bis zu einem Meter aufschwimmen. Anschließend wird das so gespeicherte Wasser langsam wieder abgegeben. So können Moore Umweltkatastrophen wie Überschwemmungen vermeiden.

Moore liegen landschaftlich meist in Senken oder vergleichbaren Lagen, wo sich kühlere Luft sammelt. Dadurch sind Moore kühler als die Umgebung und sorgen für eine erhöhte Luftfeuchtigkeit. Dadurch sorgen sie für einen kühlenden Effekt der Landschaft aufgrund der beständigen Verdunstung bei heißen und trockenen Perioden.

Weiterführende Informationen finden sich hier:

  • Bundesamt für Naturschutz
    VISCHER-LEOPOLD, M., & ELLWANGER, G. (2015). Natura 2000 und Management in Moorgebieten. Naturschutz und Biologische Vielfalt140. (ISBN: 978-3-7843-4040-1)
  • Wichtmann, W., Schröder, C., & Joosten, H. (2016). Paludikultur-Bewirtschaftung nasser Moore. (ISBN: 978-3-510-65282-2)
  • https://www.moorwissen.de/de/index.php (Greifswald Moor Centrum, Letzter Aufruf: 20.04.2021)