Mais anbauen – Informationsreihe

10. und letzter Teil: Maisanbau im ökologischen Landbau und ein Gesamtfazit

Der Schwerpunkt im ökologischen Landbau liegt auf einem möglichst geschlossenen innerbetrieblichen Nährstoffkreislauf mit den Bestandteilen Tier, Pflanze und Boden. Oberste Prämisse ist die Erhaltung bzw. Förderung der Bodenfruchtbarkeit. Folgende ackerbauliche Kriterien gelten im ökologischen Landbau:

  • Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel
  • Verzicht auf leicht lösliche Mineraldünger
  • Vielfältige Fruchtfolgen mit einem hohen Anteil an Zwischenfrüchten
  • Förderung von Nützlingen
  • Mechanische Unkrautbekämpfung
  • Nährstoffversorgung hauptsächlich über Fruchtfolge oder Wirtschaftsdünger
  • Passendes Verhältnis von bewirtschafteter Fläche zur Tierhaltung

Im Vergleich zum konventionellen Landbau ist die Mais-Anbaufläche unter ökologischen Anbaubedingungen in Deutschland vergleichsweise gering. Jedoch hat sich die Anbaufläche innerhalb von 11 Jahren (2007 bis 2018) um das zehnfache auf ca. 40.000 ha gesteigert und die Tendenz ist auch weiterhin steigend. Ein Viertel davon, also ca. 10.000 ha, wurden 2018 in Bayern angebaut.

Gründe die für den Anbau von Silomais im Ökolandbau sprechen:

  • hoher Biomasseertrag und Energiegehalt
  • gute Verdaulichkeit und somit wertvoller Bestandteil der Tierfütterung
  • einfache und etablierte Konservierung
  • im Vergleich bspw. zu Kleegras nur einmalige Ernte im Jahr
  • die Trockenmasseerträge können vergleichbar mit konventionell produziertem Mais sein

Herausforderungen und Lösungen im ökologischen Maisanbau

Die größten Herausforderungen im Anbaumanagement von ökol. Mais liegen vor allem in der Unkrautregulierung sowie den hohen Nährstoffansprüchen. Ferner sind die zum Teil ungünstigen Umweltwirkungen wie der erhöhten Neigung zu Bodenerosion und Bodenverdichtung und die empfindliche Jugendentwicklung von Mais im Anbau zu berücksichtigen. Der ökologische Maisanbau ist damit anspruchsvoll und muss im Vorfeld detailliert geplant werden. Dies beginnt schon bei der Auswahl des Schlages und der Vorfrüchte. Vorteilhaft ist es Schläge auszuwählen mit einem geringem Unkrautpotenzial und einer zum Bedarf der Maispflanze passenden Verfügbarkeit v.a. von Stickstoff (Stichwort Mineralisierungsdynamik). Passende Vorfrüchte können dies durch ihre Effekte auf Unkrautunterdrückung und Nährstoffversorgung unterstützen.

Die Unkrautregulierung erfolgt auf mechanische Weise mittels Hacken und Striegeln sowie indirekt über die Fruchtfolge, Untersaaten und die Bodenbearbeitung. Mais sollte im ökologischen Landbau nicht zu früh gesät werden, damit Unkräuter, welche auf kühlere Temperaturen adaptiert sind, nicht „davonwachsen“. Auch die Einbindung von Untersaaten (z. B. Weißklee oder Gräser) kann eine Methode sein, Unkräuter zu unterdrücken, da sie den Boden der Reihenzwischenräume bedecken. Nebenbei haben Untersaaten weitere wertvolle Effekte auf Humusbildung, Verdunstungsschutz, Erosionsschutz und Nährstoffversorgung. Ab einer Wuchshöhe von 20 bis 40 cm empfiehlt sich ein Anhäufeln, um Unkräuter in den Maisreihen zu verschütten.

Da Mais hohe Ansprüche an die Nährstoffversorgung hat, im Ökolandbau die Kulturpflanze aber indirekt, über langsamer wirkende organische Dünger „gedüngt“ wird, muss die Düngestrategie langfristig gedacht werden. Stallmist, der sich sehr langsam umsetzt und Nährstoffe freigibt, sollte schon zur Vorfrucht gegeben werden. Die gilt genauso für Zwischenfrüchte, die im Vorfeld in der Fruchtfolgeplanung berücksichtigt werden müssen. Kleegras als Vorfrucht eignet sich auf den meisten Standorten hierfür sehr gut. Ein weiterer positiver Effekt von Kleegras – es bildet viel Wurzelmasse, die zum Humusaufbau beiträgt.

Zur direkten Versorgung mit Nährstoffen sind Wirtschaftsdünger wie Gülle, Jauche oder Gärprodukte geeignet. Gerade Gärprodukte haben einen hohen Anteil an Ammoniumstickstoff und sind damit gut pflanzenverfügbar. Sie eignen sich folglich als flexibler am Bedarf der Pflanze ausgerichteter Dünger. Ein Pluspunkt der Biogasanlage: Zuerst kann Gülle, Jauche oder Kleegras energetisch verwertet werden, danach bleibt über das Gärprodukt immer noch ein wertvoller Dünger übrig. Mais kann dadurch unter ökologischen Anbaubedingungen gut mit Nährstoffen versorgt werden.

Hinsichtlich der Sortenwahl sind folgende Sortenmerkmale wichtig: eine zügige Jugendentwicklung, eine gute Beschattung bzw. Unkrautunterdrückung und eine effiziente Nährstoffaufnahme. Sortenempfehlungen für den ökologischen Maisanbau sind auf den Seiten der Landesanstalt für Landwirtschaft verfügbar (Sortenempfehlungen).

Regional kann es zu Problemen mit Vogelfraß durch Krähen, Tauben oder Fasanen kommen, was eine Vogelabwehr bedingt. Auch der Maiszünsler muss bekämpft werden. Dies kann neben der mechanischen Stoppelbehandlung mit Schlupfwespen (Trichogramma) als Nützlinge erfolgen. Gegen den Drahtwurm hat sich eine mehrjährige Anbaupause mit gleichzeitigem Anbau von Kleegras bewährt.

Detaillierte Informationen zum ökologischen Maisanbau finden Sie HIER.

Anwendung „ökologischer“ Methoden bringt auch Benefits für den konventionellen Maisanbau:

Das pflanzenbauliche Management der im ökologischen Maisanbaus zentralen Herausforderungen, also der Unkrautkontrolle und der Nährstoffversorgung, bietet Strategien, die auch im konventionellen Maisanbau Anwendung finden könnten. Durch Maßnahmen wie Untersaaten, das Anhäufeln zwischen den Maisreihen oder Mulchsaat und weite Fruchtfolgen, können positive Wirkungen auf Erosion, Nährstoffaustrag, Unkrautdruck, Bodenleben, Bodentragfähigkeit und Pflanzengesundheit, bewirkt werden.

Gesamtfazit der Informationsreihe

Mais ist besser als sein Ruf

… auch wenn die Kulturpflanze häufig negativ dargestellt wird.

Mais ist in der Anbauintensität nicht schlechter, sondern eher besser als die meisten anderen Marktfrüchte. Pflanzenbaulich heißt es aber, sich genau mit dem Anbaumanagement auseinanderzusetzen. Dann ist der Maisanteil an der Bewirtschaftungsfläche zweitrangig.

Die im Zusammenhang mit dem Maisanbau bestehenden/ oft geäußerten Vorurteile z. B. zur Anbaufläche, Pflanzenschutz und Nachhaltigkeit sind nicht haltbar. Gerade der niedrigste Pflanzenschutzmitteleinsatz aller gängigen Marktfrüchte, die hohe Energiedichte und die positive Energiebilanz sprechen für den Mais. Aber die Einhaltung aller gesetzlichen Vorgaben sowie der guten fachlichen Praxis sind die Grundvoraussetzungen, um Mais wasser – und umweltschonend anzubauen.

Die wichtigste Stellschraube ist das betriebliche Anbaumanagement!

Hier bietet sich ein großes Potenzial, Einfluss auf die Auswirkungen beim Maisanbau zu nehmen. Von der Fruchtfolge über die Bodenbearbeitung, Saat, Humusbilanz, Erosionsvermeidung und das Düngemanagement bis zum Erntetransport gibt es viele Möglichkeiten, den Maisanbau nachhaltiger im Sinne des Wasser- und Umweltschutzes zu gestalten.

Zum Nachlesen finden Sie hier die anderen Teile der Serie:

TeilThema
1Einführung ins Thema
2Hintergründe und Fakten zum Maisanbau: Entwicklung, Energie- und CO2-Bilanz des Maisanbaus zur Biogasgewinnung
3Nachhaltigkeit und Herausforderung von landwirtschaftlichen Betrieben mit Maisanbau?
4Biodiversität, Fruchtfolge, EU-Regelungen
5Humusbilanz
6Erosionen
7Organische Düngung
8Pflanzenschutz
9Erntetransport
10Maisanbau im ökologischen Landbau und Fazit