Mais anbauen – Informationsreihe

Teil 3: Nachhaltigkeit und Herausforderungen

Nachhaltigkeit von landwirtschaftlichen Betrieben mit Maisanbau

Nachhaltigkeit in Bezug auf den Anbau von Ackerkulturen (Mais, Weizen, Raps, Zuckerrüben etc.) bezieht sich in erster Linie auf umweltrelevante Kenngrößen wie Nährstoffhaushalt, Bodenschutz, Pflanzenschutz, Landschafts- und Artenvielfalt, Energiebilanz und Treibhausgase. Eine 2011 veröffentlichte Studie „Nachhaltigkeit landwirtschaftlicher Betriebe mit Maisanbau“ kommt zu dem Ergebnis, dass diese Kenngrößen in erster Linie vom Betriebsmanagement beeinflusst werden und nicht vom Anteil des Maises an der Ackerfläche des Betriebes. Es sind gezielt eingesetzte pflanzenbauliche Maßnahmen, die Nachhaltigkeit schaffen. Für die Studie wurden neun Betriebe in Deutschland mit unterschiedlich hohem Anteil von Körner- und/oder Silomais drei Jahre lang untersucht. Der Bewertung lag das „Kriteriensystem nachhaltige Landwirtschaft“ (KSNL) zu Grunde.

Als Ergebnis zeigte sich, dass der Betrieb mit 85 % Maisanteil an der Ackerfläche (seit 2015 Beschränkung auf 75 % der Hauptfrucht an einer Fruchtfolge) den noch akzeptablen Boniturbereich beim Phosphorüberschuss (P-Saldo), den N-Emissionen durch die Tierhaltung und der Fruchtartendiversität überschritt. Hier lagen die Werte über der Boniturnote 6, welche die noch akzeptable Belastung (z. B. für eine Wassergefährdung) anzeigt. Alle anderen Kenngrößen wie u. a. Humus-, N-Saldo und Pflanzenschutzmitteleinsatz sind im Toleranzbereich (max. Note 6). In diesem Bewertungssystem geht der Boniturbereich von Note 1 (anzustrebendes Optimum) bis Note 11 (sehr hohes Risiko für umweltrelevante Belastungen). War der P-saldo beim Betrieb mit 85 % noch zu hoch erreichte interessanterweise der Betrieb mit einem nahezu gleich hohen Maisanteil von 82 % bei dem P-Saldo eine gute Boniturnote von 4. Auch im Bereich Humus-, N-Saldo und der N-Emission erreichte der Betrieb sehr gute Boniturnoten von 3, 1, und 1. Dies zeigt, dass Fruchtfolgen mit hohem Maisanteil nicht zwangsläufig zu problematischen Umweltauswirkungen führen müssen. Vielmehr zeigt sich dadurch, dass es vorrangig am Betriebsmanagement und den damit verbundenen pflanzenbaulichen Strategien wie z. B. Düngung, Pflanzenschutz und Fruchtfolgengestaltung liegt, inwieweit der Maisanbau nachhaltig sein kann. Einzige Überschreitungen der Note 6 gab es in dem Betrieb mit 82 % Maisanteil nur bei der Fruchtartendiversität und der Pflanzenschutzmittelintensität. Hinsichtlich dem Pflanzenschutzmitteleinsatzes wurde bei der Studie der Vergleich zu anderen maisanbauenden Betrieben in der Region herangezogen, was diesen Betrieb schlechter hat abschließen lassen. Dies zeigt aber auch, dass die Betriebsleitung beim Pflanzenschutz nachregulieren sollte. Dennoch hat Mais im Vergleich zu anderen Ackerkulturen wie z. B. Weizen die geringste Einsatzhäufigkeit von Pflanzenschutzmitteln, was Langzeiterhebungen zeigen (PAPA Erhebungen).

Insbesondere die gängige Meinung, dass der Humusgehalt bei vermehrtem Maisanbau abnimmt, konnte durch die Studie nicht bestätigt werden. So haben sowohl ein Maisanteil von 37 % als auch von 82 % sehr gute Boniturnoten von 4 und 3, hinsichtlich des Humussaldos erreicht. Der Betrieb mit dem geringsten Maisanteil von 14 % hatte im Ergebnis sogar eine schlechtere Boniturnote von 5.

Die Betriebsleitung kann also mit dem pflanzenbaulichen Management erheblich dazu beitragen, dass Maisanbau nachhaltig und umweltverträglich sein kann.

Zu ähnlichen Ergebnissen kam die bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) im Rahmen der sog „Boden-Dauerbeobachtung in der Landwirtschaft“. Im Beprobungszeitraum über 30 Jahre (1986 bis 2016). konnte nur eine kleine Abnahme der Humusgehalte der gesamten bayerischen Ackerböden durch die Zunahme des Maisanbaus festgestellt werden. Dies zeigts sich im statistischen Auswertungsmodell, wo der Maisanteil in der Fruchtfolge keine Rolle spielte. Die Hauptfaktoren für einen Anstieg oder Abbau des organischen Kohlenstoffgehalt des Bodens und damit dem Humusgehalt zeigt nachfolgende Tabelle:

Aufbau Corg.Abbau Corg.
Organische DüngungGrünlandumbruch
Jahre unter Ökolandbau v.a. Kleegras in der FruchtfolgeKlimawandel
Eintrag organischer Substanz z. B. Wurzelmasse, Stroh

Neben diesen Erhebungen sollen europäische Regelungen (momentan noch: Greening, Cross Compliance, zukünftig: Öko-Regelungen) aber auch nationale Programme dazu führen, dass landwirtschaftliche Betriebe ein Basislevel an Umwelt- und Wasserschutz einhalten. Dies sog. GAP (gemeinsame Agrarpolitik der EU) beinhaltet hierbei Standards für die Erhaltung von Flächen in einem guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand sowie Regelungen zu den Grundanforderungen an die Betriebsführung. Darin enthalten sind Maßnahmen wie bspw. der Schutz des Grundwassers gegen Verschmutzung, Mindestanforderungen an die Bodenbedeckung, Mindeststandards der Bodenbearbeitung zur Erosionsvermeidung, die Erhaltung des Anteils der organischen Substanz im Boden, der Verbleib von Landschaftselementen und Regelungen zum Pflanzenschutz.

Nationale Programme zur Sicherung der Nachhaltigkeit von landwirtschaftlichen Betrieben im Sinne von Umwelt- und Gewässerschutz sind u. a.: Kulturlandschaftsprogramm (KULAP), Bayerisches Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) sowie Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinienprogramm (LNPR). Beispiele aus dem Maßnahmenkatalog der Programme sind z. B.:

  • extensive, vielfältige Fruchtfolgen
  • Mulchsaat bei Reihenkulturen
  • Winterbegrünung statt Umbruch von Ackerflächen
  • anlegen von Gewässer- und Erosionsschutzstreifen
  • Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz und mineralischen Dünger
  • Maßnahmen für geschützte, im Bestand gefährdete Arten und ihre Lebensräume
  • emissionsarme Wirtschaftsdüngerausbringung
  • anlegen von Blühflächen

Wichtig sind ferner Maßnahmen, die zu einer Zufuhr mit organischem Material führen: und durch das Betriebsmanagement umgesetzt werden können, u.a.:

  • Untersaaten
  • Mischfruchtanbau (z. B. Mais und Stangenbohnen)
  • Rückführung des Gärproduktes
  • Zwischenfrüchte

Welche pflanzenbaulichen Herausforderungen kommen im Maisanbau vor und wie können diese gelöst werden?

Insbesondere in Regionen mit einem hohen Tierbesatz und hoher Biogasanlagendichte kann es zu einem verstärkten Anbau von Mais kommen. Dies führte in der Vergangenheit dazu, dass der Begriff der „Vermaisung“ der Landschaft aufkam, was zu einem schlechten Image der Pflanze und der Biogasproduktion und folglich zu gesellschaftlichen Akzeptanzproblemen führte. Interessanterweise kam der Begriff der „Vermaisung“ erst mit dem Biogasboom auf, obwohl deutschlandweit 2/3 der Maisanbauflächen v.a. für die Tierfutterproduktion benötigt werden.

Diese Akzeptanzprobleme sind sicher schwierig zu lösen. Wobei die Pflanze oft zu Unrecht im Fokus der Öffentlichkeit steht. Starkregenereignisse im Frühjahr, die zu den verheerenden Schäden im Jahr 2016 führten, können nicht vorrangig dem Maisanbau zu Lasten gelegt werden. Unabhängig von der Regenmenge haben auch andere Kulturen wie Zuckerrüben oder Kartoffeln im Frühjahr eine sehr geringe Bodenbedeckung und einen weiten Reihenabstand, was das Wasserrückhaltevermögen verschlechtert und zu Erosionen führen kann.

Was aber zu lösen ist sind die pflanzenbaulichen Herausforderungen im Anbau. Hier ist der Mais besonders durch die weiten Reihenabstände, der langsamen Jugendentwicklung und der hohen Nährstoffversorgung anfällig für negative Umweltauswirkungen.

Bei der Lösung der Herausforderungen beim Maisanbau ist besonders das betriebliche Management das zentrale Element zu einem wasser- und umweltschonenden Anbau.

Welche Möglichkeiten hier bestehen, steuernd einzugreifen, werden ab dem nächsten Teil der Informationsreihe, der in drei Wochen erscheint, aufgezeigt.

Zum Nachlesen finden Sie hier Teil 1, Teil 2

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