Mais anbauen – Informationsreihe

Teil 4: Biodiversität, Fruchtfolge, EU-Regelungen

Biodiversität

Die Biodiversität ist in reich strukturierten Naturräumen stärker ausgeprägt als in landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen. Bei einer zunehmenden Konzentration auf eine einzelne Kulturpflanze in der Fruchtfolge (enge Fruchtfolge) sowie deren großflächigem Anbau (Monokultur), wird die Artenvielfalt immer abnehmen.

Innerhalb des Kulturpflanzenanbaus zeigen Studien, dass die Anzahl z. B. an Arthropoden-Arten (Gliederfüßler wie z. B. Insekten, Tausenfüßler, Krebstiere, Spinnentiere) im Maisfeld bei ca. 1.000/ha liegen. Damit ist die Artenvielfalt unter Maisanbau genauso hoch wie in einem Weizenfeld. Außerdem ist im Vergleich zu den anderen Hauptkulturarten wie z. B. Kartoffeln, Zuckerrüben, Raps und Getreide der Einsatz von Insektiziden im Maisanbau am geringsten (Papa Erhebungen), was sich auch schützend auf Nichtzielinsekten auswirkt.

Zusätzlich bieten die Maisflächen vor allem nach der Getreideernte im Juni bis August Habitate, also Lebensräume, für Insekten, die aus den abgeernteten Getreide- und Rapsfeldern in den Mais einwandern. Dieser Effekt ist an die Wanderungsfähigkeit der jeweiligen Insekten gebunden. Flugfähige Insekten können weitere Strecken zurücklegen als flugunfähige. Bei kleineren Schlägen können jedoch auch flugunfähige Insekten in die Maisflächen einwandern. Während der Blütezeit können die Maispflanzen als potenzielle Pollenspender für Bienen im Spätsommer dienen.

Aber auch für Niederwild und Vögel bietet der Mais als Lebensraum vielfältige Vorteile. Durch seinen hohen Wuchs und die weiteren Reihenabstände bietet gerade der Mais Vögeln, wie etwa dem Kiebitz oder der Feldlerche, Habitate in Form von Deckung, Rast- und Nahrungsflächen, wenn andere Kulturpflanzen wie Raps oder Getreide bereits abgeerntet sind. In Trockenjahren kann dies schon ab Juni sein. Folglich können die Revierdichten der Feldlerchen im Maisfeld hoch sein. Hierbei spielt aber vor allem der Bruterfolg eine wichtige Rolle. Dieser wiederum ist von mehreren Faktoren beeinflusst, wie der Dichte und der Wuchshöhe des Pflanzenbestandes sowie des Angebots an Insekten zur Nahrung. Hinsichtlich des Futterspektrums der Feldlerche sind vor allem die umliegenden Vegetationsstrukturen um das Maisfeld herum relevant für den Bruterfolg.

Niederwild wie Hase, Rebhuhn und Fasan profitieren bei der Futtersuche und zur Deckung von den lichteren Maisbeständen vor allem dann, wenn die Getreidepflanzen bestocken und so zu dicht werden. Nach der Ernte von Getreide- oder Rapsfeldern im Juli/August bieten fast nur noch die Maisflächen Schutz für Niederwild.

In diesem Sinn ist Mais hinsichtlich Biodiversität bei Niederwild, Vögeln und Insekten hoch im Reigen der Kulturpflanzen einzuschätzen.

Eine konkrete Maßnahme für mehr Biodiversität ist u.a. die Nutzung von Untersaaten, die zwischen die weiten Maisreihen eingesät werden. Dies können Gräser oder Leguminosen wie Weißklee aber auch Mischungen sein. Die Vorteile dadurch sind u.a.:

  • der Boden ist bedeckt, was Erosionen vermeidet, den Stickstoff im Boden bindet und das Bodenleben fördert.
  • Untersaaten unterstützen den Humusaufbau, bieten ein Habitat für Insekten und Käfer und dienen dem Wild zur Äsung
  • Unkräuter werden unterdrückt, was eine chemische Unkrautbekämpfung unnötig machen kann

Mehr Biodiversität kann auch über Mischanbau generiert werden. Der Mischanbau von Mais mit anderen Kulturarten kann u. a. den ungünstigen Auswirkungen des Reinanbaus entgegenwirken. Neben einem positiven Effekt auf die Artenvielfalt werden Nützlinge gefördert und Schädlinge minimiert. Die höhere Bodenbedeckung mindert Erosionen und unterdrückt Unkräuter.

Eine Kombination, die momentan untersucht wird, ist der Mischanbau Mais/Stangenbohne. Die Maispflanze dient dabei der Bohne zum Hochklettern und die Bohne als Leguminose liefert dem Mais Stickstoff und Insekten über die Blüte Nahrung. In Südamerika ist das sog. MILPA- System bekannt. Dies bezieht neben dem Mais und der Stangenbohne noch den Kürbis mit ein. Durch seine großen Blätter bedeckt er den Boden, was Erosionen und Verdunstung vermeidet sowie Unkräuter unterdrückt. Weitere Mischungspartner mit Mais wie Quinoa, Ackerbohnen, Weißklee oder Lupinen sind denkbar. In der Praxis haben sich diese verschiedenen Kombinationen noch nicht etabliert.

Ein weiteres Beispiel sind Blühstreifen bzw. Blühinseln, die innerhalb bzw. am Rand der Maisflächen angelegt werden. Für eine hohe Wirksamkeit sollten sich die einzelnen Arten der Blühmischung in Anbauperiode und Blühzeitpunkt unterscheiden, das schafft neben einem langfristigen Nahrungsangebot wie Pollen und Nektar für Insekten auch Äsung und Deckung für Kleintiere.

Biodiversität lässt sich auch durch kleinere Schläge bzw. Felder steigern. Kleinere Schlaggrößen bedeuten mehr Grenzlinien zwischen den Schlägen was die Biodiversitätsleistung, also die Artenvielfalt, deutlich steigert.

Fruchtfolge

Aber auch Maßnahmen, die nicht direkt in der Maisfläche Anwendung finden, können die Biodiversität des Gesamtbetriebes steigern. Hier spielt die Gestaltung der Fruchtfolge eine zentrale Rolle. Je mehr gut aufeinander abgestimmte Fruchtfolgeglieder angebaut werden, desto besser.

Auch Dauerkulturen wie die durchwachsene Silphie oder Wildpflanzenmischungen können die Biodiversität steigern und viele Vorteile wie u.a. Bodenruhe, Gewässerschutz durch hohe Durchwurzelung des Bodens und eine geringere Arbeitsintensität, generieren. Vom Betrieb weiter entfernte Ackerflächen oder ungünstig geschnittenen Flächen (Eckenflächen, Flächen an Waldrandnähe) werden nachhaltig bewirtschaftet und voll in den Betrieb integriert.

Dabei kann Mais als zentrales Fruchtfolgeglied die Sicherstellung der Substratproduktion für die Biogasanlage oder der Futtermittel darstellen. Die weiteren Fruchtfolgeglieder u.a. einjährige alternative Biogassubstrate wie Amaranth, Buchweizen, Zwischenfrüchte und Sorghum, dienen dann als wertvolle Ergänzung und können ihre ökologischen Stärken ausspielen wie: tiefe Durchwurzelung des Bodens, geringerer Aufwand beim Anbau, Trockenstresstoleranz, Ackerhygiene als Barriere gegen Krankheitsausbreitung, Blühangebot für Insekten und/oder Schutz des Grundwassers vor Nährstoffeinträgen.

Eine weite Fruchtfolge ist generell die Grundlage für eine hohe Biodiversität. Sie verringert die Ausbreitung von Krankheitserregern und ermöglicht eine Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln. Mais hat hier ja eh schon den Vorteil, dass pro Vegetationsperiode nur eine Pflanzenschutzmaßname gegen Unkräuter nötig ist.

Die Integration einer Biogasanlage in die Betriebsstruktur kann dabei regional sogar Fruchtfolgen erweitern. In Brandenburg wurde vor der Biogaswelle ausschließlich Raps und Weizen angebaut. Mit dem Biogas kam Mais als Fruchtfolgeglied hinzu.

Die beste Kombination sind kleinere Schläge mit weiten Fruchtfolgen, also viele verschiedene Nutzpflanzen. Dies bedeutet für die Tierwelt u.a. Insekten und Vögel, die Nutzung von unterschiedlichen Ressourcen und Lebensräumen.

EU-Regelungen

Bis Ende 2022 koppelt die gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) über das Greening einen Teil der Flächenprämie an zusätzliche Umweltleistungen, die dazu dienen sollen, die Landwirtschaft ökologischer und nachhaltiger zu gestalten.

Hierzu zählen folgende drei Leitlinien:

  1. Höchstanteile bei den Anbaukulturen (Anbaudiversifizierung)
  2. Dauergrünland erhalten
  3. mindestens fünf Prozent der Ackerfläche als ökologische Vorrangfläche bereitstellen

Die ökologischen Vorrangflächen müssen im Umweltinteresse genutzt werden, z. B. durch den Anbau von Zwischenfrüchten oder Leguminosen sowie durch das Anlegen von Landschaftselementen, von Pufferstreifen, Hecken oder Agroforstflächen.

Ab Januar 2023 soll die neue GAP in Kraft treten. Das Ziel ist eine Steigerung der Nachhaltigkeit. Das bisherige Greening wird in die sog. Konditionalitäten, also Grundbedingungen, integriert. Diese sind in den GLÖZ Standard Maßnahmen aufgeführt. Ziel ist es die Flächen in einem guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand zu halten. Beispiele hierzu sind:

  • Fruchtwechsel auf Ackerland
  • Schutz von Feuchtgebieten und Torfflächen
  • Verbot des Abbrennens von Stoppelfeldern
  • Verringerung des Risikos der Bodenschädigung und -erosion
  • Mindestbodenbedeckung

Die Einhaltung der Kriterien ist Voraussetzung zum Erhalt der sog. Basisprämie.

Neu hinzu kommen die sog. Eco-Schemes (Öko-Regelungen). Dies sind jährliche freiwillige Maßnahmen, die unterschiedlich honoriert werden. Beispiele dafür sind:

  • Bereitstellung von Flächen zur Verbesserung der Biodiversität und Erhaltung von Lebensräumen
  • Anbau vielfältiger Kulturen mit mindestens fünf Hauptfruchtarten im Ackerbau einschließlich Leguminosen mit einem Mindestanteil von 10 %
  • Bewirtschaftung von Acker- oder Dauerkulturflächen des Betriebes ohne Verwendung von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln

Diese Maßnahmen sind zwar meist nicht direkt innerhalb des Maisanbaus anzuwenden, sie dienen aber dazu den Maisanbau nachhaltig in ein ganzheitliches Betriebsmanagement zu integrieren.

Im nächsten Teil der Informationsreihe, der in drei Wochen erscheint, geht es um die Humusbilanz.

Zum Nachlesen finden Sie hier Teil 1, Teil 2, Teil 3

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