Biogas im Fokus: Politik, Recht und Technik beim 20. Oberfränkischen Biogas Fortbildungsseminar im Kloster Banz

Beim 20. Oberfränkischen Biogas-Fortbildungsseminar im Kloster Banz kamen Branchenvertreterinnen und -vertreter zusammen, um über die aktuellen politischen, rechtlichen und technischen Entwicklungen der Biogaswirtschaft zu beraten. Die Vorträge boten Orientierung für Betreiberinnen und Betreiber, Planer sowie Versorger in Zeiten wachsender regulatorischer Anforderungen und hoher Netzauslastung.

Moderator Robert Wagner (C.A.R.M.E.N. e.V.) dankte anlässlich des Jubiläums Rainer Schubert vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bayreuth-Münchberg dafür, dass er vor 20 Jahren dieses Fortbildungsseminar ins Leben gerufen und sehr lange selbst organisiert hat.

Anschließend begrüßte Frau Leitende Landwirtschaftsdirektorin (LLD) Gudrun Walter die 125 Teilnehmenden im Namen der Regierung von Oberfranken. Dabei würdigte sie den Beitrag von Biogas zur Energieversorgung sowie als Einkommensoption für die Landwirtschaft und stellte die Angebote der Regierung für Landwirtschaft und Biogas vor.

Politische Perspektive

Dr. Stefan Rauh (Fachverband Biogas e.V.) berichtete über die laufenden Debatten auf EU- und Bundesebene. In Brüssel werde derzeit über ein Tripartite Abkommen verhandelt, das Produktion und Nutzung von Biogas beziehungsweise Biomethan stärken und so die Energiesouveränität der EU erhöhen soll. Da Deutschland die größte Biogasproduktionskapazität in der EU hat, sei der Erfolg des Abkommens maßgeblich vom Engagement Deutschlands abhängig. Auf nationaler Ebene wird die für Anfang 2027 geplante Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) erwartet. Diskutiert werde zudem eine Kraftwerksstrategie, die eine Betriebsdauer in der Stromproduktion von zehn Stunden am Tag vorsieht — eine Anforderung, die für viele Biogasanlagen praktikabel sei.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Dr. Helmut Loibl (Paluka Rechtsanwälte Loibl Specht PartmbB) beleuchtete aktuelle Rechtsfragen, insbesondere die Integration von Batteriespeichern sowie Optionen für Neu- und Bestandsanlagen. Er wies darauf hin, dass Batteriespeicher derzeit keinen gesonderten Flexibilitätszuschlag erhalten — selbst wenn sie mit Biogasstrom geladen werden. In jedem Fall seien frühzeitige Abstimmungen mit dem zuständigen Netzbetreiber unerlässlich. Für Bestandsanlagen sei eine möglichst hohe Überbauung aus wirtschaftlichen Gründen wichtig. Die maximal 8fache Überbauung schneide hier am besten ab. Wenn z.B. aus betrieblichen Gründen möglichst wenig investiert werden soll, kommt auch eine Drosselung der Anlage auf maximal 350 kWel in Frage. Loibl mahnte außerdem zur Sorgfalt bei Ausschreibungen: Formfehler können zum Ausschluss führen.

Clusterbildung als Lösungsansatz bei Netzauslastung

Cornelius Herb (RegPower GmbH) stellte zwei Referenzprojekte zur Clusterbildung vor — dem Zusammenschluss mehrerer Biogasanlagen in einem Gebiet mit ausgelasteten Stromnetzen. Kernschritte sind: Interessenten akquirieren und Einspeisepotenzial ermitteln, die passende Organisationsform wählen und einen Gasnetzanschluss beantragen. Abschließend werden Lieferverpflichtungen der einzelnen Betriebe vertraglich geregelt. Herb untermauerte diese Darstellung mit Wirtschaftlichkeitsberechnungen und einer Machbarkeitsstudie.

Betriebswirtschaftliche Praxis

Christian Quirrenbach (NQ-Anlagentechnik GmbH) rechnete verschiedene Szenarien für den Weiterbetrieb von Bestandsanlagen durch. Aufgrund der hohen Anschaffungswerte für die Flexibilisierung sei es zielführend, 20 Jahre Vergütungsdauer zu erhalten anstelle der üblichen 12 Jahre. Oft werde dies durch das Erschließen von Wärmekunden über ein Satelliten-BHKW erreicht. Während die Biomethaneinspeisung dem freien Spiel der Marktkräfte ausgesetzt ist, kann man bei der Verstromung auf das EEG setzen. Durch geschickte Strom- sowie Wärmevermarktung wird ein Zusatzeinkommen ermöglicht. Insgesamt kann so eine wirtschaftliche Perspektive im Bereich Biogas für die nächste Generation im landwirtschaftlichen Betrieb geschaffen werden.

Das C.A.R.M.E.N.-Fachgespräch bot den 125 Teilnehmenden einen praxisnahen Überblick und konkrete Handlungsempfehlungen für die Branche. Es zeigte zugleich, wie wichtig stabile politische Rahmenbedingungen und technische Lösungen sind, um Biogas als verlässlichen Baustein der Energiewende zu erhalten und auszubauen.

Circa 4.300 Zeichen, Abdruck frei, Belegexemplar erbeten.
Pressekontakt: Carolin Arbeck | Öffentlichkeitsarbeit | 09421 960 322 | carolin.arbeck@carmen-ev.bayern.de