Feierlicher Staatsempfang: Straubing ein Leuchtturm der Bioökonomie

VAUDE, UPM und das kommunale Wärmenetz Röslau erhalten renommierte Auszeichnungen

Straubing, 7. Juli 2026. Gleich drei Gründe zum Feiern gab es beim diesjährigen C.A.R.M.E.N.-Symposium. Neben den beiden Auszeichnungen mit dem Förderpreis Nachwachsende Rohstoffe 2025 und dem Ernst-Pelz-Preis 2025 wurde am gestrigen Abend im Herzogschloss Straubing auch das 25-jährige Jubiläum des Kompetenzzentrums für Nachwachsende Rohstoffe (KoNaRo) gefeiert. Das Wissenschaftszentrum mit seinen drei Säulen C.A.R.M.E.N. e.V., Technologie- und Förderzentrum (TFZ) und dem TUM Campus Straubing für Biotechnologie und Nachhaltigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil des „Ökosystems der Bioökonomie“ und sucht in dieser Konstellation seinesgleichen.

Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger betonte in seinem Grußwort zur Veranstaltung nicht nur das große Potenzial nachwachsender Rohstoffe, sondern auch Straubings Rolle als Leuchtturm: „Das KoNaRo begleitet die gesamte Wertschöpfungskette, von der Pflanze auf dem Feld bis zum marktfähigen Produkt – und hat sich dabei in den vergangenen 25 Jahren zu einem international anerkannten Innovationsstandort entwickelt.“ Im Anschluss überreichte der Minister die beiden traditionsreichen Preise der Nachhaltigkeit, die seit vielen Jahren herausragende Leistungen im Feld der heimischen Rohstoffe würdigen. „Die diesjährigen Preisträger zeigen eindrucksvoll, wie Wirtschaftlichkeit und regionale Wertschöpfung zusammenwirken können“, so Aiwanger.

Förderpreis Nachwachsende Rohstoffe: Biogas‑betriebenes Wärmenetz als Modellprojekt

Den Förderpreis Nachwachsende Rohstoffe 2025 überreichte der Minister an die SPCTRM Engineering GmbH, die Gemeinde Röslau, die Schubert Energie GbR und das gemeinsame Kommunalunternehmen Oberes Egertal. Ihr Projekt „Wärmenetz Röslau“ ist eine Initiative von Kommune, Wirtschaft und regionalen Partnern zur Umsetzung einer nachhaltigen Wärmeversorgung, die auf Biogas aus regionaler Landwirtschaft basiert. Gerade die besonders effiziente und koordinierte Umsetzung bei der „ein Rad in das andere greift“, wie es Projektleiter Michael Stumpe bei der Preisübergabe beschrieb, sowie die intelligente Verbindung unterschiedlicher Infrastrukturmaßnahmen zeichnen das Projekt aus. Die hervorragende Zusammenarbeit, die auch von einer breiten Akzeptanz in der Bevölkerung mitgetragen wurde, bestätigte Bürgermeister Heiko Tröger. „Ein Modell mit Vorbildcharakter weit über die Region hinaus“, attestierte auch Aiwanger.

Bild: v.l. Hubert Aiwanger (bayerischer Wirtschaftsminister), Heiko Tröger (Bürgermeister Röslau), Wolfgang Schubert (Schubert Energie GbR), Michael Stumpe (SPCTRM Engineering GmbH), Stefan Webhofer (Kommunalunternehmen Oberes Egertal) und Michaela Kaniber (bayerische Landwirtschaftsministerin).

Ernst-Pelz-Preis: Weltweit erste Fleecejacke auf Holzbasis

Mit dem Ernst-Pelz-Preis 2025 zeichnete Aiwanger die Vaude Sport GmbH & Co. KG und die UPM Biochemicals Sale GmbH aus. Im Zuge des gemeinsamen Projektes entstand die weltweit erste Fleecejacke auf Holzbasis. „UPM macht sich seit vielen Jahren Gedanken, in welche Richtung man als Unternehmen gehen kann, um das Thema Holz auf die nächste Stufe der Wertschöpfung zu bringen“, erklärt Holger John (Sales Manager bei UPM Biochemicals) die strategische Ausrichtung des Unternehmens. Mit ihrer Bioraffinerie in Leuna wandelt UPM lokales, zertifiziertes Buchenholz, sogenanntes Industrieholz, in biochemische Produkte um. Gemeinsam mit Partnern wie VAUDE sollen hier Routen für Polyester auf nachwachsender Basis aufgebaut werden. „Es geht um Werterhalt“, so René Bethmann (Senior Innovation Manager bei VAUDE Sport GmbH & Co. KG). „Hierzu brauchen wir einen Rohstoff, der regional verfügbar ist, den wir regional umsetzen können und bei dem wir die Transparenz gerade bei der so entscheidenden Gewinnung hier in Deutschland sicherstellen können. Es geht darum, dass wir wirklich die Möglichkeit haben mit dieser Technologie global zu skalieren.“ Es sei perspektivisch nicht nachhaltig Polyester etwa nur aus recycelten Flaschen und Textilien herzustellen. „Die Preisträger zeigen eindrucksvoll, welches Potenzial in der Verbindung von Forschung und industrieller Anwendung steckt“, so der Minister.

Bild: v.l. Hubert Aiwanger (bayerischer Wirtschaftsminister), Jochen Pelz (Preisstifter), René Bethmann (VAUDE Sport GmbH & Co. KG), Holger John (UPM Biochemicals Sale GmbH), Michaela Kaniber (bayerische Landwirtschaftsministerin) und Peter Pelz (Preisstifter)

25 Jahre KoNaRo: Straubing, ein Ort mit Schubkraft

In ihrer Festrede zum Jubiläum hob die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber besonders hervor, welche enorme Innovations- und Anziehungskraft das Kompetenzzentrum in den vergangenen 25 Jahren entwickelt habe. „Straubing ist längst weit mehr als ein Standort. Straubing ist ein Versprechen: Hier wachsen Ideen, hier werden Innovationen erprobt, hier wird aus Forschung konkrete Anwendung. Nirgendwo sonst in Europa findet man diese Dichte an Kompetenz, Forschung, Information und Praxis rund um nachwachsende Rohstoffe wie hier“, betonte Kaniber. Man sei stolz, was in Straubing geschafft wurde, sehe aber gleichzeitig den Auftrag weiterzumachen. Sie unterstrich die zentrale Bedeutung heimischer Biomasse aus Land- und Forstwirtschaft für Klimaschutz, Versorgungssicherheit und regionale Wertschöpfung. Oberbürgermeister Markus Pannermayr betonte in seinem Schlusswort die wichtige Verbindung von Ökonomie und Ökologie. Aus dem ODER müsse ein UND werden, nur so seien die richtigen Weichen für die Zukunft gestellt. Hierüber müsse eine grundsätzliche Einigkeit bestehen, um einerseits für Planungssicherheit zu sorgen – auch über Legislaturperioden hinaus – und gleichzeitig genug Gestaltungsspielraum zu haben. 

Bild: v.l. Markus Pannermayr (Oberbürgermeister Straubing), Werner Döllert (früherer GF C.A.R.M.E.N. e.V.), Michaela Kaniber (bayerische Landwirtschaftsministerin), Dr. Bernhard Widmann (TFZ), Prof. Dr. Volker Sieber (TUMCS), Edmund Langer (C.A.R.M.E.N. e.V.), und Hubert Aiwanger (bayerischer Wirtschaftsminister)

Hintergrundinformation:

Mit dem KoNaRo hat die Bayerische Staatsregierung 2001 die bayernweiten Aktivitäten rund um die Biomasse in Straubing gebündelt. Seither arbeiten hier drei Einrichtungen mit unterschiedlichen Aufgaben und Schwerpunkten eng zusammen:

  • C.A.R.M.E.N. e.V. engagiert sich insbesondere in der Öffentlichkeitsarbeit, Beratung und Projektbegutachtung. Neben der stofflichen und energetischen Nutzung von Biomasse beschäftigen sich die Mitarbeiter auch mit anderen Erneuerbaren Energien sowie mit Fragen der Einsparung und Effizienz.
  • Das Technologie- und Förderzentrum (TFZ) ist für die angewandte Forschung zuständig sowie für Förderung und Beratung. Die Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich des Anbaus von Rohstoff- und Energiepflanzen, der Wärmegewinnung aus Biomasse und der Biokraftstoffe, sowie der Systembewertung Nachwachsender Rohstoffe.

Darüber hinaus ist das KoNaRo auch ein wichtiger Partner für die Umsetzung der Energiewende in Bayern. Mit LandSchafftEnergie wurde ein bayernweites Beratungs- und Informationsnetzwerk gegründet, welches von Straubing aus koordiniert wird.