Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


Biologisch abbaubare Kunststoffe zersetzen sich in der Kompostierung durch Mikroorganismen vollständig zu Kohlendioxid (CO2), Wasser (H2O) und Biomasse. In der Vergärung entsteht beim Abbau zusätzlich zu Kohlendioxid, Wasser und Biomasse noch Methan (CH4).

Für den Abbauvorgang sind verschiedene Parameter wichtig, unter anderem die Außenbedingungen, wie Temperatur, Feuchtigkeit, pH-Wert und zusätzlich die Schichtdicke und Oberfläche des Gegenstandes.

Für die biologische Abbaubarkeit von Kunststoffen spielt die Rohstoffherkunft, also die Tatsache ob fossile oder nachwachsende Rohstoffe bei der Herstellung des Produkts verwendet wurden, keine Rolle. Entscheidend dafür, ob ein Material biologisch abbaubar ist, ist nur seine chemische Struktur. Nur wenn die Mikroorganismen bzw. deren Enzyme die Moleküle, aus denen der Kunststoff besteht, spalten und vollständig verstoffwechseln können, ist dieser auch biologisch abbaubar.

DSC 3788Biologisch abbaubare Kunststoffe gelten zudem als kompostierbar, wenn sie sich unter definierten Bedingungen in einem Kompostierungssystem innerhalb einer vorgegebenen Zeitspanne, d.h. eines Kompostierungszykluses einer technischen Kompostanlage vollständig zu Wasser, Kohlendioxid und Biomasse zersetzen.

Die DIN EN 14995 legt die Kompostierbarkeit von Kunststoffen fest, während sich die DIN EN 13432 mit der Kompostierbarkeit von Verpackungen beschäftigt, die Kriterien bezüglich der Kompostierbarkeit sind allerdings bei beiden Normen gleich.

Um oben genannten Normen zu entsprechen, muss ein biologisch abbaubarer Kunststoff oder eine biologisch abbaubare Verpackung folgende Kriterien erfüllen:

  • Angabe der Werkstoffinhaltsstoffe
  • Biologischer Abbau (im Labortest müssen mind. 90 % des Materials innerhalb von 6 Monaten abgebaut sein)
  • Desintegration, d.h. nach einer Kompostierung dürfen nach max. 12 Wochen höchstens 10 % des ursprünglichen Trockengewichts des Prüfmaterials in einer > 2-mm-Siebfraktion enthalten sein
  • Überprüfen der Kompostqualität (z.B. mittels Pflanzenwachstumstest)
  • Zusatzstoffe, die zu weniger als einem Masse-Prozent enthalten sind, müssen für die Kompostierung unbedenklich sein
  • In der Verpackung verbleibende Reststoffe oder mögliche mit dem Produkt entsorgte Stoffe müssen für die Kompostierung unbedenklich sein
  • Die Gesamtsumme der organischen Verbindungen, für die der biologische Abbau nicht bestimmt werden muss, darf nicht größer als 5 % sein
  • Organische Zusatzstoffe mit Masseanteilen von >1 % im Produkt müssen die Anforderungen von biologisch abbaubaren Zusatzstoffen nachweisen

Sind alle diese Anforderungen erfüllt und von einer zugelassenen Zertifizierungsstelle positiv geprüft, darf das Produkt als Zeichen der Kompostierbarkeit das „Keimling-Logo", das „OK compost-Logo" oder das "Industriell-kompostierbar-DIN geprüft-Logo" tragen. Vergeben wird das „Keimling-Logo" von den Zertifizierungsstellen DIN CERTCO und Vinçotte. Darüber hinaus vergibt Vinçotte auch das „OK compost-Logo". Beide Zertifizierungsschemata basieren auf der Norm DIN EN 13432 bzw. 14995.

Aus diesem Grund hat C.A.R.M.E.N. e.V. im Jahr 2010/ 2011 eine Praxisstudie in Deutschland durchgeführt, bei der untersucht wurde, wie schnell sich marktgängige kompostierbare Bioabfallsäcke unter Praxisbedingungen in verschiedenen Kompost- und Vergärungsanlagentypen abbauen. Als Ergebnis lässt sich zusammenfassen, "dass die über den Einzelhandel vertriebenen untersuchten kompostierbaren Bioabfallsacktypen rasch hohe Abbauraten erreichten. Sie verursachen in diesen Anlagentypen somit keine technischen Probleme und eignen sich unter diesen Gegebenheiten für die Sammlung von Bioabfällen".

Laut einer Markstudie des nova-Instituts, wurden in Europa im Jahr 2015 100.000 Tonnen biologisch abbaubare und kompostierbare Kunststoffe verbraucht. Rund 70% der Produkte am Markt sind kompostierbare Beutel und Taschen, ein Großteil davon Bioabfallbeutel und Tragetaschen. Die zweitgrößte Produktgruppe sind mit 20% Marktanteil Verpackungen.

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