C.A.R.M.E.N.-Check: Rechnet sich ein E-Auto?

Was kostet ein E-Auto? Diese Frage beschäftigt viele private Neuwagenkäufer. Eine fundierte Einschätzung bieten seriöse Autokostenrechner. Für einen Vergleich wird häufig die Kompaktwagenklasse herangezogen, hier exemplarisch der VW ID.3 als Elektroauto und der VW Golf 1.5 eTSI mit Automatikgetriebe als Benziner.

Der Benziner VW Golf, ist etwa 4.000 € günstiger in der Anschaffung. Der wesentliche Bestandteil der laufenden Kosten ist der Wertverlust. Nach fünf Jahren und 75.000 km Laufleistung ermittelt der ADAC-Rechner für den VW Golf einen Wertverlust von 421 € pro Monat. Das elektrische Pendant, der VW ID.3, hat mit 492 € einen höheren Wertverlust. Noch drückt die Skepsis beim Kauf von gebrauchten Elektroautos – insbesondere bei Modellen mit geringer Reichweite – den Gebrauchtpreis und erhöht den Wertverlust. Der Online-Kostenrechner des Öko-Instituts für einen Kompaktwagen bestätigt diese Tendenz mit leicht abweichenden Zahlen. Hier ist der Wertverlust des E-Autos monatlich etwa 30 € höher

In der Anschaffung ist das E-Auto oft noch teurer – im Betrieb nicht

Bei den Betriebskosten dominieren die Energiekosten für Strom bzw. Kraftstoff. Nach ADAC verbraucht der VW ID.3 Strom in Höhe von 106 €/Monat, während der VW Golf auf Benzinkosten von 134 €/Monat kommt. Das Öko-Institut kalkuliert den Benzinverbrauch nicht mit Normverbrauchswerten, sondern mit höheren und praxisnäheren Werten, jedoch auch mit geringeren Stromkosten für das Laden des E-Autos. Damit fallen für den Elektrowagen 68 €/Monat an, während für den Golf die Benzinkosten 200 €/Monat betragen.

Die Versicherungsbeiträge sind vergleichbar, jedoch sind Elektroautos für zehn Jahre von der KFZ-Steuer befreit, was ihnen einen Vorteil bei den Fixkosten verschafft. Die angegebenen Fixkosten variieren in dieser Klasse nur leicht zwischen ADAC und Öko-Institut und betragen etwa 80 €/Monat. Die Werkstattkosten sind beim E-Auto tendenziell niedriger (kein Öl- und Filterwechsel und wendiger Verschleißteile). Allerdings können seltene, aber teure Reparaturen an Ladesystem oder Motorsteuerung auftreten. Der ADAC gibt mit 63 €/Monat nach ADAC gleiche Werkstattkosten für E-Auto und Benziner an, während das Öko-Institut für den E-Antrieb mit deutlich geringeren Kosten rechnet.

Während nach ADAC die monatlichen Gesamtkosten für ein neues E-Auto in den ersten 5 Jahren noch etwas höher sind, weist das Öko-Institut schon von Beginn einen deutlichen Gesamtkostenvorteil für den E-Antrieb aus.

Es geht es nicht nur um „Öko oder Benzin im Blut“

Rational gesehen mangelt es noch oft an der geeigneten Ladeinfrastruktur. Nicht alle Autofahrenden haben einen Ladepunkt in der eigenen Garage und eine Solarzelle auf dem Hausdach. Viele Laternenparker sind von einem praktikablen Stromstecker am Abstellplatz abgeschnitten und fahren deswegen weiterhin an die Zapfsäule.

In Deutschland sind im Unterschied zu China E-Autos noch teurer – vor allem Neuwägen aus hiesiger Produktion. Jedoch hat Volkswagen mit dem E-Polo für 2027 ein Auto zu einem Anschaffungspreis von ca. 20.000 € angekündigt, den Renault mit dem E-Twingo schon 2026 unterbieten wird. Die von der Bundesregierung angekündigte Förderung von elektrifizierten Neuwägen wird ein Übriges dazu beitragen.

Der Elektromotor ist auch aus Umweltaspekten die richtige Wahl. So lässt sich Solar- und Windstrom gut in Akkus zwischenspeichern und der elektrische Antrieb hat eine mehr als doppelt so hohe Effizienz im Vergleich zum Benziner.

Hubert Maierhofer, C.A.R.M.E.N.-Expert für E-Mobilität

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