Vom Buchenholz zum Chemie-Grundstoff
Am 15. Oktober 2026 hat der finnische Konzern UPM seine Bioraffinerie im Chemiepark Leuna (Sachsen-Anhalt) offiziell eingeweiht. Die Anlage zerlegt Buchenholz in Zucker und Lignin und macht daraus Grundstoffe für die Chemie. Mit 220.000 Tonnen Jahreskapazität ist sie nach Unternehmensangaben die größte ihrer Art weltweit.
Die Bioraffinerie verarbeitet Buchenholz aus Durchforstungen und Reststoffe aus Sägewerken. Das Holz stammt laut UPM aus einem Umkreis von etwa 200 Kilometern und eignet sich nicht für höherwertige Verwendungen wie Bau- oder Möbelholz. In einer enzymatischen Hydrolyse wird es in Industriezucker und Lignin aufgespalten.
Aus diesen beiden Zwischenprodukten sollen in Leuna vier Produktgruppen entstehen:
- Bio-Monoethylenglykol (Bio-MEG), ein Grundstoff etwa für PET-Verpackungen und Polyesterfasern
- Bio-Monopropylenglykol (Bio-MPG)
- erneuerbare funktionelle Füllstoffe auf Ligninbasis (Marke UPM BioMotion) als Alternative zu Industrieruß und gefällter Kieselsäure, zum Beispiel in Reifen und Kunststoffen
- Industriezucker
UPM nennt als Einsatzfelder Bekleidung, Verpackungen, Kosmetik, Baustoffe und Reifen, also Produkte, die heute noch weitgehend auf fossilen Rohstoffen beruhen.

Langer Weg bis zur Eröffnung
Angekündigt hatte UPM das Projekt Anfang 2020 mit 550 Millionen Euro Investitionsvolumen und einem Produktionsstart Ende 2022. Die Corona-Pandemie, der Krieg in der Ukraine und technische Nacharbeiten verschoben den Zeitplan. Die Inbetriebnahme begann Ende 2024, die Gesamtinvestition liegt inzwischen bei 1,37 Milliarden Euro.
Ende 2025 kam mit Industriezucker das erste kommerzielle Produkt aus Leuna auf den Markt. Zur Eröffnung meldet UPM, dass die enzymatische Hydrolyse und die Produktion ligninbasierter Spezialchemikalien stabil laufen und der Absatz ausgebaut wird. Konzernchef Massimo Reynaudo bezeichnete die Anlage als „wegweisende Investition“ für das Unternehmen.
Einordnung: Was Leuna für Bayern zeigt
Leuna ist ein Praxistest für eine Frage, die auch in Bayern diskutiert wird: Lassen sich Laubholz-Sortimente, die bisher häufig als Brennholz enden, wirtschaftlich stofflich nutzen? Die Anlage setzt genau dort an, bei Durchforstungsholz und Sägerestholz. Damit steht sie für eine Kaskadennutzung, in der Holz zuerst als Rohstoff dient und erst später energetisch verwertet wird.
Im Projekt BAMBI hat C.A.R.M.E.N. e.V. das Marktpotenzial einer holzbasierten Bioökonomie in Bayern untersucht, mit Blick auf gering- und mittelwertige Sortimente und Laubholz. Leuna liefert dafür ein Referenzbeispiel im industriellen Maßstab.
Auch für die Kunststoff- und Kautschukverarbeitung ist die Anlage interessant. Biobasierte Füllstoffe und Additive sind ein Schwerpunkt im Innovationsnetzwerk CREATE, in dem C.A.R.M.E.N. e.V. gemeinsam mit SKZ, Chemie-Cluster Bayern und Umweltcluster Bayern nachwachsende Rohstoffe in die Kunststoffbranche bringt. Ligninbasierte Füllstoffe, wie sie in Leuna entstehen, passen genau in dieses Themenfeld.
Wie solche Grundstoffe beim Endprodukt ankommen, zeigt ein Beispiel aus diesem Jahr: Im Juli 2026 wurden UPM und der Outdoor-Ausrüster Vaude mit dem Ernst-Pelz-Preis ausgezeichnet. Gemeinsam haben sie die nach eigenen Angaben weltweit erste Fleecejacke aus holzbasiertem Polyester entwickelt. Der Preis wird von der Ernst-Pelz-Stiftung in Kooperation mit C.A.R.M.E.N. e.V. für herausragende Leistungen rund um heimische nachwachsende Rohstoffe verliehen. Das Monoethylenglykol für das Polyester stammt aus der Bioraffinerie in Leuna.
Die lange Hochlaufphase zeigt zugleich, wie anspruchsvoll eine Anlage ist, die es in dieser Form vorher nicht gab. Der Schritt vom Pilotmaßstab zur Großanlage braucht Zeit und Kapital, auch wenn die Technik grundsätzlich funktioniert.
Fragen zu Bioraffinerien und Holz als Chemierohstoff? C.A.R.M.E.N. e.V. berät Unternehmen, Kommunen und Forschung in Bayern. Kontakt C.A.R.M.E.N. e.V.
Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt und redaktionell geprüft.
