Kurzstudie zur Wirtschaftlichkeit der CO2-Abscheidung aus Biomasse in Deutschland veröffentlicht

Die Abscheidung biogener CO₂-Emissionen aus der Biomassenutzung kann einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Technologien wie BECCS (Bioenergy with Carbon Capture and Storage) und BECCU (Bioenergy with Carbon Capture and Utilization) können verbleibende Treibhausgasemissionen ausgleichen bzw. industriell nutzbares, hochreines CO₂ bereitstellen.

Aktuelle Studienergebnisse Stand Februar 2026

Eine neue Studie, die von Seeger Engineering im Auftrag des Hauptstadtbüros Bioenergie und des Bundesverbands der deutschen Bioethanolwirtschaft erstellt wurde, analysiert die Kosten für CO2-Abscheidung und Verflüssigung in drei Bioenergieanwendungen – von gasförmiger, flüssiger und fester Biomasse.

  • Bei flüssiger Biomasse (Bioethanol) fällt CO₂ prozessbedingt bereits in hoher Reinheit an, sodass nur eine Verflüssigung erforderlich ist. Daraus ergeben sich niedrige Gestehungskosten von rund 60 €/t bei der betrachteten Referenzanlage (50 kt/a Ethanol, 40 kt/a verflüssigtes CO2).
  • Gasförmige Biomasse (Biogasaufbereitung):  Prozessbedingt entsteht hochreines CO2, wodurch eine kostenintensive Abtrennung entfällt und nur eine Verflüssigung notwendig ist. Jedoch führen die kleineren Anlagengrößen, im Vergleich zu Bioethanolanlagen, zu höheren spezifischen Kosten von 117 €/t CO2.
  • Feste Biomasse (Holzheizkraftwerk): Beim betrachteten Szenario mit Einsatz von holzartiger Biomasse und CO2-Abtrennung mittels Aminwäsche vor der Verflüssigung entstehen die höchsten CO2-Gestehungskosten von 119 €/t, wobei etwa die Hälfte der Gesamtkosten auf Strom‑ und Wärmekosten entfällt.

Methodik

Methodisch basiert die Studie auf statischen Wirtschaftlichkeitsrechnungen mit einheitlichen Annahmen zu Strompreis, Zinssatz, Laufzeit. Zudem berücksichtigt sie Investitions‑ sowie Betriebs‑ und Verbrauchskosten am Standort der Abscheidung. Als zentrale Kostentreiber werden v.a. der Energiebedarf, insbesondere für Strom, sowie die Anlagengröße, Auslastung und Wärmeintegration identifiziert. Transport‑ und Speicherkosten für CO₂ wurden in den Gestehungskosten nicht eingerechnet.

Frühere Studienergebnisse

In einer früheren BBE-Studie (Oktober 2023) wurde konservativ ein aktuelles technisches Abscheidepotenzial
von rund 13,1 Mio. t CO₂ pro Jahr für ausgewählte Bestandsanlagen in Deutschland quantifiziert. Dieses Potenzial bildet laut der aktuellen Studie „eine tragfähige Basis sowohl für bestehende Anwendungen als auch für den künftigen Hochlauf von Power-to-X-, Methanol-, Polymer- und Baustoffpfaden, sofern Logistik, Clustering und regionale Hubs effizient organisiert sind.“ Zur Studie aus dem Jahr 2023 gelangen Sie hier: https://www.bioenergie.de/application/files/2517/7390/4173/231009_Kurzstudie_Potenziale_CO2-Abscheidung_aus_Biomasse_1.pdf

Hemmnisse und Potenziale bezüglich BECCS-/BECCU-Technologien

Als Hemmnisse für bisherige Umsetzung von BECCS-/BECCU-Technologien in Deutschland werden u.a. unklare regulatorische Rahmenbedingungen sowie fehlende Infrastruktur für CO2-Transport und -Speicherung benannt. Ergänzend dazu liefert die Kurzstudie CCU in Bayern regionale Analysen zu CCU‑Potenzialen in Bayern, worin insbesondere das Potential zur Clusterbildung bei Biogasanlagen und Anknüpfungspunkte für industrielle Abnehmer von biogenem CO2, betrachtet wird.


Weitere Informationen

C.A.R.M.E.N.-Themenseite CCUhttps://www.carmen-ev.de/carbon-capture-and-utilization/ unter diesem Link stehen auch Veranstaltungstermine und vertiefende Publikationen bereit.