Lohnt sich für Transportfahrzeuge bis 3,5 t der Umstieg auf Elektroantrieb?

Für Nutzfahrzeuge in Firmenparks ist der Dieselantrieb vorherrschend. Es ist jedoch festzustellen, dass das Angebot an Fahrzeugen mit Elektroantrieb zunimmt. Noch ist der Anschaffungspreis für den E-Antrieb höher, kann jedoch durch die geringeren Betriebs- und Wartungskosten amortisiert werden. Oft sind individuelle Anforderungen entscheidend.

Die Vorteile eines E-Transporters liegen auf der Hand:
  • Im Vergleich zu Dieselkraftstoff sind die Kosten für Strom geringer. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass der Preis für den Ladestrom stark variieren kann. Für das Normalladen sind Kosten von etwa 0,3 €/kWh realistisch. Durch die Nutzung von eigenem PV-Strom ist hier eine deutliche Reduzierung möglich. Ladestrom an öffentlichen Ladepunkten kostet hingegen deutlich mehr. Vor allem an Schnellladepunkten können sich die Kosten verdoppeln.
  • Die Erfahrungen der letzten Jahre weisen auf eine hohe Lebenserwartung für die Batterie und den E-Antrieb hin. Viele wartungsintensive Komponenten wie etwa Verbrennungsmotor mit Abgasanlage, Kupplung oder Getriebe entfallen oder sind einfacher ausgeführt sind. Der Bremsenverschleiß nimmt durch die Rekuperation oder „generatorisches Bremsen“ des E-Motors ab.
  • Reduzierte Emissionen können ein Vorteil sein, da z. B. Umweltzonen einfacher befahren werden können. Auch für das Image des Betriebs kann der E-Antrieb vorteilhaft sein. E-Fahrzeuge sind deutlich leiser.
  • Die Fördermöglichkeiten für gewerblich genutzte Fahrzeuge sind in den letzten Jahren reduziert worden. Zuschüsse oder günstige Darlehen, z. B. für die Installation von Ladepunkten existieren jedoch weiterhin.
Herausforderungen:
  • E-Transporter sind in der Regel teurer in der Anschaffung als Dieselmodelle. Die Aufpreise liegen im Bereich von etwa 10 bis 20%. Sobald eine hohe Reichweite – und damit ein größerer Akku nötig ist, erhöhen sich die Anschaffungskosten weiter bei abnehmender Nutzlast.
  • Die reale Reichweite liegt bei etwa 250 bis 400 km. Bei weiten Distanzen ist ein Ladepunkt am Zielort vorteilhaft. In vielen Betrieben sind mehrere Fahrzeuge im Einsatz, so dass sich die E-Fahrzeuge spezifisch einsetzen lassen.
  • Am Fahrzeugstandort muss eine Ladeinfrastruktur (Normalladen) aufgebaut werden. Die Ladezeiten sind zwar im Vergleich zum Tanken länger, jedoch ist bei den meisten Touren unterwegs kein zusätzlicher Schnelladestopp nötig.
Zwischenfazit:

Für Handwerksbetriebe, die hauptsächlich in urbanen Bereich mit stop-and-go-Verkehr unterwegs sind, kann der Umstieg auf E-Transporter wirtschaftlich sinnvoll sein. Auf dem Betrieb ist eine Normallader unabdingbar. Ohne Nachladen sind Reichweiten von 200 Kilometer gut darstellbar.

Folgende individuelle Anforderungen können zusätzlich entscheiden sein:
  • Nicht alle E-Fahrzeuge können mit einem Anhängekupplung geordert werden. Zumeist liegen die Anhängelasten unter dem Niveau von Dieselfahrzeugen. Die reale Reichweite verkürzt sich beim Anhängerbetrieb.
  • Oft wird für die Transportfahrzeuge eine Standheizung gewünscht oder eine Klimatisierung des Ladeabteils gefordert. Dies lässt sich beim E-Antrieb durch die mitgeführte Antriebsbatterie oft einfacher und damit kostengünstiger realisieren.
  • Der Fahrakku eines Elektrofahrzeugs kann grundsätzlich zum Aufladen elektrischer mobiler Geräte genutzt werden. Ebenso kann die Batterie des Fahrzeugs externe Geräte oder auch integrierte elektrische Geräte direkt mit Strom versorgen.

Gute Übersichten mit Beschreibung der Fahrzeugmodelle können hier eingesehen werden:

https://nextmove.de/nutzfahrzeuge/

https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/elektromobilitaet/elektroauto/e-transporter/#elektrischer-vw-transporter-ab-55-253-euro

https://www.handwerk-magazin.de/transporter-mit-elektroantrieb-168865

Letztendlich entscheiden die individuelle Anforderungen, ob der E-Antrieb wirtschaftlich umsetzbar ist. Gerade im internationalen Kontext ist zu erkennen, dass der E-Antrieb stetig mehr Anwendungen erschließt. Die Anschaffungskosten sind noch hoch, die Betriebskosten lassen sich oft durch PV-Eigenstromnutzung wesentlich reduzieren.

Infos von Bayern Innovativ zur Elektromobilität:

https://www.bayern-innovativ.de/leistungen/mobilitaet/kompetenzstelle-elektromobilitaet