Der Wandel des Waldes wird zum Treiber des Wandels der Holzverwendung

Wald und Holznutzung standen und stehen schon immer in enger Wechselwirkung: Wir pflanzen was wir nutzen wollen, und ernten was wir brauchen. Nun könnte sich das Henne-Ei-Verhältnis zwischen beiden gerade verschieben.

Über Jahrhunderte haben menschliche Nutzungsansprüche den Wald geprägt: Waldweide und Streunutzung hinterließen andere Wälder, ebenso die Nachfrage nach Brenn-, Bau- oder Grubenholz. Aus dem Bedarf an großen Mengen gut verfügbarem Nadelholz entstand der professionelle Anbau von Fichte und Kiefer. Sie wurden und blieben zum zentralen Rohstoff Forstwirtschaft, Sägeindustrie und Holzbau.

Heute kommt eine neue Dynamik hinzu: Der Klimawandel und Waldumbau verändern zunehmend, welches Holz überhaupt zur Verfügung stehen wird. Die Fichte gerät zunehmend unter Druck. Die Antwort der Forstwirtschaft sind gemischte und gestufte Mischwälder mit einem breiteren Baumartenspektrum. Die Fichte wird zwar nicht verschwinden aber ihre bisherige dominante Rolle als Standardrohstoff verlieren.

Damit stellt sich eine Frage, die nicht allein die Forstwirtschaft beantworten kann: Wie nutzen wir das Holz, das der Wald der Zukunft hervorbringt?

Denn Waldumbau endet nicht am Waldrand. Wenn künftig andere Mengen, andere Baumarten und vielfältigere Sortimente bereitstehen, betrifft das die gesamte Wertschöpfungskette. Sägewerke, Holzwerkstoffindustrie, Holzbau, Forschung und Produktentwicklung müssen Wege finden, diese Vielfalt wirtschaftlich zu nutzen. Besonders deutlich wird das beim Laubholz: Es fällt bereits heute in erheblichen Mengen an, wird aber noch überwiegend energetisch genutzt; seine konstruktive Verwendung steht trotz enormer Potentiale im Vergleich zum Nadelholz erst am Anfang.

Das bedeutet nicht, künftig einfach Fichte durch eine andere Baumart zu ersetzen. Wahrscheinlicher werden wir unterschiedliche Holzarten für unterschiedliche Aufgaben, für neue Werkstoffe und in Kombinationen aus Nadel- und Laubholz sehen. Wir erwarten zusätzliche Anwendungen aus der holzbasierten Bioökonomie.

Die Essenz: Früher haben unsere Nutzungsansprüche den Wald verändert. Heute verändert der Wald, wie wir Holz nutzen.

Darin liegt eine der großen Aufgaben der kommenden Jahre. Waldumbau braucht nicht nur Waldbau. Er braucht auch einen Umbau der Wertschöpfungskette Holz – und die Bereitschaft, neue Verwendungsmöglichkeiten für das Holz zu entwickeln, das unsere Wälder künftig liefern können.

Terminhinweis: Diskutieren Sie mit am 12. November 2026 beim 2. Laubholzdialog in Memmingen-Dickenreishausen, “natürlich” in einem Haus aus Laubholz.

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