Mit der neuen Reihe „Laubholz – Zukunft für Wald, Bau und Bioökonomie“ beleuchtet C.A.R.M.E.N. e.V. die Potenziale heimischer Laubbaumarten entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Laubwald über Laubholz als Hochleistungsbaustoff bis hin zu Fragen der Baustoffzulassung.
Laubholz für klimastabile Wälder
Die Wälder in Bayern und Deutschland befinden sich im Wandel. Steigende Temperaturen, längere Trockenperioden, häufigere Extremwetterereignisse und (teils neue) Schaderreger verändern die Wachstumsbedingungen vieler Baumarten grundlegend. Insbesondere Bestände mit überwiegend Nadelbäumen geraten zunehmend unter Druck. Gleichzeitig eröffnen sich Chancen, die Wälder widerstandsfähiger und vielfältiger zu gestalten. Eine Schlüsselrolle kommt dabei dem Laubholz zu.
Klimastabile Wälder brauchen Vielfalt
Die Anpassung der Wälder an den Klimawandel zählt zu den wichtigsten Aufgaben der Forstwirtschaft. Ein wesentlicher Baustein ist der Umbau hin zu strukturreichen Mischwäldern mit einem höheren Anteil standortgerechter Laubbaumarten. Arten wie Eiche, Buche oder Ahorn gelten auf vielen Standorten als wichtige Bestandteile klimastabiler Wälder. Sie reagieren unterschiedlich auf Trockenheit, Stürme oder Schädlinge und verteilen dadurch Risiken besser als einseitig aufgebaute Bestände. Mischwälder erhöhen die Stabilität des gesamten Ökosystems. Fällt eine Baumart aufgrund extremer Witterung oder eines Schädlingsbefalls teilweise aus, können andere Baumarten ihre Funktionen übernehmen. Dadurch bleibt der Wald insgesamt leistungsfähig und kann fortwährend Kohlenstoff aus der Atmosphäre aufnehmen und in Holz einspeichern.
Mehr Biodiversität durch Laubholz
Laubbäume schaffen wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier-, Pflanzen- und Pilzarten. Alte Eichen beherbergen mehrere hundert spezialisierte Insektenarten, Buchenwälder bieten Lebensraum für zahlreiche Vogelarten, Moose und Pilze, während Ahorn und andere Mischbaumarten das ökologische Gefüge zusätzlich bereichern. Eine größere Baumartenvielfalt führt also häufig auch zu einer höheren biologischen Vielfalt. Unterschiedliche Kronenstrukturen, Blühzeiten, Früchte und Laubstreu schaffen vielfältige Lebensbedingungen und fördern stabile Nahrungsketten. Damit leisten Laubwälder einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität.
Vielfältige Ökosystemleistungen
Wälder erfüllen weit mehr Aufgaben als die Bereitstellung des Rohstoffs Holz. Sie speichern Kohlenstoff, schützen Böden und Grundwasser, regulieren den Wasserhaushalt, verbessern das Lokalklima und dienen als Erholungsraum für die Bevölkerung. Mischwälder mit einem ausgewogenen Anteil an Laubbaumarten können viele dieser Ökosystemleistungen besonders effektiv erbringen. Unterschiedliche Wurzelsysteme erschließen verschiedene Bodenschichten, verbessern die Wasserspeicherung und erhöhen die Bodenfruchtbarkeit. Gleichzeitig tragen vielfältige Waldbestände dazu bei, die Anpassungsfähigkeit des gesamten Ökosystems an zukünftige Klimaveränderungen zu stärken.
Nachfrage schafft Anreize für den Waldumbau
Der Waldumbau ist eine langfristige Investition. Die Pflanzung, Pflege und Entwicklung klimastabiler Mischwälder verursacht erhebliche Kosten und bindet Waldbesitzer über Jahrzehnte.
Deshalb ist eine steigende Nachfrage nach heimischem Laubholz von großer Bedeutung. Je besser Laubholz stofflich genutzt und hochwertig vermarktet werden kann, desto größer sind die wirtschaftlichen Anreize für Waldbesitzer, den Umbau ihrer Wälder voranzutreiben. Die Wertschöpfung aus Laubholz kann somit einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung klimastabiler Wälder leisten. Dabei geht es nicht allein um klassische Anwendungen im Möbel- oder Innenausbau. Neue Einsatzmöglichkeiten im modernen Holzbau sowie innovative Anwendungen in der Bioökonomie eröffnen zusätzliche Absatzmärkte und stärken die wirtschaftliche Bedeutung heimischer Laubhölzer.
Wald und Markt gemeinsam denken
Aus Sicht von C.A.R.M.E.N. e.V. müssen Waldentwicklung und Holznutzung gemeinsam betrachtet werden. Ein erfolgreicher Waldumbau benötigt nicht nur geeignete Baumarten und waldbauliche Konzepte, sondern ebenso funktionierende Wertschöpfungsketten, die heimisches Laubholz nachhaltig und hochwertig nutzen. Die stoffliche Nutzung von Laubholz verbindet Klimaschutz, Ressourceneffizienz und regionale Wertschöpfung. Sie schafft Perspektiven für Waldbesitzer, stärkt die heimische Holzwirtschaft und unterstützt den Ausbau einer biobasierten Wirtschaft.
Ausblick
In den kommenden Beiträgen der Reihe „Laubholz – Zukunft für Wald, Bau und Bioökonomie“ zeigt C.A.R.M.E.N. e.V., welche Potenziale heimische Laubhölzer in unterschiedlichen Anwendungsbereichen bieten. Im Mittelpunkt stehen innovative Holzbauprodukte, moderne Fertigungstechnologien, neue Einsatzfelder in der Bioökonomie sowie erfolgreiche Praxisbeispiele aus Bayern und darüber hinaus.
Am 12. November diskutieren wir die Potentiale von Laubholz im Bau direkt am Objekt. Merken Sie sich diesen Tag gerne schon vor.
Weitere Infos:
Weitere Informationen rund um das Bauen und Sanieren mit Holz finden Sie auf der Themenseite von C.A.R.M.E.N. e.V., hier werden auch Veranstaltungen und Publikationen angeboten.
– Zur Nutzung von regionalem Holz stellt C.A.R.M.E.N. eine Broschüre bereit, die hier abgerufen werden kann.
