Immer mehr Staaten setzen auf eine Wirtschaft, die fossile Rohstoffe durch Pflanzen, Mikroorganismen und organische Reststoffe ersetzt. Das zeigt der „Global Bioeconomy Policy Report 2026“, den der International Advisory Council on Global Bioeconomy (IACGB) am 20. Oktober 2026 in Dublin vorgestellt hat. Besonders viel Bewegung gibt es derzeit im Globalen Süden.
Der Bericht wertet aus, wie Länder und Regionen weltweit den Umbau hin zu einer biobasierten Wirtschaft politisch gestalten. Federführend erarbeitet haben ihn Forschende des Zentrums für Entwicklungsforschung (ZEF) und des Instituts für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik (ILR) der Universität Bonn gemeinsam mit der Universität Münster. Als Ko-Autorinnen und Ko-Autoren haben 46 Mitglieder des IACGB sowie weitere regionale Fachleute mitgewirkt. Finanziert wurde die Arbeit vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat über das Programm „Nachhaltige Erneuerbare Ressourcen“ der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR).
Afrika und Lateinamerika holen auf
Inzwischen haben 63 Länder und Regionen eigene Bioökonomie-Maßnahmen beschlossen. Neue nationale Strategien gibt es unter anderem in Namibia, Äthiopien und Kenia. In Lateinamerika haben Brasilien, Uruguay und Ecuador nachgelegt. Auch auf internationaler Ebene hat sich etwas bewegt: Unter brasilianischem G20-Vorsitz haben sich die Staaten auf zehn hochrangige Prinzipien zur Bioökonomie verständigt. Es ist das erste multilaterale Dokument zu diesem Thema.
Unterschiedliche Schwerpunkte
Die Strategien setzen verschiedene Akzente. Der Bericht ordnet sie vier Leitbildern zu:
- Bioressourcen: 34 Prozent
- Biotechnologie: 32 Prozent
- Bioökologie: 20 Prozent
- biosoziale Ziele: 14 Prozent
Dass biosoziale Ansätze an Gewicht gewinnen, werten die Autoren als Zeichen dafür, dass soziale Teilhabe und der Nutzen für lokale Gemeinschaften stärker beachtet werden. Gleichzeitig spielen Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit eine wachsende Rolle, bis hin zu biotechnologischen Anwendungen im Verteidigungsbereich. Der Bericht empfiehlt, wirtschaftliche Chancen mit dem Schutz der biologischen Vielfalt, einer nachhaltigen Ressourcennutzung und einer inklusiven Entwicklung zu verbinden.
Lücke zwischen Strategie und Budget
Bei der Umsetzung fehlt es häufig an Geld. 94 Prozent der Strategien verweisen auf öffentliche Forschung und Entwicklung, aber nur 47 Prozent sehen dafür ein eigenes Budget vor. Mitautor Dr. Gideon Tups vom ZEF hält es deshalb für entscheidend, mehr privates Kapital für biobasierte Wertschöpfung zu gewinnen und verbindlicher nachzuhalten, was die Strategien tatsächlich bewirken.
Mehr politische Aktivität als je zuvor
Der IACGB beobachtet die politische Entwicklung der Bioökonomie seit 2015. Seitdem hat er 217 politische Dokumente aus 74 Ländern und Makroregionen erfasst, darunter 67 eigenständige Bioökonomie-Strategien und 150 begleitende Maßnahmen. Seit Januar 2024 sind 44 neue Dokumente hinzugekommen. 2024 war damit das aktivste Jahr seit Beginn der Erhebung.
Einordnung
Auch in Europa und Bayern ist die Bioökonomie strategisch verankert: Bayern verfolgt seit 2020 die Strategie „Zukunft.Bioökonomie.Bayern“, die EU hat ihre Bioökonomiestrategie Ende 2025 neu aufgelegt. Der Befund zur Finanzierung ist auch für die stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe relevant. Ob Biokunststoffe, Naturfaserwerkstoffe oder Bioraffinerie-Konzepte: Zwischen erfolgreicher Forschung und marktfähigem Produkt liegt meist ein Investitionsschritt, den einzelne Unternehmen nur schwer allein stemmen. Wie schnell biobasierte Produkte im Markt ankommen, hängt deshalb wesentlich davon ab, ob solche Skalierungsschritte finanziert werden können.
Weiterführende Informationen
- Global Bioeconomy Policy Report 2026 (PDF, englisch)
- Pressemitteilung der Universität Bonn vom 19. Oktober 2026
Quelle: Universität Bonn, Pressemitteilung vom 19.10.2026
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