Hanf.Wert.Bayern: Gemeinsam die Wertschöpfungskette von morgen gestalten

Wie können Hanffasern künftig stärker regional verarbeitet werden? Welche Infrastruktur wird dafür benötigt? Und wie lassen sich unterschiedliche Nutzungswege bündeln, um eine wettbewerbsfähige Wertschöpfungskette in Bayern aufzubauen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Fachveranstaltung „Hanf.Wert.Bayern – Impulse für Infrastruktur, Investitionen und industrielle Wertschöpfung“. Dabei wurde die Veranstaltung von C.A.R.M.E.N. e.V. gemeinsam mit der Öko-Modellregion Stadt.Land.Regensburg organisiert.

Ziel der Veranstaltung war es, Akteure entlang der gesamten Hanffaser-Wertschöpfungskette zusammenzubringen. Dies umfasste Bereiche von Forschung und Entwicklung über Landwirtschaft, Maschinenbau und Verarbeitung bis hin zu Unternehmen aus der Textil- und Baubranche sowie potenziellen Investoren. Im Mittelpunkt stand die Entwicklung gemeinsamer Perspektiven für regionale Wertschöpfungsstrukturen. Zusätzlich wurde die Diskussion möglicher Hanf-Hubs beziehungsweise Wertschöpfungszentren in Bayern geführt.

Vom Anbau bis zum Endprodukt

Nach der Begrüßung und einer Einführung in den Projekthintergrund des Dialogforums Nutzhanf und Naturfasern verdeutlichte Ely Eibisch, Vizepräsident des Bayerischen Bauernverbandes und Vorstand von C.A.R.M.E.N. e.V. in seinem Impulsvortrag, warum Nutzhanf sowohl für die Landwirtschaft als auch für die industrielle Bioökonomie zunehmend an Bedeutung gewinnt. Es wurde klar, dass der Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten nur im engen Zusammenspiel aller beteiligten Akteure gelingen kann.

Ein besonderes Highlight der Veranstaltung war die Vorstellung der sächsisch-bayerischen Hanf-Jeans, die gemeinsam von FARMHUS materials und MAC Jeans entwickelt wurde. Dr. Heinz-Friedrich Schönleber und Dr. Jochen Steinwachs zeigten anschaulich, dass die Aufbereitung von regionalen Hanffasern zur Beimischung in der Herstellung von hochwertigen textilen Produkten bereits heute realisierbar ist. Gleichzeitig wurden die Herausforderungen entlang der Prozesskette deutlich. Diese reichen von der Erzeugung geeigneter Faserqualitäten über Aufschluss und Verarbeitung bis hin zu den spezifischen Anforderungen der textilen Industrie. Das Praxisbeispiel machte greifbar, welches Potenzial in Hanffasern aus regionalem Anbau steckt. Es zeigte aber auch, an welchen Stellen die Wertschöpfungskette in Bayern noch geschlossen werden muss.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten für Hanffasern


Im weiteren Verlauf der Veranstaltung beleuchteten Fachvorträge aus Praxis und Forschung unterschiedliche Nutzungspfade für Hanffasern und zeigten auf, welches Potenzial der Rohstoff für verschiedene Branchen bietet.

Der Vortrag von Matthias Schwarz, Geschäftsführer von Rottal Hanf stellte die ganzheitliche Nutzung der Hanfpflanze in den Mittelpunkt. Er zeigte zudem auf, wie Fasern und weitere Pflanzenbestandteile für die Herstellung von Bauplatten und anderen biobasierten Baustoffen eingesetzt werden können.

Anschließend präsentierte Susanne Scholcz vom TFZ Ergebnisse aktueller Feldversuche zur Optimierung des Hanfanbaus. Im Fokus standen dabei Einflüsse verschiedener Anbauverfahren auf Ertrag und Faserqualität. Außerdem stellte Scholcz Erkenntnisse aus dem laufenden Projekt „VorfruchtHanf“ vor, das den Mehrwert von Nutzhanf in Fruchtfolgen untersucht.

Den Abschluss des Themenblocks bildete ein Vortrag von Mark Töpfer, Geschäftsführer von Natuvalis. Anhand praktischer Erfahrungen erläuterte er die Anforderungen an Anbau, Ernte und Verarbeitung in Bezug auf die Qualität von Nutzhanffasern für hochwertige textile Langfaseranwendungen.

Es wurde verdeutlicht, dass Bayern für den erfolgreichen Aufbau einer wettbewerbsfähigen Hanffaserwirtschaft eine gemeinsame Roadmap benötigt. Diese soll Akteure vernetzen sowie Entwicklungsschritte koordinieren. Darüber hinaus sollen bestehende Fördermöglichkeiten gezielt gebündelt werden, um den Aufbau regionaler Wertschöpfungsstrukturen nachhaltig voranzubringen.

Austausch auf Augenhöhe

Den größten Raum nahm der offene Vernetzungs- und Arbeitsbereich ein. Anhand zahlreicher Materialmuster und Praxisbeispiele berieten sich die Teilnehmenden zu gemeinsamen Ideen für zukünftige Wertschöpfungsstrukturen.

Die knapp 40 Gäste nutzten die Gelegenheit zum intensiven Austausch. Das Teilnehmerfeld war bewusst breit aufgestellt. Vertreterinnen und Vertreter aus Forschung und Entwicklung, landwirtschaftliche Betriebe, Dienstleistungsunternehmen, Verarbeiter sowie Unternehmen aus der Textil- und Baubranche brachten ihre unterschiedlichen Perspektiven ein. In einer offenen und konstruktiven Atmosphäre teilte man Erfahrungen aus der Praxis knüpfte neue Kontakte und vertiefte bestehende Netzwerke.

Im Mittelpunkt der Diskussionen standen gemeinsame Infrastruktur- und Investitionsbedarfe sowie Kooperationsmöglichkeiten entlang der Wertschöpfungskette. Weiterhin diskutierte man erste Ansätze für eine „Roadmap Hanffaser Bayern“, die den weiteren Ausbau regionaler Strukturen unterstützen soll.

Die Nachfrage entscheidet über den Erfolg

Zum Abschluss stellte man eine zentrale Frage bewusst provokant in den Raum: Wann springen die Abnehmer endlich mit auf den Zug auf?

Denn das Potenzial von Hanffasern ist unbestritten. Entscheidend für den Aufbau einer tragfähigen Wertschöpfungskette wird jedoch sein, dass Industrie und Markt die verfügbaren Rohstoffe verstärkt nachfragen und in ihre Produkte integrieren. Der aktuelle Trend deutet auf eine stärkere stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe gegenüber der energetischen Verwertung hin. Diese Entwicklung eröffnet auch für Hanffasern neue Chancen.

Die Veranstaltung machte deutlich: Das Wissen, die Innovationskraft und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit sind vorhanden. Nun gilt es, die bestehenden Kompetenzen zu bündeln. Investitionen müssen angestoßen werden, damit gemeinsam die nächsten Schritte gegangen werden können. So können Hanffasern künftig einen festen Platz in der bayerischen Bioökonomie einnehmen.

Weitere Informationen zum Thema Hanf finden Sie hier: https://www.carmen-ev.de/industriepflanzen/