Das C.A.R.M.E.N.-Fachgespräch „Marktchancen Biogas – Erfolgsfaktor Flexibilität“ fand am 27.10.2026 in Schnelldorf in Kooperation mit dem Fachverband Biogas statt. 50 Teilnehmende wurden zunächst mit Vorträgen zu verschiedenen Aspekten der Flexibilisierung informiert und konnten anschließend die nahegelegene Biogasanlage der Hofkraft GmbH & Co. KG in Gailroth besichtigen. Zu Beginn der Veranstaltung betonte Joachim Fahsl der Regierung von Mittelfranken in seinem Grußwort, dass Westmittelfranken zu den bedeutendsten Biogas-Regionen Bayerns gehöre und eine wichtige Vorreiterrolle spiele.
Rechtlicher Rahmen
Im ersten Fachvortrag stellte Georg Friedl vom Fachverband Biogas die Rahmenbedingungen des EEG zur Flexibilisierung vor. Dabei ging er insbesondere auf Herausforderungen ein, auf die Betriebe regelmäßig stoßen. So warnte er davor, das 1.000-Stunden-Qualitätskriterium für die Flexibilitätsförderung auszureizen vor dem Risiko, dass im Dezember Probleme mit dem BHKW auftreten. Eigenstromnutzern empfahl er, in Absprache mit dem Netzbetreiber einen geeichten Stromerzeugungsmesser zu installieren, ansonsten werden die Einhaltung des Kriteriums deutlich schwieriger. Zur geplanten EEG-Novellierung konnte Friedl keinen neuen Stand mitteilen. Allgemein werde die Bedeutung von Biogas in der Politik erkannt, allerdings gelte: „Biogas ist sehr wertvoll und muss gezielt eingesetzt werden“.
Warum braucht man Flexibilität?
Dieser Frage stellte sich Christian Dorfner von der SK Verbundenergie AG. Seine Antwort: Die volatilen Energien Wind und Sonne führen zu stark schwankenden Strompreisen, auf die Biogasanlagen mit ihrer Fähigkeit zur bedarfsgerechten Einspeisung reagieren müssen. Voraussetzung sei eine entsprechende messtechnische Ausrüstung. Anhand von Fahrplänen konkreter Anlagen stellte er verschiedene Möglichkeiten der flexiblen Betriebsweise vor. So plädierte er auch dafür, statt auf den Regelleistungs- auf den Intraday-Markt zu setzen, weil letzterer bei fast gleichen Verdienstmöglichkeiten besser planbar sei. Festpreisverträge werden derzeit wieder verstärkt diskutiert. Hier sollte nach Ansicht von Dorfner der Wert deutlich über dem Zuschlagswert liegen.
Erfahrungen der biologischen Flexibilisierung
Im Anschluss stellte Thorsten Sturm sein Konzept der flexiblen Fütterung an seiner Biogasanlage (2,6-fach überbaut) vor. Er reduziert die Fütterung zum Wochenende stark und verdoppelt damit die Reichweite des Gasspeichers. Seine Motivation zur Flexibilisierung durch die Substratfütterung: „Eine Optimierung, ohne viel Geld in die Hand zu nehmen.“ , so Sturm. Das zügige Hochfahren der Gasproduktion wird erreicht, indem zusätzlich Maissilage in den Nachgärer gefüttert wird. Grundsätzlich sei bei ihm das limitierende Element die Kapazität des Wärmespeichers, daher plädierte er dafür, diesen nicht zu klein auszulegen.
Ökonomie flexibler Biogasanlagen
Eine der wichtigsten Fragen, die sich Biogasanlagenbetreibende laut Sebastian Altmann, C.A.R.M.E.N. e.V., stellen sollten: „Ab wann verdiene ich Geld?“ Daher sollten sie ihren Deckungsbeitrag, also den Strompreis, ab dem sie Gewinn erzielen, kennen. Bei niedrigen Strompreisen solle lieber weniger gefahren werden, um unter anderen Substratkosten zu sparen. Zusätzlich empfiehlt Altmann, die Abrechnungen der Netzbetreiber zu kontrollieren und auf mögliche Rückforderungen, aufgrund von höher als erwarteten Jahresmarktwerten, vorbereitet zu sein.
Beantragung eines Netzanschlusses
René Walter von der PlanET Biogastechnik GmbH stellte im Anschluss einen Fahrplan für den Netzzugang mit den jeweils vom Netzbetreiber einzuhaltenden Fristen vor. Da die Netzbetreiber keine möglichen Alternativen prüften, riet er dazu, mehrere Anfragen mit unterschiedlichen Leistungen und Inbetriebnahmezeitpunkten zu stellen. Wichtig sei zudem, bei nicht eingehaltenen Fristen die Netzbetreiber zeitnah anzumahnen.
Finanzierung der Flexibilisierung
Bei der Finanzierung ist laut Gerd Reißlein von der VR Bank im südlichen Franken eG eine partnerschaftliche und verlässliche Zusammenarbeit besonders wichtig. Er stellte dar, welche Unterlagen für eine erfolgreiche Finanzierung erforderlich seien und ging auch auf Themen wie Sicherheiten, Projektfinanzierung und Bewertung der Mehrerlöse ein. Außerdem solle auch immer ein Puffer eingeplant werden, um Nachfinanzierungen zu vermeiden.
Biogasanlagenbesichtigung
Zum Abschluss der Veranstaltung konnten die Teilnehmenden bei besten Herbstwetter die Biogasanlage von Stefan Brand besichtigen. Diese wurde 2009 in Betrieb genommen und seitdem stetig erweitert, bis auf jetzt 1.900 kW installierte Leistung mit einer 3,2-fachen Überbauung. Darüber hinaus wird über einen Satelliten (780 kW) ein länderübergreifendes Wärmenetz für Bayern und Baden-Württemberg versorgt. Sein größter Speicher sei das Fahrsilo, in dem Substrate für 1,5 Jahre gelagert werden könnten. Der Gasspeicher ermöglicht im Sommer, mehr als zwei Tage die BHKW abzuschalten. Die Mehrerlöse betrugen in den vergangenen Jahren regelmäßig mehr als 3 ct/kWh, allerdings wünscht auch er sich einen größeren Wärmepufferspeicher.
Das Fachgespräch ist Teil der Reihe Marktchancen Biogas des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie (StMWi).
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