Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft und Forschung diskutieren regionale Wertschöpfung, innovative Technologien und die Voraussetzungen für den Markthochlauf erneuerbarer Kraftstoffe.
Wie können erneuerbare Kraftstoffe regional produziert und für den Luftverkehr sowie weitere Anwendungen im Verkehrssektor nutzbar gemacht werden? Mit dieser Frage beschäftigten sich Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft und Forschung beim „Forum Erneuerbare Kraftstoffe“ am 22. Oktober 2026 in Straubing. C.A.R.M.E.N. e. V. hatte gemeinsam mit dem TUM Campus Straubing sowie dem Airport Straubing Veranstaltung eingeladen. Der erste Teil fand am Flugplatz Straubing-Wallmühle statt, am Nachmittag standen am TUM Campus Straubing aktuelle Forschungsarbeiten und Technologieentwicklungen im Mittelpunkt.
Das Forum thematisierte die Chancen einer regionalen Kraftstoffproduktion, die Nutzung heimischer Rohstoffe und die Frage, wie innovative Technologien den Weg von der Forschung in die industrielle Anwendung finden können. Angesichts globaler Unsicherheiten und der Abhängigkeit von internationalen Kraftstoffmärkten gewinnt die Entwicklung nachhaltiger Alternativen zunehmend an Bedeutung.
Bavaria Bio Fuels: Regionale Rohstoffe für nachhaltige Kraftstoffe
Ein zentraler Programmpunkt war die Vorstellung des Projekts „Bavaria Bio Fuels“ durch Florian Kindzorra, Geschäftsführer des Flugplatzes Straubing-Wallmühle. Das Vorhaben sieht vor, regionale Rohstoffe wie Holzhackschnitzel und weitere geeignete Biomasse für die Herstellung nachhaltiger Kraftstoffe zu nutzen. Geplant ist eine Anlage im Hafen Straubing-Sand, in der unter anderem nachhaltiger Flugkraftstoff (Sustainable Aviation Fuel, SAF) sowie weitere Kraftstoffe produziert werden könnten.
Die angestrebte Produktionskapazität liegt bei bis zu 10.000 Tonnen nachhaltigem Flugkraftstoff pro Jahr. Damit könnte das Projekt einen Beitrag leisten, den wachsenden Bedarf an klimafreundlicheren Kraftstoffen im Luftverkehr zu decken und zugleich regionale Rohstoffpotenziale zu erschließen. Die von Flugplatz Straubing-Wallmühle und dem Zweckverband Abfallwirtschaft Straubing Stadt und Land (ZAW-SR) angestoßene Initiative wird vom Bayerischen Wirtschaftsministerium unterstützt. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Verfügbarkeit geeigneter Rohstoffe. Regionale Rest- und Rohstoffströme können dazu beitragen, Wertschöpfung vor Ort zu halten und neue Perspektiven für die regionale Wirtschaft zu schaffen. Zugleich müssen technische Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Genehmigungsfähigkeit gewährleistet sein.
Verlässliche Rahmenbedingungen und starke Partner gefragt
In den Grußworten wurde deutlich, dass erneuerbare Kraftstoffe nicht nur eine technologische, sondern auch eine wirtschaftliche und infrastrukturelle Herausforderung darstellen. Oberbürgermeister Markus Pannermayr betonte die Bedeutung neuer Lösungen für die Herausforderungen der kommenden Jahre. Flughäfen seien wichtige Infrastruktureinrichtungen für die Region und könnten dazu beitragen, den Wandel hin zu nachhaltigeren Kraftstoffen voranzubringen.
Auch Landrat Tobias Beck hob die Chancen einer regionalen Produktion hervor. Insbesondere heimische Rest- und Rohstoffe könnten eine wichtige Grundlage für neue Wertschöpfungsketten bilden. Ziel sei es, geeignete Technologien in der Region zu entwickeln und wirtschaftliche Perspektiven vor Ort zu stärken.
Dr. Philipp Brodbeck, Leiter der Abteilung Erneuerbare Energien im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, unterstrich die Bedeutung regionaler Wertschöpfung und technologieoffener Lösungen. Gerade im Luftverkehr seien die Möglichkeiten einer direkten Elektrifizierung begrenzt. Erneuerbare Kraftstoffe könnten deshalb einen wichtigen Beitrag zur Transformation des Verkehrssektors leisten.

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurden die Herausforderungen beim Aufbau einer industriellen Produktion erörtert. Dazu zählen insbesondere die Verfügbarkeit und die Kosten der Rohstoffe und der Energie sowie die Konkurrenz um geeignete Einsatzstoffe. Neben tragfähigen technischen Konzepten braucht es langfristige Abnehmer, Investoren und Betreiber, die die Umsetzung entsprechender Anlagen ermöglichen. Ebenso wichtig sind verlässliche politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Die Diskussion machte deutlich, dass kleinere Flughäfen und regionale Technologiecluster gute Voraussetzungen für die Erprobung und Umsetzung neuer Ansätze bieten können. Die in Straubing gewonnenen Erfahrungen könnten damit auch für andere Standorte von Interesse sein.
Forschung am TUM Campus Straubing als Grundlage für die Umsetzung
Am Nachmittag wurde das Forum am TUM Campus Straubing fortgesetzt. Dort standen aktuelle Forschungsprojekte, technologische Entwicklungen und die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft im Mittelpunkt. Unter anderem wurde das Projekt „SynergieFuels“ vorgestellt. Weitere Forschungseinrichtungen und Unternehmen präsentierten ihre Aktivitäten und Ansätze zur Entwicklung nachhaltiger Kraftstoffe.
Staatssekretärin Dr. Claudia Süß vom Bundesministerium für Verkehr betonte die Bedeutung der Verbindung von Forschung und praktischer Anwendung. Gute Forschung sei eine wesentliche Voraussetzung für Innovationen. Entscheidend sei jedoch, dass neue Lösungen den Weg in den Markt fänden. Dafür brauche es geeignete technologische Ansätze, robuste Lieferketten und einen verlässlichen regulatorischen Rahmen.
Bei einer begleitenden Ausstellung sowie im Rahmen von Einblicken in die Labore des TUM Campus Straubing, beim Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik und beim Technologie- und Förderzentrum erhielten die Teilnehmenden weitere Einblicke in die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten am Standort.
Straubing als Standort für nachhaltige Kraftstoffe stärken
Das Forum hat gezeigt, dass Straubing gute Voraussetzungen bietet, um Forschung, Infrastruktur, regionale Rohstoffpotenziale und industrielle Umsetzung miteinander zu verbinden. Mit Projekten wie „Bavaria Bio Fuels“ können konkrete Perspektiven für die Produktion nachhaltiger Kraftstoffe entstehen. Für die nächsten Schritte gilt es, die technischen und wirtschaftlichen Grundlagen weiterzuentwickeln, geeignete Partner zusammenzubringen und langfristige Investitionen zu ermöglichen. So kann die Region dazu beitragen, die Abhängigkeit von fossilen Kraftstoffen zu verringern, regionale Wertschöpfung zu stärken und nachhaltige Lösungen für den Luftverkehr und weitere Bereiche des Verkehrssektors voranzubringen.
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