Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


Hinsichtlich des Brandverhaltens unterscheidet man aktuell nach DIN 4102-1 zwischen nichtbrennbaren Baustoffen der Klasse A und brennbaren Baustoffen der Klasse B. Naturfaserdämmstoffe sind generell der Baustoffklasse B2 (Brennbar, normal entflammbar) zugeordnet.

Die Nichtbrennbarkeit bzw. Brennbarkeit von Baustoffen lässt nicht generell auf die Feuerwiderstandsfähigkeit der Bauteile schließen. Die Feuerwiderstandsfähigkeit von Bauteilen wird durch die Angabe der Feuerwiderstandsdauer in Minuten (z.B. F30, F60, F120) und durch die Baustoffklasse (A, B, AB) bezeichnet. Die Minuten geben an, wie lange das Bauteil einer Beflammung widersteht. Die Bezeichnung F30-B eines Bauteils sagt aus, dass die Feuerwiderstandsdauer mindestens 30 Minuten beträgt und brennbare Materialien (B) eingesetzt wurden. Die Bezeichnung A steht für nicht brennbare Materialien in der Konstruktion. Der Buchstabe B erlaubt brennbare Materialien. Die Bezeichnung AB bedeutet, dass die tragende Konstruktion und eine durchgehende Bekleidung aus nicht brennbaren Material sein muss (also keine tragenden Teile aus Holz), die restlichen Materialien können brennbar sein. Konstruktionen der Feuerwiderstandsklassen F30 und F60 werden als feuerhemmend bezeichnet, solche der Klasse F90 als feuerbeständig. Letztere lassen sich auch aus brennbaren Baustoffen herstellen. 

Die Landes-Bauordnungen geben abhängig von der Gebäudeart für jedes Bauteil die einzuhaltende Feuerwiderstandsdauer an. Je höher das geplante Gebäude wird, umso strenger sind die einzuhaltenden Brandschutzvorschriften. Im Wohnungsbau dürfen für freistehende Gebäude bis zu zwei Geschosse, Dämmstoffe aus Nachwachsenden Rohstoffen eingesetzt werden. Bei höheren Gebäuden gemischter Nutzungsformen sowie bei Gebäuden öffentlicher Nutzung sind die Einsatzmöglichkeiten von Nachwachsenden Rohstoffen zum Teil stark eingeschränkt. Trotz allem können Naturfaserdämmstoffe auch in letzteren Gebäudetypen eingesetzt werden, z. B. wenn ein individuelles Brandschutzkonzept im Dialog mit Brandschutzingenieuren, Feuerwehr und Behörden erstellt wurde.

Sogar wenn nicht brennbare Baustoffe gefordert werden, können mittels besonderer baulicher Maßnahmen oft doch noch Dämmstoffe aus Nachwachsenden Rohstoffen eingesetzt werden: z. B. durch Planung eines zweiten Rettungsweges (z. B. Fluchtweg über Balkone), Einbau einer Sprinkleranlage, durch Brandversuch mit den Verantwortlichen um die „schlechte“ Entflammbarkeit der einzusetzenden Nachwachsenden Dämmstoffe zu demonstrieren oder durch eine Einzelfall-Zulassung.

Mit einer Dämmung aus Nachwachsenden Rohstoffen wird meist ein hohes Brandrisiko verbunden, weil die Dämmstoffe an sich brennbar sind. Die Brandentwicklung und die Ausbreitung eines Feuers in einem Raum wird aber in erster Linie durch das Brandverhalten der dem Feuer zunächst erreichbaren Materialien beeinflusst. Konkret sind das die Einrichtungsgegenstände (z. B. Möbel, Vorhänge, Teppiche) sowie die Oberfläche der Bauteile. Nachrangig sind die weiteren Materialien in der Konstruktion. Daher ist es im Sinne eines vorbeugenden Brandschutzes beim Einsatz brennbarer Materialien von Vorteil, in der Konstruktion Beplankungen aus mineralischen Materialien zu wählen.

Durchgeführte Brandschutzversuche mit Dämmstoffen aus Nachwachsenden Rohstoffen zeigten deren Schwerentflammbarkeit: das Beflammen führte zunächst zu einer Oberflächenverkohlung, die das Innere vor weiterem Abbrand schützte.

Ein weiterer Vorteil von Naturfaserdämmstoffen besteht darin, dass diese im Gegensatz zu Polystyrol keine giftigen Rauchgase (außer Kohlenmonoxid) freisetzen. 

 


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