Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


P1030967Bauen mit Stroh als neuer Trend

Straubing, 27. März 2017 * Am Donnerstag, den 14. März 2017, veranstaltete C.A.R.M.E.N. e.V. im Schulungs- und Ausstellungszentrum (SAZ) des Kompetenzzentrums für Nachwachsende Rohstoffe (KoNaRo) in Straubing den Informationsabend „Bauen mit Stroh – Klima schützen, Kosten sparen“. Über 50 Teilnehmer – potentielle Bauherren, Energieberater, Handwerker und Architekten - kamen zusammen um sich zu den Potentialen des Strohbaus zu informieren sowie Anforderungen und mögliche Hemmnisse zu diskutieren.

Diplom-Geoökologin Julia Lehmann von C.A.R.M.E.N. e.V. sprach über den aktuellen Wissensstand zum Baustoff Stroh. Die Anfänge des Strohbaus sind im späten 19. Jahrhundert in den USA und zwar in Nebraska zu verorten, einem holzarmen Gebiet mit großen Gras- und Getreideflächen. Bei den ersten Strohballenhäusern trugen die Strohwände die Last der Dachkonstruktion. Diese Konstruktion wird bis heute als Nebraska-Stil oder lasttragender Strohballenbau bezeichnet. Später entwickelte sich in den USA die Bauweise mit Holzständerwerk. Seit den 1980er Jahren erlebte der Baustoff Stroh eine Renaissance auch in Europa. Daneben wird Stroh als Zuschlagstoff in Lehmprodukten traditionell eingesetzt und in Form von Strohbauplatten für Zwecke des Trockenbaues verwendet. Hierzulande gibt es für die mit Stroh ausfachende Bauweise dank erfolgreicher Grundlagenarbeit des FASBA (Fachverband Strohballenbau Deutschland e.V.) eine bauaufsichtliche Anerkennung. Bei dieser nicht-tragenden Bauweise bildet ein Holzständerwerk das Tragwerk und die Zwischenräume (Gefache) werden mit Strohballen ausgefüllt. Meist werden Weizen- oder Roggenstroh eingesetzt und dieses mit Rohdichten zwischen 85 kg/ m³ und 115 kg/ m³ zu quaderförmigen Kleinballen verpresst. Heute sind Niedrigenergie-, Passiv- und sogar Plusenergiegebäude mit Strohdämmung erstellbar. Gegenüber konventionellen Massivbauweisen ist die Strohbauweise hinsichtlich des Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutzes ein Multitalent.

Der Fürstenfeldbrucker Architekt Jörg Schöbel gab in seinem Vortrag Einblicke in Theorie und Praxis des Strohballenbaus als zeitgemäßer Nachfolger des altbewährten Fachwerkbaus. Diese langlebige und solide Bauweise glänze heute mit hervorragenden Wärmedämmwerten. Der Strohbau-Experte wies auf die bauphysikalischen Eigenschaften der Kombination von Holz, Stroh, Lehm und Kalk hin, die für ein angenehmes natürliches Raumklima sorgen. Er betonte, das Bauen mit Stroh sei eine Herzenssache. Es handle sich hier um ein reines Naturprodukt, da es ohne große maschinelle Verarbeitung und ohne jegliche Zusätze verwendbar sowie am Lebensende in den biologischen Kreislauf rückführbar sei. Bei Planung und Errichtung eines Strohballenhauses müssten aber einige entscheidende Regeln beachtet werden. Durchaus üblich ist es, das Stroh vom Landwirt des Vertrauens zu beziehen, jedoch nur nach Prüfung und Zertifizierung der Charge durch eine anerkannte Fachfirma. Auch eine gute Vorratshaltung sowie ein jahreszeitlich abgestimmter Bauzeitenplan spielen hierbei eine Rolle. Wichtig sei, dass das Stroh beim Einbau vor Feuchte geschützt wird. So hat sich auch die Vormontage von Wänden in Werkshallen schon bewährt. Strohdämmung kann nur oberirdisch verbaut werden, das heißt ein Spritzwasserschutz mit 30 cm über Geländeniveau ist zu gewährleisten. Da Strohballen direkt verputzt werden können, kann auf Plattenwerkstoffe sowie Dampfbremsfolien verzichtet werden. Die mit 8 mm Lehm oder Kalk verputzte Strohballenwand erfüllt so die Anforderung der Feuerwiderstandsklasse F30 und ist somit feuerhemmend ausgeführt. Die Baukosten würden in etwa denen eines konventionellen Gebäudes entsprechen: „Ein Strohballen-gedämmtes Gebäude ist nicht billig, aber seinen Preis wert“.

Gerhard Huppenberger von der gleichnamigen Firma berichtete über eine neuartige Strohdämmplatte, die in Kooperation mit der Hochschule Hof und der Franken Maxit GmbH in einem Forschungsprojekt entwickelt wurde. Die schwerentflammbare Platte soll vorrangig als direkt verputzbare Außendämmplatte zum Einsatz kommen.

Abschließend referierte Florian Bielmeier - Fachberater denkmalgeschützte Sanierung, Ökologische Baustoffe bei Franken Maxit in Niederwinkling - zu „Eigenschaften und Verwendbarkeit von Lehm- und Reinkalkputzen“. Der Diplom-Restaurator betonte die Bedeutung der ökologischen Putze, denn „man wird beim Bauen mit Stroh keinen Kunstharzputz verwenden“. Heute leben in Fachwerkgebäuden, bei denen die Gefache zwischen den Balken mit Lehm ausgekleidet sind, allein in Deutschland mehr als 2 Millionen Menschen. In den 1950er Jahren wurden Lehmbaustoffe weitestgehend durch industrielle Baustoffe verdrängt. Seit Mitte der 1980er Jahre entwickelte sich der Lehmbau neu. Angetrieben von engagierten Denkmalpflegern und der Öko-Bewegung ist Lehm nun im 21. Jahrhundert ist Lehm wieder „in“ und es gibt vielfältige Produkte. Lehmprodukte sind gute Wärmespeicher und sie schützen vor Schall. Lehmputze konservieren das eingebaute Holz; sie sind schadstofffrei und können Schadstoffe und Gerüche aus der Luft sogar dauerhaft binden. Zudem sorgen Innenputze aus Lehm oder Kalk für eine gesunde Regulierung des Raumklimas auf 45-55 % Luftfeuchte. Ungebrannte Lehmprodukte sind auch besonders umweltfreundlich, da sie vollständig wiederverwendbar sind. Wichtig sei es beim Arbeiten mit Lehm und Kalk, die Trocknungszeiten zu beachten und in den Bauablauf sorgfältig miteinzuplanen, denn sonst entstehen Risse. Putze und Mörtel auf „Naturhydraulischer Kalk“- Basis eignen sich besonders für ökologische Bauvorhaben und Sanierungen sowie für die Verwendung in der Baudenkmalpflege. Für die Außenfassade eines Strohhauses empfiehlt der Experte Reinkalkputze, die nur aus Wasser, Kalk und Sand bestehen; sie seien sehr langlebig und witterungsbeständig.

Weitere Informationen zum Bauen mit Stroh finden Sie hier sowie Branchenadressen zum Strohbau hier.


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