Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


DSC 3788Straubing, 19. Juli 2016 * (nr) * Zum 700-jährigen Stadtturmjubiläum wurde von vielen fleißigen Helfern aus 25.000 Meter rotem Bioplastikband eine Schleife gestrickt, und diese schmückt seither das Straubinger Wahrzeichen. Auch in der Diskussion um den freiwilligen Verzicht auf kostenlose Plastiktüten vieler Geschäfte in Straubing taucht immer wieder der Begriff „Bioplastik“ auf. Höchste Zeit einmal genauer zu betrachten, was sich hinter dem Begriff verbirgt und sich zu fragen, ob Bioplastik eine Möglichkeit bietet, dem steigenden Bedürfnis vieler Bürger und Unternehmen nach nachhaltigeren Lösungen gerecht zu werden.

Die Begriffe Bioplastik oder Biokunststoff sind nicht geschützt und so kann die Vorsilbe „Bio“ im Bereich der Kunststoffe für zwei unterschiedliche Eigenschaften stehen: „biobasiert“ und/oder „biologisch abbaubar“. Wichtig ist: viele aber nicht alle Biokunststoffe erfüllen gleichzeitig beide Kriterien. Auf Grund der uneinheitlichen Verwendung des Begriffs kann beim Verbraucher der Eindruck entstehen, alle Biokunststoffe sind biologisch abbaubar und lassen sich im privaten Kompost oder in der Biotonne entsorgen. Dies ist jedoch nicht der Fall. Im Jahr 2014 waren etwa 40% der weltweit produzierten Biokunststoffe „biologisch abbaubar“. Bei einigen Produkten wird durch die Kompostierbarkeit auch ein zusätzlicher Nutzen erreicht. Etwa bei kompostierbaren Biomüllbeuteln mit dem Potential zur Steigerung der Sammelbereitschaft in der Bevölkerung oder speziellen Mulchfolien für die Landwirtschaft, die nach der Ernte einfach untergepflügt werden und dadurch zusätzliche Arbeitsgänge ersparen können. Produkte, die aus zertifiziert kompostierbarem Kunststoff hergestellt sind (DIN EN 13432), tragen als Kennzeichen meist das Keimlingslogo – wie z. B. die Straubinger Bioabfallbeutel.

Der Großteil aber, nämlich ca. 60% der Biokunststoffe, sind biobasiert und nicht biologisch abbaubar. Es wird erwartet, dass ihr Anteil in Zukunft sogar noch weiter steigen wird. Biobasierte Kunststoffe werden, ähnlich wie Bio-Kraftstoffe oder Bio-Gas, komplett oder anteilig aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Hierfür kann eine Vielzahl pflanzlicher Rohstoffe und Reststoffe aus der Land- und Forstwirtschaft eingesetzt werden. Die Nutzung „Nachwachsender Rohstoffe“ ist dabei keineswegs eine neue Erfindung. Zu Beginn der Entwicklung der ersten modernen Kunststoffe, Mitte des 19.Jahrhunderts, wurden zunächst Naturprodukte wie Kautschuk, Baumwolle und Leinöl durch chemische Verfahren zu Gummi, Zelluloid und Linoleum verarbeitet. Erst durch die Entdeckung von Kunststoffen auf Basis von Erdöl wurden diese ersten biobasierten Kunststoffe wieder weitestgehend vom Markt verdrängt. Jedoch haben Klimawandel und schwindende Erdölreserven und auch gesteigertes Umweltbewusstsein bei Unternehmen und Verbrauchern zu größerem Interesse an biobasierten Kunststoffen geführt. Inzwischen bilden sogenannte „Drop-In“-Kunststoffe den größten Anteil der produzierten Biokunststoffe. Diese sind wie im Fall von Bio-PET oder Bio-PE chemisch mit konventionell hergestellten, fossil basiertem PET oder PE identisch und lassen sich daher analog verarbeiten und recyceln. Aber auch biologisch abbaubare Kunststoffe eignen sich grundsätzlich für das Recycling. Die aktuell sehr geringen Anteile im Abfallstrom stellen kein Problem für bestehende Recyclingverfahren dar und bei steigenden Anteilen lassen sich sowohl die Sortieranlagen, als auch die Recyclingverfahren entsprechend darauf einstellen.
Neuere Studien konnten zeigen, dass gängige Biokunststoffe wie z. B. Stärkeblends, aus denen die Straubinger Stadtturmschleife besteht, bereits jetzt in wichtigen Umweltauswirkungen wie Primärenergieverbrauch und CO2-Bilanz bei der Herstellung konventionell hergestellten Kunststoffen überlegen sind. Zusätzlich bieten sie erhebliches Potential zur weiteren Verbesserung der Ökobilanzen. Dies ist unter anderem durch größere Produktionsmengen, optimierte Produktionsverfahren sowie die Verwendung von land- und forstwirtschaftlichen Reststoffen zu erwarten. Neben bewusstem Verbraucherverhalten und Selbstverpflichtungen des Handels stellen Biokunststoffe daher eine Chance dar, den immer größer werdenden Herausforderungen durch schwindende Rohölreserven bei gleichzeitig steigendem Kunststoffverbrauch zu begegnen. Es liegt auch an uns Verbrauchern Biokunststoffen diese Chance zu geben.

 


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