Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


Wildpflanzen Richthof 160816 177Ein nachhaltiger Umgang mit unseren Ressourcen wird zunehmend wichtiger und künftig auch im Handlungsfeld von Politik und Wirtschaft mehr in den Fokus rücken.

Vor dem Hintergrund der Knappheit von fossilen Rohstoffen, wie beispielsweise Erdöl wurde der Begriff Ressourcenwende geprägt. Darunter versteht man die durch ökologische und auch wirtschaftliche Aspekte hervorgerufene Abkehr von fossilen Rohstoffen zu Nachwachsenden Rohstoffen. Es werden fossile Rohstoffe, meist Erdöl in der industriellen Produktion durch Nachwachsender Rohstoffe ersetzt. Dies kann in der Nutzung von Pflanzenfasern, Ölen, Fetten, Proteinen, Zucker, Stärke, Cellulose oder anderer weiterverarbeiteter Bestandteile und Inhaltsstoffe verschiedener Pflanzen oder auch Holz erfolgen.

Im Laufe der letzten Jahre stieg die Anbaufläche von Nachwachsenden Rohstoffen von ca. 500.000 ha (in 1998) auf ca. 2,5 Mio ha in 2012, wobei der Anteil der Nachwachsenden Rohstoffe zur stofflichen Nutzung nur ca. 19 % beträgt, der Rest wird energetisch genutzt. Im Gegensatz zur energetischen Nutzung, die auf andere Energiequellen, wie zum Beispiel Sonne, Geothermie, Wind oder Wasser zurückgreifen kann, gibt es für den Ersatz von Erdöl in der stofflichen Nutzung derzeit nur die Möglichkeit, auf Nachwachsende Rohstoffe zurück zu greifen.

Deutschland verbrauchte im Jahre 2010 eine Menge an Mineralöl von ca. 106 Mio t. Davon werden hierzulande jährlich nur ca. 15 % des Mineralöls (weltweit nur ca. 10 % des gesamten Erdölverbrauchs) von der chemischen Industrie stofflich genutzt. Das bedeutet, in Deutschland bestünde derzeit ein Potenzial von 16 Mio t Erdöl, die für die stoffliche Nutzung in der chemischen Industrie gebraucht und theoretisch durch Nachwachsende Rohstoffe ersetzt werden müssten.

Nachwachsende Rohstoffe sind vielseitig einsetzbar: Im Baubereich kann Holz zum Hausbau, für Fenster, Türen, Böden, Treppen, als Fasern für Dämmstoffe und zahlreiche weitere Zwecke genutzt werden. Fasern von Pflanzen werden zu Dämmstoffen verarbeitet und ersetzen damit das erdölbasierte Polystyrol, das herkömmlich zur Dämmung von Gebäuden Verwendung findet. Aber auch als sogenannte naturfaserverstärkte Kunststoffe (NFK) werden Fasern in einem Verbund mit Kunststoff im Automobilbereich zur Herstellung von Auto-Innenverkleidungen eingesetzt.

Pflanzenöle können in Farben, Lasuren, Biokunststoffen, Reinigungsmitteln, als Bioschmierstoffe und vielen weiteren Anwendungen eingesetzt werden. Selbst im Straßenbau kann Rapsöl im Bitumen – einem Nebenprodukt der Erdölherstellung – einen Teil des herkömmlich verwendeten Erdöls ersetzen.

Sogenannte Biokunststoffe, Kunststoffe, die ganz oder teilweise ohne Erdöl hergestellt werden, können unter anderem aus Mais, Kartoffeln, Getreide oder anderen landwirtschaftlichen Früchten produziert werden. Auch Tapioka, Zuckerrüben oder Rizinus dienen beispielsweise als Rohstoff für weitere Biokunststoffe. Bei den Biokunststoffen unterscheidet man langlebige (z. B. Naturfaserverstärkte Kunststoffe) von sogenannten biologisch abbaubaren oder kompostierbaren Kunststoffen (z. B. Bioabfallsäcke). Die biologisch abbaubaren Kunststoffe können ausschließlich aus Nachwachsenden Rohstoffen hergestellt sein oder aber auch fossile Rohstoffe enthalten. Sie zersetzen sich unter bestimmten Bedingungen, d. h. Feuchtigkeit, Vorhandensein bestimmter Mikroorganismen, Temperatur im Boden oder der Kompostieranlage zu CO2, Wasser und Humus.

Durch den Einsatz von Nachwachsenden Rohstoffen entstehen neue Werkstoffe mit einem wesentlich geringeren Anteil an fossilen Rohstoffen oder auch gänzlich ohne fossile Rohstoffe. Nicht selten haben diese neuen Werkstoffe andere spezifische Eigenschaften, die häufig einen Mehrwert zum herkömmlich verwendeten Material erbringen. So weisen die bereits erwähnten Naturfaserverstärkten Kunststoffe eine geringere Splitterneigung, bei gleichzeitig geringerem Gewicht auf, als bislang genutzte Werkstoffe. Beides Eigenschaften, die gerade im Automobilbereich eine entscheidende Rolle spielen.

Mittlerweile gibt es aber auch verschiedenste Produkte, bei denen Biokunststoffe zum Einsatz kommen, ohne dass uns das bewusst wäre. Diese Kunststoffe erobern immer mehr Bereiche, in denen, wie oben beschrieben, spezielle Materialeigenschaften erforderlich sind, wie beispielsweise den Wintersportbereich. Hier gibt es unter anderem einige Skischuh-Hersteller die Biokunststoffe für sich entdeckt haben. Das Schalenmaterial dieser Skischuhe besteht aus einem ökologischen Hightech-Kunststoff, der aus Nachwachsenden Rohstoffen gewonnen wird. Dieser Kunststoff garantiert hervorragende Eigenschaften auch bei niedrigen Temperaturen, ist dennoch flexibel, UV-beständig, funktionell und verleiht dem Skischuh darüber hinaus ein farbenfrohes, sportliches Aussehen. Gleichzeitig trägt die Verwendung Nachwachsender Rohstoffe dazu bei, fossile Rohstoffe einzusparen.

Literatur:


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