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KreislaufStraubing, 30.08.2018 * Karlsruher Forscher haben in der Nähe von Zürich eine Wohnung errichtet, die ausschließlich aus kompostierbaren und wiederverwertbaren Materialien besteht. Verwendet wurden Primärrohstoffe wie unbehandelte Weißtanne, neu entwickelte Baumaterialien und recycelte Wertstoffe.

Die Nachfrage nach Wohnraum steigt stetig. Dieser Entwicklung stellt die Baubranche vor Herausforderungen und regt zum Umdenken an. Insbesondere Nachwachsende Rohstoffe, wie Holz oder Stroh, stehen zunehmen im Fokus der Überlegungen. Da durch deren Nutzung endliche Ressourcen, wie Sand, der für die Herstellung von Beton benötigt wird, geschont werden können. Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben sich diesem Thema angenommen. Sie beschäftigen sich mit innovativen, umweltfreundlichen und wiederverwertbaren Materialen. Um zu zeigen, dass Nachhaltigkeit auch in der Praxis bereits umsetzbar ist, haben die Forscher nun eine Testwohnung errichtet.

Die Drei-Raum-Wohnung wurde als Teil des Forschungs- und Testgebäudes NEST (Next Evolution in Sustainable Building Technologies) auf dem Campus der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt errichtet. Sie wurde fabrikfertig angeliefert und innerhalb eines Tages in das Versuchsgebäude integriert. Das Wohnlabor dient zu Forschungszwecken und ist ein Beispiel für „Urban Mining & Recycling“. Das Projekt soll den Kreislaufgedanken auch in die Baubranche tragen. „Wir wollen beweisen, dass es schon heute möglich ist, so zu bauen, dass sämtliche Ressourcen zu 100 Prozent und sortenrein wieder austauschbar sind“, so Dirk Hebel, Leiter des Fachgebiets Nachhaltiges Bauen am KIT.

Die 125 m2 große Wohnung wurde vollständig aus kompostierbaren oder wiederverwertbaren Materialen hergestellt. Es wurden z.B. Primärrohstoffe wie unbehandelte Weißtanne für die Fassade verwendet. Die Kupferplatten eines österreichischen Hoteldachs wurden als Fassadeneinfassung genutzt, während die Türklinken des Wohnlabors aus einer Bank in Brüssel stammen. Zudem wurden recycelte Abfallstoffe und neu entwickelte Materialien verbaut. Aus Bauschutt wurden neue Backsteine produziert und Getränkekartons als Wandverkleidung verwendet. „Dieses urbane Materiallager zu nutzen, dient der Nachhaltigkeit und macht unabhängig vom Rohstoffmarkt“, so Felix Heisel, Forschungsverantwortlicher des Fachgebiets Nahhaltiges Bauen des KIT. Um die Wiederverwertbarkeit der Materialien zu gewährleisten, wurde nicht geklebt oder aufgeschäumt, sondern verschraubt oder gesteckt.

Auch neue Baustoffe wurden in der Wohnung verbaut und werden nun über einen Zeitraum von fünf Jahren auf ihre Praxistauglichkeit getestet. Es wurden beispielsweise Dämmplatten aus einem kompostierbaren Material verwendet. Dabei handelt es sich um Pilz-Myzel, einem aus Pilzgewebe und Sägespänen kultivierten Material. „Durch das Testen von Innovationen unter realen Bedingungen wird eine Brücke von der Forschung zur Anwendung geschlagen, denn die Kreislaufwirtschaft braucht neue Methoden und Produkte“, betont Hebel. Die Forschungsergebnisse werden außerdem durch Erfahrungsberichte von zwei Studenten ergänzt, die die Wohnung im Mai bezogen haben.

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