Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


Straubing, 22. Mai 2018 * Mitarbeiter der Universität Göttingen entwickelten Sandwichplatten mit einem Kern aus Popcorn. Bei gleichen mechanischen Eigenschaften ist die Verbundplatte, verglichen mit einer herkömmlichen Spanplatte, jedoch nur halb so schwer. Zudem könnten die Platten von Holzwerkstoffherstellern auf bestehenden Anlagen produziert werden. Eine positive Eigenschaft ergibt sich auch durch die formaldehydbindende Wirkung des Popcorngranulats.

 Bei einem Kinobesuch mit seiner Frau kam Professor Alireza Kharazipour die Idee expandierten Mais als Grundmaterial für Leichtbauplatten zu verwenden. In einem Forschungsprojekt haben er und seine Mitarbeiter schließlich diese besonders leichten Sandwichplatten entwickelt, die unter anderem aus für die Lebensmittelindustrie unbrauchbarem Bruchmais besteht. Die Wissenschaftler behandeln damit ein sehr aktuelles Thema, denn auch in der Holzwerkstoffindustrie wird vermehrt nach Leichtbaulösungen gesucht. Durch dieses Produkt können knapper werdende Holzvorräte geschont sowie Kosten für Transport und Energie eingespart werden. Außerdem passt das Material zur mobilen Gesellschaft, die immer häufiger umzieht und daher den Wunsch nach leichteren Möbeln hegt.

Im Projekt wurden zwei verschiedene Verfahren entwickelt. Beim Einschritt-Verfahren werden sowohl das Popcorn für den Kern, als auch die Holzspäne- und fasern für die Deckschicht verleimt, dann gestreut und in einem Arbeitsgang zu einer Platte verpresst. Im Zweischritt-Verfahren wird zuerst der Popcorn-Kern hergestellt und erst danach mit Sperrholz, Dünn-Faser und Dünn-Spanplatte, Aluminium oder Hochdrucklaminat beplankt.

Bei einer Prüfung der mechanischen Eigenschaften wurde klar, dass die Platte bei deutlich geringerem Gewicht ähnliche Eigenschaften wie herkömmliche Spanplatten zeigt. Die im Einschritt-Verfahren hergestellte Platte erreichte bei halber Rohdichte die gleichen Biegeeigenschaften wie die Referenz-Platte. Bei den im Zweischritt-Verfahren mit Sperrholz bzw. Aluminium beschichteten Platten war die Tragfähigkeit im Vergleich zur Referenz sogar deutlich höher.

„Interessant ist die Fähigkeit des Popcorngranulats, Formaldehyd ab Temperaturen von 70 °C zu binden. Dadurch wird das problematische Gas weder bei der Herstellung noch im Gebrauch freigesetzt“, erklärt Professor Kharazipour. Entwicklungsbedarf sieht er hingegen noch bei der Ausrüstung gegen hohe Luftfeuchtigkeit und bei der industriellen Herstellung. Durch den geringen Umrüstungsaufwand von Maschinen ist das Produkt interessant für Unternehmen, wobei die optimalen Verarbeitungsparameter noch ermittelt werden müssen. Neben dem Einsatz in der Möbelherstellung kommt das Material auch für den Dämmbereich in Frage, da Popcorngranulat eine sehr geringe Wärmeleitfähigkeit aufweist. Weitere Anwendungsbereiche könnten der Automobil-, Schiff- und Messebau sein.

Wie vielfältig der Rohstoff Popcorn ist, zeigt die Designstudentin Carolin Pertsch. Sie entwickelte aus dem reinen Popcorngranulat Möbel, die auch äußerlich schon erkennen lassen aus was sie bestehen.

Das Forschungsprojekt der Universität Göttingen wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) gefördert.

Der Abschlussbericht des Projekts steht Ihnen hier zur Verfügung.

Einen TV-Beitrag zum Thema finden Sie hier.


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