Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


P1120372Straubing, 13. Januar 2015 * (jl) * Bereits zum zweiten Mal zeichnet das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Bauherrenwettbewerb HolzbauPlus innovative und richtungsweisende Bauvorhaben aus, die einen hohen Anteil an Holz, Dämmstoffen aus Nachwachsenden Rohstoffen und weiteren biobasierte Baustoffen in maßgeblichem Umfang einsetzen. Die Wettbewerbsjury hat aus gut 70 Einreichungen die diesjährigen Gewinner ausgewählt. Vier erste Preise mit einem Preisgeld von je 7.000 € sowie drei zweite Preise mit je 3.000 € wurden vergeben. Zugleichh erhalten vier weitere Bauherren nicht dotierte lobende Erwähnungen.

In der Kategorie "Wohnungsbau – Sanierung" vergibt die Jury gleich vier Preise, darunter zwei an innerstädtische Sanierungsprojekte. Mit dieser Schwerpunktsetzung beim Thema Sanierung soll daran erinnert werden, dass im Gebäudebestand die größten greifbaren Potentiale zur CO2-Einsparung und zum sinnvollen Einsatz ressourcenschonender Naturbaustoffe liegen. Denn mehr als zwei Drittel der Häuser, die im Jahr 2030 in unserem Land bewohnt werden, sind schon heute errichtet. Daher ist der Bedarf an energetischer Sanierung hier besonders hoch. Hingegen decken die ausgezeichneten Beispiele im ländlichen Raum auf, wie ehemals landwirtschaftlich genutzte Bausubstanz vor Verfall und Abriss gerettet werden kann. Die Sanierung bietet eine lohnende Alternative zu ländlichen Neubausiedlungen auf der grünen Wiese und ein Ansatz, alte Dorfkerne mit neuem Leben zu füllen. Ein weiteres Augenmerk wird in der Kategorie "Öffentliches Bauen" gesetzt. Drei prämierte Projekte demonstrieren wie die öffentliche Hand bei Nachhaltigkeitskonzepten in Sanierung und Neubau beispielhaft vorangehen kann.

Wohnungsbau – Sanierung (Stadt)

Der erste Preis geht an eine vorbildhafte Gesamtsanierung eines Reihenhauses von 1928 aus der Frankfurter Siedlung Praunheim, das zu dem von Stadtbaumeister Ernst May initiierten Wohnungsbauprogramm "Neues Frankfurt" gehört. Hierbei wurden unter Beachtung erbauungszeitlicher Gestaltungsmerkmale die Fassaden als vorgesetzte Holzständerwände mit Holzfaserdämmung, Außenputz und Holzfenstern erneuert.

Für die Sanierung eines Gebäudes der Alten Brauerei in Schwerin in der neu entstehenden Siedlungsanlage auf ehemaligem Gewerbegebiet wird der zweite Preis verliehen. Bestehende historische Bauten des 19. Jahrhunderts sowie der 1930-er Jahre werden hier zu Loftwohnungen umgebaut sowie durch Neubauten aus ökologischen Baustoffen ergänzt. Bei dem mit Baustroh gedämmten sanierten Objekt wurden neu entwickelte Halter für die Strohballen zur Außenwand- und Dachdämmung erstmalig eingesetzt.

Wohnungsbau – Sanierung (Land)

Für die Sanierung des alten unter Denkmalschutz stehenden Gasthofs Gutengermendorf im Löwenberger Land nördlich von Berlin wird der zweite Preis verliehen. Nach langem Leerstand wurde der ehemalige Gasthof mit Saalbau in mehreren Bauabschnitten behutsam und detailgetreu mit natürlichen Materialien unter Berücksichtigung der historischen Bausubstanz saniert und zu einem Mehrgenerationenhaus mit Atelier und Veranstaltungsraum umgebaut. Dabei ist auch der mit Holzfaserplatten gedämmte Dachstuhl mit Räucherkammer und alten Dachkammern sichtbar erhalten geblieben.

Für den Umbau einer ehemaligen Scheune im nordpfälzischen Relsberg bei Kaiserslautern gibt es den zweiten Preis. Mit dem Kunstgriff des hydraulisch angehobenen Dachstuhls um rund 1,4 Meter entstanden im mit recycelter Baumwolle gedämmten Dach zwei neue Wohnungen, die baubiologisch mit Holz, Lehm und Hanf ausgebaut wurden. Die durch die Anhebung des Daches entstehende Lücke zur Mauerwerkskrone wurde mit einem umlaufenden Fensterband mit einem Rahmen aus heimischer Lärche gefüllt. Die funktionale Trennung beider Bereiche erhält das ortsbildprägende Erscheinungsbild der Scheune.

Öffentliches Bauen – Sanierung

Der erste Preis geht an die Stadt Weinstadt für die gelungene Sanierung des historischen Rathauses Beutelsbach. Der denkmalgeschützte Fachwerkbau von 1534 wurde behutsam saniert und zum Museum "Haus Württemberg" ausgebaut. Das Gebäude erhielt eine Außentreppe und einen Aufzugsturm in Holzbauweise, der mit modifizierten und ornamentierten Holzwerkstoffplatten bekleidet.

Öffentliches Bauen – Neubau

Den ersten Preis spricht die Jury dem Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz für sein neues Verwaltungsgebäude in Tirschenreuth zu, dessen Gebäude komplett als Holzrahmenkonstruktion vorgefertigt und mit einer für die Region typischen roten Fassade aus Holzelementen versehen wurde. Wand- und Deckenflächen im Innenbereich des mit Nachwachsenden Rohstoffen gedämmten Gebäudes wurden überwiegend holzsichtig belassen.

Einen zweiten Preis erhält das Bayrische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten für den Neubau des Steigerwald-Zentrums im Landkreis Schweinfurt. Das am Waldrand gelegene komplett in Holzbauweise errichtete Besucherzentrum mit Ausstellungs-, Vortrags- und Verwaltungsbereich zeichnet sich durch seine zurückhaltende Architektur aus, die sich gut in die Lage im Naturschutzgebiet einfügt (s. Bild). Die drei gestaffelten Baukörper verfügen über ein Deckenkonzept mit unterschiedlichen, den jeweiligen Raumanforderungen entsprechenden Holzkonstruktionen. Hierbei wurde für einen der Bereiche eine neuartige, aus versetzten Fichten- und Buchenbrettern gebaute Brettstapeldecke entwickelt. Die Verwendung von Buche im konstruktiven Bereich des Deckenaufbaus ist eine Besonderheit, denn üblicherweise werden als Bauholz fast ausschließlich Nadelhölzer verwendet. Da in Anbetracht des Klimawandels die Laubhölzer zunehmend an Bedeutung gewinnen, ist das Zentrum ein praktisches Beispiel für neue Verwendungsmöglichkeiten von Buchenholz und demonstriert zudem die Bedeutung der Buche im Steigerwald. Holz findet sich im Zentrum nicht nur in Wänden und Decken wieder, auch die mit Zellulose gedämmten Bodenplatten, sogenannte Holz-Sandwichplatten und verschiedene Ausstellungsstücke des Zentrums sind aus dem Werkstoff Holz hergestellt.

Lobende Erwähnungen

Lobende Erwähnungen gehen an die Stiftung für Bildung, Werte und Leben für das Wohnungs- und Multifunktionsgebäude c_13 in Berlin Prenzlauer Berg, die Stadt Wangen für den Erweiterungsbau des Rupert-Neß-Gymnasiums sowie an die via traffic controlling GmbH für ihre neue Fertigungshalle mit Verwaltungsteil aufgrund der vorbildlichen Holzbauarchitektur. Eine vierte lobende Erwähnung erhält die Knorre Baumdienst GmbH & Co. KG für ihr Werkstattgebäude dank ihrer fantasie- und effektvollen Gestaltung mit unterschiedlichen Baumstämmen und anderen nachwachsenden Baustoffen.

Weitere Informationen zum Wettbewerb und den Preisträgern finden Sie auf den Seiten der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR).


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