Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


Straubing, 24. Juli 2014 * (jl) * Strohballen aus der Landwirtschaft dämmen nicht nur gut, sie sind auch ein nachhaltiger, regional verfügbarer und preisgünstiger Dämmstoff. Bislang mussten Bauherren für das Direktverputzen ihrer Strohballenhäuser oder -hallen aufwändige Einzelfallgenehmigungen einholen. Dieses Zeiten sind nun vorbei. Die Anwendungsbereiche des Dämmstoffs wurden in der Allgemeinen Bauaufsichtlichen Zulassung erweitert. Ab sofort ist das direkte Verputzen der Ballen ohne zusätzlichen Putzträger auf der Innen- und Außenseite der Gebäude möglich, ebenso wie die Außendämmung von Mauerwerk. Dies macht das Dämmen mit Stroh künftig einfacher, wirtschaftlicher und damit auch für neue Anwendergruppen interessant.

Der Dämmstoff

Kaum ein Dämmstoff ist nachhaltiger und günstiger als Strohballen aus der regionalen Landwirtschaft. Für die Herstellung von Strohballen ist kein zusätzlicher Energieinput nötig, denn die Ballen können so wie sie vom Acker kommen, direkt verbaut werden. Zwingende Voraussetzung ist, dass sie die in der Allgemeinen Bauaufsichtlichen Zulassung festgelegten Eigenschaften aufweisen, u.a. bezüglich Pressdruck und Restfeuchte. Überdies benötigt Stroh keine chemische Ausrüstung gegen Schädlinge oder für den Brandschutz.

Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung

Das Deutsche Institut für Bautechnik, die Zulassungsstelle für Bauprodukte und Bauarten, hatte vor einigen Jahren die „Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung“ für den Dämmstoff Baustroh erteilt. In der jetzt veröffentlichten Neufassung sind die Anwendungsbereiche deutlich erweitert worden und entsprechen den Anforderungen der Praxis nun noch besser. Künftig kann man den abschließenden Lehm- oder Kalkputz direkt auf die Strohballen aufbringen. Dieses Vorgehen macht den ohnehin schon preisgünstigen Dämmstoff noch wirtschaftlicher, denn man spart den Putzträger, in der Regel eine Holzbeplankung, ein.

Die bautechnischen Nachweise für die erweiterte Zulassung erbrachte der Fachverband Strohballenbau e.V. (FASBA) im Rahmen des Projektes „Strohbau 2012/ 2013“. Das Vorhaben wird durch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) noch bis Ende August dieses Jahres im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft gefördert. Zudem soll bis Projektende eine Strohbaurichtlinie erarbeitet werden, die als Leitfaden für die fachgerechte Umsetzung in der Praxis dienen sowie in der Ausbildung von Fachkräften Anwendung finden kann.

Die Allgemeine Bauaufsichtliche Zulassung des Dämmstoffs Stroh ist auf den Internetseiten von FASBA und BauStroh GmbH einzusehen oder kann beim Deutschen Institut für Bautechnik bezogen werden (dibt.de). Baustroh kann  regional als zugelassenes Bauprodukt durch die Baustroh GmbH ausgewiesen werden.

Stroh in der Praxis

Das Norddeutsche Zentrum für Nachhaltiges Bauen (NZNB) in Verden an der Aller demonstriert diese Bauweise derzeit anhand eines fünfstöckigen Ausstellungs- und Bürogebäudes, das "Strohballenhaus", das nun kurz vor der Fertigstellung steht (nznb.de).

Bislang kommen Strohballen vor allem im Neubau zum Einsatz. Mit der neuen Bauaufsichtlichen Zulassung ist ihr Einsatz nun auch in der Sanierung deutlich einfacher geworden. Wie man Mauerwerksbauten mit Strohballen effizient und kostengünstig von außen dämmen kann, zeigt ein aktuelles Projekt in Schwerin (altebrauerei-schwerin.de).

Vorgefertigte Holzrahmenelemente mit einer direktverputzten Strohausfachung sind besonders interessant für größere, gewerbliche Bauvorhaben. Durch die Vorfertigung lässt sich auf der Baustelle Geld und Zeit einsparen.

Was darf mit Baustroh gedämmt werden?

Nach wie vor dürfen in Deutschland Strohballen nur in nicht-lasttragender Bauweise zum Einsatz kommen. Baustroh darf demnach keine statischen Aufgaben übernehmen, sonderm "nur" dämmen. Die neue Zulassung erstreckt sich auf Ein- und Zweifamilienhäuser mit normalen Brandschutzauflagen. Hier darf Baustroh in Außenwänden, Dächern sowie obersten Geschossdecken verbaut werden, z. B. als ausfachender Dämmstoff in Holzständerkonstruktionen. Seit der neuen Zulassung darf Baustroh auch an der Außenseite von Mauerwerk zum Einsatz kommen.