Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


Straubing, 23. Juni 2014 * (jl) * Seit dem 1. Mai 2014 gilt die novellierte Fassung der Energieeinsparverordnung (EnEV 2014). So regelt die neue EnEV Maßnahmen bei der Dämmung des Daches, der obersten Geschossdecke, bei Außenwänden und Decken und Wänden gegenüber dem Außenbereich und Kalträumen. Die EnEV gibt hierfür bestimmte Anforderungswerte (Höchstwerte) an den Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) eines Bauteils vor. Diese Werte haben sich mit Inkrafttreten der EnEV 2014 im Vergleich zur früheren Fassung (EnEV 2009) nicht verändert. Die Novellierung sieht auch in Zukunft keine Verschärfung bei der Sanierung bestehender Gebäude vor. Im Neubau werden allerdings die Anforderungen ab 1. Januar 2016 verschärft: die Wärmedämmung der Gebäudehülle muss um 20 % verbessert werden, d. h. die bisher geltenden U-Werte werden um -20 % angepasst.

Anforderungen im Rahmen einer Sanierung 

Wer mehr als 10 % eines Bauteils (z. B. Fenster, Außenwand, Dach oder Decke) erneuert oder energetisch saniert, muss die neue EnEV beachten. Nach EnEV § 9 (Änderung, Erweiterung und Ausbau von Gebäuden) gilt, dass nur diejenigen Flächen eines Außenbauteils die Anforderungen der neuen EnEV erfüllen müssen, die tatsächlich geändert werden.

Wird bei einer Dachsanierung der Wärmeschutz als Zwischensparrendämmung ausgeführt und ist aus technischen Gründen (z. B. durch Bekleidung oder Sparrenhöhe) die Dämmschichtdicke begrenzt, so gilt die Forderung auch als erfüllt, wenn die nach anerkannten Regeln der Technik höchstmögliche Dämmschichtdicke eingebaut wird. Für den eingebauten Dämmstoff gelten verschärfte Bemessungswerte der Wärmeleitfähigkeit von λ = 0,035 W/(m*K) bzw. bei Einblasdämmstoffen oder Dämmstoffen aus Nachwachsenden Rohstoffen von λ = 0,045 W/(m*K). Dies gilt ebenso für Sanierungen an Außenwänden, Wänden gegen Erdreich oder unbeheizte Räume sowie Decken nach unten gegen Erdreich, Außenluft oder unbeheizte Räume. Bisher galt hierbei ein Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit in Höhe von λ = 0,040 W/(m*K)) für alle Dämmstoffe. Folglich stärkt die neue EnEV den Einsatz von Dämmstoffen aus Nachwachsenden Rohstoffen. Die energetischen Anforderungen bei der Sanierung von Außenwänden aus Fachwerk wurden im Bauteilverfahren gestrichen. Zusätzlich ist der Höchstwert von U = 0,35 W/(m²*K) für Innendämmungen gestrichen worden. Eine Fachplanung ist hier insbesondere aufgrund des nötigen Feuchteschutzes jedoch unerlässlich.

Die EnEV- Anforderungen müssen bei bauteilbezogenen Sanierungen an Schräg- und Flachdächern, Wänden gegen Erdreich und unbeheizte Räume, Decken gegen Erdreich, Außenluft und unbeheizte Räume sowie an Außenwänden (Bekleidungen, Verschalungen sowie Putzerneuerung) für nach dem 31.12.1983  unter Einhaltung der energiesparrechtlichen Vorschriften errichtete oder erneuerte Gebäude nicht beachtet werden.

Nachrüstpflicht für oberste Geschossdecken

Es gilt eine Nachrüstpflicht für oberste Geschossdecken von Altbauten, die die Mindestanforderungen für die Dämmung, den sogenannten "Mindestwärmeschutz", nicht erfüllen. Hierbei sind Decken beheizter Räume gemeint, die an unbeheizte zugängliche Dachräume angrenzen - unabhängig davon, ob diese begehbar sind oder nicht. Diese müssen bis Ende 2015 gemäß EnEV § 10 (Nachrüstung bei Anlagen und Gebäuden) nachgerüstet werden. Die Forderung wird auch erfüllt, wenn alternativ das Dach darüber gedämmt ist oder die oberste Geschossdecke den Mindestanforderungen an die Dämmung nach DIN 4108 (Wärmeschutz und Energieeinsparung in Gebäuden, Teil 2) gerecht wird. Für alle Mehrfamilienhäuser gilt diese Nachrüstpflicht unabhängig von einer Sanierung. Ausgenommen von der Pflicht sind Hausbesitzer von Ein- oder Zweifamilienhäusern, die zum Stichtag 1. Februar 2002 in ihrem Haus mindestens eine Wohnung selbst genutzt haben.

Sommerlicher Wärmeschutz

Der sommerliche Wärmeschutz gewinnt aufgrund gestiegener Komfortansprüche und größeren Glasflächen zunehmend an Bedeutung. Daher wird der sommerliche Wärmeschutz in der EnEV 2014 ausführlicher behandelt als bislang und es kommt zu einigen Änderungen (z. B. Definition der Anforderungsgröße über Übertemperaturgradstunden, Einführung von Kennwerten für die passive Kühlung und erhöhte Nachtlüftung). Die Bewohner von Gebäuden sollen künftig in den Sommermonaten besser vor hohen Temperaturen geschützt und der Energieaufwand für Gebäudekühlung reduziert werden.

Tipp

Angesichts steigender Energiepreise kann es sich bei Neubau- und Sanierungsvorhaben lohnen über die Forderungen der EnEV hinauszugehen. So ist z. B. die Vergrößerung der Dämmstoffstärken meist nur mit geringfügigen Mehrkosten verbunden, führt aber mitunter zu einer höheren Energieeinsparung. Auch wer Förderprogramme, etwa der KfW-Bank, nutzen möchte, sollte sich die Bedingungen vor der Auftragsvergabe genau anschauen. Für Sanierungen von Bestandsgebäuden gibt es die Effizienzhaus-Standards 115, 100, 85, 70 und 55 und KfW-Effizienzhaus Denkmal. Dabei gilt: Je kleiner die Zahl, desto niedriger und besser das Energieniveau. Ein KfW-Effizienzhaus 100 entspricht zum Beispiel den Vorgaben der EnEV. Ein KfW-Effizienzhaus 85 verbraucht 85 % der Energie eines vergleichbaren Neubaus nach EnEV, ein KfW-Effizienzhaus 55 sogar nur 55 %. Die KfW fördert den Neubau von Wohnhäusern mit den KfW-Effizienzhaus-Standards 40, 55 und 70. Daneben werden auch zahlreiche Einzelmaßnahmen gefördert. Die Anforderungen an die förderfähigen Einzelmaßnahmen gehen dabei deutlich über die Mindestanforderungen der EnEV hinaus. 


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