Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


Die unmittelbaren Auswirkungen von Windenergieanlagen auf ihre Umgebung sind vor allem akustischer Natur. Es entstehen in erster Linie Geräusche und Schwingungen an der Strukturen der Rotoren und Türme, die sowohl als Hör- als auch niederfrequenter Infraschall auftreten. Diese Effekte sind hinsichtlich ihres Einflusses auf die menschliche Gesundheit gut untersucht und es werden gesetzliche Vorgaben, wie Abstandsregelungen oder festgeschriebene Abschaltzeiten, erlassen, um dauerhafte Beeinträchtigungen und gesundheitliche Beschwerden zu vermeiden.

 

Hörschall

Windenergieanlagen erzeugen rhythmische Dauergeräusche und stellen daher eine Lärmbelästigung dar. Obwohl keine einheitlich vorgeschriebenen, gesetzlichen Abstandsregelungen für Windenergieanlagen in Deutschland existieren, sind diese dennoch angehalten, die Schallimmissionsgrenzwerte für alle relevanten Immissionsorte in Abhängigkeit von deren Schutzansprüchen einzuhalten.

Diese Grenzwerte sind bundeseinheitlich gemäß der sechsten allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum BImSchG oder auch „Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm“ (TA Lärm) festgelegt. Konflikte zur Windenergienutzung ergeben sich in der Regel lediglich für die dargestellten Nacht-Immissionsrichtwerte. Auf Ebene der einzelnen Bundesländer haben sich daher Erlasse wie der Bayerische Windenergieerlass bewährt, die gewisse pauschale Mindestabstände zu den jeweiligen Schutzgütern empfehlen. Die Richtwerte weichen hierbei teils erheblich voneinander ab, z. B. zwischen 500 und 1500 Metern bei Wohngebieten, was unterschiedlich hohe Genehmigungshürden für Windenergieanlagen zur Folge hat.

Untenstehende Tabelle führt die unterschiedlichen Lärmgrenzwerte auf:

  Schutzgut   Lärmgrenze Tage   Lärmgrenze bei Nacht
 Industriegebiet   70 dB (A)   70 dB (A)
 Gewerbegebiet   65 dB (A)   50 dB (A)
 Kern-/Misch-/Dorfgebiet   60 dB (A)   45 dB (A)
 Allg. Wohn-/Kleinsiedlungsgebiet   55 dB (A)   40 dB (A)
 Reines Wohngebiet   50 dB (A)   35 dB (A)

 

Trotz der zunehmenden Turmhöhen und Rotordurchmesser verursachen moderne Anlagen dank beträchtlicher technischer Fortschritte gleich große oder zumindest nur unwesentlich größere Schallemissionen als kleinere Anlagen früherer Bautypen. Bei Windparks werden die Summenschallpegel, d. h. die Emissionen aller Einzelanlagen inklusive der Berücksichtigung der Vorbelastung durch andere Lärmquellen, zur Bewertung herangezogen.

 

Infraschall

Eine weitere spezifische Ursache akustischer Beeinträchtigung beruht auf den langwelligen, niederfrequenten Schwingungen, die durch die sich langsam drehenden Rotorblätter erzeugt werden. Unterhalb der für das menschliche Gehör wahrnehmbaren Frequenz von 20 Hz spricht man von Infraschall. Dieser kann in der Regel nicht registriert werden, solange ein kritischer Schalldruckpegel, also eine gewisse Lautstärke, nicht überschritten wird. Der Schalldruckpegel steigt mit abnehmender Frequenz. Bei umfangreichen Untersuchungen zu dem Thema wurde nachgewiesen, dass gesundheitliche Störungen wie Benommenheit, Schädigungen des Gehörs oder Herz-Kreislauf-Beschwerden erst ab einem Überschreiten dieser Hörschwelle auftraten. Windenergieanlagen produzieren Infraschall, jedoch zeigten Studien, dass der Pegel bei Abständen von nur 250 m zur Anlage weit unter der Wahrnehmbarkeitsschwelle liegt. Dies trifft vor allem auf neuere Anlagen zu. Abstandsregelungen können die Belästigung durch Infraschall zusätzlich vermeiden. Für Bayern betragen die aktuell empfohlenen Abstände zu reinen Wohngebieten derzeit 800 m und zu Misch- und Dorfgebieten 500 m.

Alle diesbezüglichen, bisherigen Messungen an Windenergieanlagen wiesen bei Einhaltung der üblichen Abstandsregelungen Infraschallimmissionen eines Pegels nach, der deutlich unterhalb der menschlichen Wahrnehmbarkeit lag. Außerdem wurde in diesem Zusammenhang festgestellt, dass das natürliche Infraschallaufkommen des Windes die künstlichen Emissionen um ein Vielfaches übersteigt und diese insbesondere bei hohen Windgeschwindigkeiten gänzlich in den Hintergrund drängt, wodurch es für einen menschlichen Zuhörer nicht mehr zu unterscheiden ist, ob eine Windenergieanlage sich dreht oder stillsteht. Sowohl für die Betroffenen wie auch die Windenergiegewinnung gleichermaßen bedeutet dies, dass bereits bei Einhaltung der üblichen immissionsschutzrechtlichen Mindestabstände keinerlei von Windrädern ausgehende Gefährdung durch Infraschall mehr vorliegt.

 

 

 


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