Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


Auf Grund ihrer naturräumlichen Beeinträchtigung kommen zahlreiche Standorte in ausgewiesenen Ausschlussgebieten für Windenergieanlagen entweder grundsätzlich überhaupt nicht oder nur in Ausnahmefällen nach vorhergehender sorgfältiger Überprüfung in Frage. Zu den generellen Ausschlussgebieten sind u. a. Nationalparke, Naturschutzgebiete und Kernzonen von Biosphärenreservaten zu zählen. Auch in europäischen Vogelschutzgebieten ist die Erbauung von Windenergieanlagen regelmäßig unzulässig, wohingegen sie in Schutzgebieten nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie bereits prinzipiell genehmigungsfähig ist, solange keine schwerwiegenden Störungen den Erhaltungszielen entgegenstehen.

Ähnlich verhält es sich in sensibel zu behandelnden Gebieten wie beispielsweise Landschaftsschutzgebieten, Pflegezonen von Biosphärenreservaten und auf Grund ihres Alters und/oder Artenreichtums besonders schützenswerten Wäldern. In solchen Bereichen ist vor Baubeginn die Einholung einer behördlichen Erlaubnis verpflichtend vorgeschrieben, welche an die Bedingung des schlüssigen Nachweises darüber geknüpft ist, inwieweit der öffentliche Nutzen des konkreten Bauvorhabens nach Abwägung aller relevanten Sachverhalte die widersprechenden Belange des Natur- und Umweltschutzes übersteigt. 

Auch außerhalb von Schutzgebieten können schutzwürdige Arten durch den Bau und Betrieb von Windenergieanlagen betroffen sein. Deshalb werden im Vorfeld der Genehmigung spezielle artenschutzrechtliche Prüfungen, kurz saP, durchgeführt. Die gesetzliche Regelung basiert dabei auf den Vorgaben des § 44 BNatSchG, wonach Verletzungen und Tötungen sowie Störung oder Beschädigung der vorrangigen Aufenthaltsorte und Ruhestätten besonders geschützter Pflanzen- und Tierarten untersagt sind.

Von derartigen Beeinträchtigungen ist auszugehen, wenn anhand der vorliegenden Informationen über das Vorkommen besonders geschützter Arten gravierende Störungen im Umkreis des Anlagenstandorten zu vermuten sind, die eine Verschlechterung des Erhaltungszustandes der lokalen Population zur Folge hat.

Damit die naturschutzrechtlichen Bestimmungen jedoch keine übergebührliche Blockadewirkung auf den schon aus Klimaschutzgründen notwendigen Umbau der Energieversorgung ausüben, werden nur jene Beeinträchtigungen als Einwand anerkannt, die für die betroffenen Arten eine Gefährdung darstellen, welche im Vergleich mit anderen natürlichen und menschgemachten Risiken signifikant erhöhte Schäden zur Folge haben.

Grundsätzlich ist nach derzeitigem Forschungsstand festzuhalten, dass insbesondere Vögel und Fledermäuse von Windenergieanlagen beeinträchtigt werden. Das Tötungsrisiko steigt dabei signifikant, wenn ein regelmäßiger Durchflug durch die Rotorfläche erfolgt. Für einen wirkungsvollen Artenschutz lassen sich einige grundlegende Schlussfolgerungen für die Windenergieplanung ableiten:

  • Da außer einer zeitweisen Abschaltung des Anlagenbetriebs bei erhöhtem Vogelflugaufkommen bzw. der Hindernisbefeuerung, die anziehend auf Insekten wirkt und somit auch jagende Fledermäuse anlockt, keine Maßnahmen zur Verfügung stehen, aus dem Anlagenbetrieb heraus mögliche Schäden unmittelbar zu vermeiden, besitzt die Wahl eines geeigneten Anlagenstandortes die wichtigste Steuerungswirkung.
  • Dabei sollten Anlagen bevorzugt in kompakt stehenden Windparks in Zonen errichtet werden, die entweder durch wirtschaftliche Nutzung bereits vorbelastet sind oder aufgrund ihrer ökologischen Beschaffenheit ohnehin wenig attraktiv auf schützenswerte Arten wirken. Jene Gebiete dagegen, die als Nist-, Ruhe-, Futter-, Balz- und Durchzugsgebiete anzusehen sind, sollten nach Möglichkeit weitläufig vermieden werden.
  • Zugleich ist bei der Installation von Windparks eine Barrierewirkung erkennbar, die durch die hohe Anzahl rotierender Windenergieanlagen gleichsam einen Vorhang schafft. Deshalb sollten Windparks nur abseits typischer Flugkorridore von Zugvögeln angelegt werden.
  • Durch die Berücksichtigung strenger, an Zugvögeln orientierter Abschaltalgorithmen für bestehende und auch neue Windparks können auch von Zugvögeln frequentierte Standorte genutzt werden.
  • Bei Repowering-Maßnahmen sollten Altanlagen an naturschutzrechtlich brisanten Standorten aufgegeben und zugunsten unbedenklicher Baubereiche ausgetauscht werden. Anstelle mehrerer kleiner Anlagen sollten einzelne Großanlagen erbaut und auf diesem Wege die windenergiebedingte Flächennutzung reduziert werden.
  • Das naturschutzrechtliche Vorsorgeprinzip und das begründete Anliegen einer nachhaltigen Energieversorgung, die einen maßgeblichen Beitrag zum Klima- und damit indirekt auch zum Artenschutz leistet, sind sorgsam gegeneinander abzuwägen.

 

 

 


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