Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


Die geographische Lage Bayerns am äußersten Rande eines Windsystems, welches als nordhemisphärischer Westwindgürtel bezeichnet wird, führt zu einem Windaufkommen, das im innerdeutschen Vergleich relativ schwach erscheint. 

 

Entwicklung der Windenergie in Bayern 

Nach der Atomreaktorkatastrophe in Fukushima und dem daraufhin abermalig beschlossenen Ausstieg aus der Atomkraft nahm der Windenergieausbau auch in Bayern Tempo auf. In wenigen Jahren verdreifachte sich der Anteil an der Bruttostromerzeugung von 0,7 % im Jahr 2009 auf 2,1 % im Jahr 2014, die Gesamtzahl der installierten Anlagen wuchs auf 833 im Oktober 2015 an und war damit mehr als doppelt so hoch wie 2011. Seit Anfang 2015 ist die Zahl der Neuanträge allerdings deutlich zurückgegangen - waren es 2014 noch 336 Anträge auf Baugenehmigung, sind bis September 2015 erst 25 Anträge eingegangen.

 

Geographische und meteorologische Rahmenbedingungen 

Vorteilhaft für die Entwicklung der Windenergietechnologie ist, dass windgünstige Standorte in küstennahen Bundesländern bereits vielfach erschlossen und dadurch wichtige technische Fortschritte erzielt werden konnten. Diese können nun auf die besonderen Gegebenheiten in weniger windhöffigen Binnenlandstandorten oder in Mittelgebirgslagen übertragen werden können.

Die zumeist vom Meer aus in nördlicher bzw. westlicher Richtung heranströmenden Winde werden auf ihrem Weg nach Bayern durch die dazwischenliegenden Mittelgebirgslagen und deren abwechslungsreiche Höhenreliefs, Siedlungs- und Infrastrukturen sowie reichen Waldbestände beträchtlich verlangsamt. Dies führt in Bodennähe zu wirtschaftlich ungeeigneten Durchschnittsgeschwindigkeiten zwischen 1,5 und 3,0 m/s.

Die hieraus resultierenden hohen Oberflächenrauigkeiten führen zu beträchtlichen vertikalen Windgradienten. Dies bedeutet, dass die Windgeschwindigkeiten mit steigender Höhe über dem Grund überproportional stark zunehmen. In den als windgünstig identifizierten Arealen Bayerns bewegen sich die Durchschnittsgeschwindigkeiten zwischen 5 und 7 m/s bei den derzeit gängigen Nabenhöhen wie die nächste Grafik veranschaulicht.

Windpotenzial Bayerns in 140 Metern

Durch Anpassung der Windenergieanlagen auf Binnenlandstandorte ist der Betrieb auch hier sinnvoll. Generell sind die luvseitigen, d. h. der Hauptwindrichtung zugewandten Höhenlagen der Mittelgebirge mit dichtem Waldbestand und dadurch erhöhten Geländerauigkeiten gut geeignet, darunter das Fichtelgebirge, der Frankenwald, Spessart, Rhön, Fränkische Alb, Bayerischer Wald und der Staubereich des Voralpenlandes. Außergewöhnliche Spitzenwerte mit bis zu 11,5 m/s wurden auf der Zugspitze gemessen. Bei den entsprechenden Nabenhöhen moderner Windenergieanlagen von 140 Metern und mehr, sowie durchschnittlichen Nennleistungen zwischen 2,5 und 3 MW ist es möglich, sich diese Bedingungen wirtschaftlich zunutze zu machen. Genehmigungsspezifische Standortfaktoren sind zusätzlich zum Windpotenzial am Standort zu prüfen.

 

Energetisches Potenzial 

Windpotenzialflächen in Bayern können aus verschiedenen frei verfügbaren Kartenmaterialien abgerufen werden, z. B. die Gebietskulisse Windkraft als Teil des Energie-Atlas Bayern bzw. auch der Bayerische Windatlas. Durch die allgemein zugängliche Darstellung der Standortbedingungen und ihrer umweltfachlichen Bewertung können Planungsverfahren bereits im Vorfeld auf Standorte mit günstigen Ausgangslagen konzentriert werden, was sowohl den unternehmerischen als auch administrativen Aufwand vermindert und zur Verkürzung von Genehmigungsverfahren verhelfen kann.


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