Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


Neben der Direktvermarktung mit Inanspruchnahme der Marktprämie kann auch die Möglichkeit der sonstigen Direktvermarktung genutzt werden. Diese bietet sich insbesondere dann an, wenn der Strom als Grünstrom ohne den zusätzlichen Zukauf von Zertifikaten vermarktet werden soll. Es muss im Einzelfall geprüft werden, ob die Wirtschaftlichkeit für den Betrieb der Anlage gegeben ist, da weder Marktprämie noch EEG-Vergütung gezahlt werden, jedoch Umlagen und Abgaben wie z. B. die Netznutzungsentgelte anfallen können.
Die Kombination der Direktvermarktung mit Eigenverbrauch ist generell möglich.

Direktlieferung

Wirtschaftliche Grundlage einer Direktlieferung ist das Entfallen von bestimmten Abgaben und Umlagen. Wird eine eigene Leitung anstelle des öffentlichen Stromnetzes verwendet, müssen keine Netznutzungsentgelte und damit verbundene Abgaben (KWK-Umlage, Konzessionsabgabe, Umlage nach §19 StromNEV, Offshore-Haftungsumlage nach § 17f EnWG, Umlage für abschaltbare Lasten) entrichtet werden. Findet die Stromlieferung in einem Umkreis von 4,5 km statt und ist die Anlage nicht größer als 2 MW, ist zudem keine Stromsteuer anzurechnen. Die EEG-Umlage fällt in vollem Umfang an, wenn keine Personenidentität zwischen Betreiber und Letztverbraucher vorliegt. Betreiber ist diejenige Person, die die Sachherrschaft über die Anlage hat und das wirtschaftliche Risiko des Anlagenbetriebs trägt (beinhaltet die Möglichkeit eines Pachtverhältnisses).
Ob ein wirtschaftlicher Betrieb der Anlage trotz fehlender Einspeisevergütung oder Managementprämie möglich ist, muss im Einzelfall geprüft werden. Interessant kann dieses Modell unter anderem für die Belieferung von direkten Nachbarn, Läden in einem Gebäude oder Gewerbebetrieben sein. Der Strompreis wird individuell zwischen Produzent und Käufer verhandelt.
Bei dieser Form des Stromverkaufs wird der Anlagenbetreiber zum Elektrizitätsversorgungsunternehmen (EVU), womit verschiedene energierechtliche Pflichten einhergehen. Dazu zählen die Melde- und Anzeigepflicht, Mitteilungs- und Veröffentlichungspflichten sowie die Einhaltung der Vorgaben für die Gestaltung des Stromliefervertrages und der Abrechnung.

 

Mieterstrom

Eine besondere Form der Direktlieferung stellt der sogenannte Mieterstrom dar. Das Mitte 2017 in Kraft getretene Mieterstromgesetz erleichtert es, Bewohnern von Mietshäusern günstig grünen Strom direkt von der Erzeugungsanlage auf dem Grundstück anzubieten. Der Betreiber der Anlage erhält einen Mieterstromzuschlag zwischen 2-4 Cent/kWh und kann so den erzeugten Strom günstig an die Mieter weitergeben. Die Höhe des Zuschlages richtet sich unter anderem nach der Größe der Anlage. Die Pflichten eines EVU‘s bestehen für den Anbieter des Mieterstroms ebenfalls. Der angebotene Mieterstromtarif muss dabei mindestens 10% unter dem im jeweiligen Netzgebiet geltenden Grundversorgungstarifs liegen.
Auch die Kombination der Direktlieferung mit der EEG-Einspeisevergütung oder der Direktvermarktung des Überschussstroms ist möglich.
In der untenstehenden Grafik sind die verschiedenen Möglichkeiten zur Stromveräußerung mit den jeweils anfallenden Abgaben und Umlagen zusammengefasst.

Abgaben und Umlagen

Zukunft

Durch die geringer werdenden EEG-Vergütungssätze und die neuen Anforderungen an EE-Anlagen kommt der direkten Vermarktung von erneuerbarem Strom eine immer bedeutendere Rolle zu. Um den Anteil der Erneuerbaren Energien am Gesamtstrommix weiter zu steigern, muss unter anderem die Vernetzung und intelligente Leistungsregelung innerhalb des Verbundnetzes weiter verbessert werden. Ziele sind hierbei eine verbesserte Ertragsprognose, der Ausbau der Netzinfrastruktur mit Fokus auf neuen Smart Grid Anwendungen sowie die weitere Erforschung potenzieller Speichertechnologien.
Inzwischen ist der spezifische Anlagenpreis so weit gesunken, dass Solarstrom bereits deutlich günstiger als der Bezugspreis für Haushaltsstrom erzeugt werden kann. Die Eigennutzung des erzeugten Stroms wird daher zunehmend interessant. Mittlerweile gibt es ein breites Angebot an Speichersystemen für Haushalte, durch deren Einsatz der Eigenverbrauch erhöht werden kann.
Durch innovative Lösungen wie virtuelle Kraftwerke oder die digitale Erfassung und Verteilung von Strommengen (z. B. die Verwaltung via Blockchain-Technologie) lassen sich neue Geschäftsmodelle entwickeln, die die regionale Stromvermarktung voranbringen und einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb nach dem Ende des Vergütungszeitraums möglich machen. 

 


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