Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


Neben der GmbH und Co. KG stellt die eingetragene Genossenschaft (eG) die zweite häufig gewählte Geschäftsform unter den Projektgesellschaften für Erneuerbare Energien dar. Allein in Deutschland sind 20 Mio. Menschen genossenschaftlich organisiert und auch die Zahl der Energiegenossenschaften ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. In den letzten 6 Jahren hat sie sich mehr als versechsfacht, während ihr Zuwachs auch weiterhin deutlich nach oben weist. Die Gründe hierfür liegen in den vielseitigen Möglichkeiten, die eine eG dabei bietet, ihrer gesetzlich verankerten Funktion zur Förderung ihrer Mitglieder nachzukommen.

Der Förderauftrag einer Genossenschaft wird bei der Gründung in ihrer Satzung festgehalten und für Energiegenossenschaften oftmals mit deren Beitrag zum Klimaschutz, einer umweltverträglicheren Energieerzeugung oder der Bereitstellung von Energie aus eigener Produktion für die Mitglieder definiert. Ziel ist dabei nicht die bloße Profitmaximierung. Bei alledem verpflichten sich Genossenschaften den drei grundlegenden Prinzipien der Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung.

Eine Genossenschaft bedarf zu ihrer Gründung mindestens dreier Mitglieder und setzt sich danach in Abhängigkeit von deren Anzahl aus folgenden Organen zusammen:

  • einem Vorstand aus einer Person bzw. wenigstens zwei Personen bei mehr als zwanzig Mitgliedern:

    Der Vorstand einer Genossenschaft wird von der Generalversammlung ernannt und führt die Geschäfte im Rahmen der Satzungsbefugnisse eigenmächtig. Er unterliegt somit keiner unmittelbaren Weisungsgebundenheit. Für weitreichende geschäftliche Entscheidungen ist die Zustimmung des Aufsichtsrates einzuholen.

  • einer Generalversammlung, die alle Mitglieder umfasst:

    Da die Generalversammlung jedoch gleichzeitig für die Berufung der anderen beiden Organe verantwortlich ist und ihnen Rechenschaft abverlangen kann, verfügt sie über großen Einfluss, denn nur, wenn sie Vorstand und Aufsichtsrat in einer formellen Versammlung entlastet, ihnen also das Vertrauen für deren Beschlüsse ausspricht, können diese ihre Ämter weiterhin ausüben. Außerdem kann nur die Generalversammlung Änderungen der Satzung beschließen 
  • einem Aufsichtsrat, der ab einer Mitgliederanzahl größer zwanzig zwingend zu wählen ist und aus nicht weniger als drei Personen besteht:
    - von der Generalversammlung gewählt
    - kontrolliert als Kontrollorgan der Genossenschaft den Vorstand
    - berichtet den Genossenschaftsmitglieder von relevanten Aktivitäten 

Die einzelnen Mitglieder können auf die Arbeit des Vorstandes und Aufsichtsrates keinen direkten Einfluss nehmen, so dass die Entscheidungskraft wie auch geschäftliche Handlungsfähigkeit der Genossenschaft nicht durch langwierige Beschlussfassungen eingeschränkt wird.

Nachfolgende Grafik soll den organisatorischen Aufbau einer eingetragenen Genossenschaft veranschaulichen.

3skizze 

Das markante Prinzip der Genossenschaft ist das sogenannte Demokratieprinzip. Jedem Mitglied steht unabhängig von dessen Kapitalanteil bei Abstimmungen jeweils genau ein Votum zu. Dies kann zwar durch die Satzung modifiziert werden, jedoch nur in gemeinsamer Übereinstimmung und bildet daher die Grundregel.

Ebenso wie bei dem Modell der GmbH & Co. KG wird bei der eG auf eine Haftungsbeschränkung Wert gelegt, die verhindert, dass auf Privatvermögen der Anleger, welches über ihre Genossenschaftsanteile hinausgeht, in jeglicher Weise für Haftungszwecke zugegriffen werden kann. 

Genossenschaftsmitglied kann werden, wer Genossenschaftsanteile kauft - gegebenenfalls verbunden mit einer einmaligen Eintrittsgebühr. Die Aufnahme weiterer Interessenten und damit die Erweiterung der Kapitalbasis ist dadurch ausgesprochen einfach. Im Übrigen können Genossenschaftsanteile anders als Einlagen bei anderen Kapitalgesellschaften auch einseitig durch die Inhaber gekündigt werden, sofern in der Satzung keine gegenteiligen Regelungen enthalten sind. Daraufhin wird der aktuelle Zeitwert der finanziellen Einlage zurückerstattet, der von den Gewinnen und Verlusten der Genossenschaft abhängig ist, die seit dem Eintritt erwirtschaftet wurden. Diesem Risiko des Kapitalentzugs kann durch die Satzung gemindert werden.

Die Flexibilität in der Mitgliedergewinnung, das überschaubare finanzielle Risiko, das der Einzelne mit seinem Beitritt eingeht, sowie die demokratische Mitbestimmung sind es, welche die eingetragene Genossenschaft als eine ideale Geschäftsform für Bürgerbeteiligungsmodelle qualifizieren.

Eingetragene Genossenschaft (eG)

Vorteile

Nachteile

Haftungsbeschränkung auf Genossenschaftsanteile, Verluste werden vorgetragen = keine Privathaftung

Satzungsmäßige Nachschusspflicht durch Genossen im Falle einer Insolvenz möglich

Kein Mindestkapital

Hoher Gründungsaufwand (mehrphasig!)

 

Individuelle Gestaltung der Satzung (z. B. Höchstbeteiligungen, Herkunft der Kapitalzeichner)

aufwändige Organisationsstruktur

Keine Prospektpflicht

Kosten von Jahresabschluss und Genossenschaftsverbandsmitgliedschaft

Steuerfreibeträge (801 € pro Person/Jahr), für Mitglieder keine Körperschaftssteuerpflicht, Gesellschafter lediglich abgeltungssteuerpflichtig

Gesellschaft ist gewerbe-, körperschaftssteuer- und solidaritätszuschlagspflichtig

Regelmäßige Ausschüttungen (z. B. sichere Grundverzinsung + erfolgsabhängiger Anteil)

Ausschüttungen nur bei Bilanzgewinn, d. h. meist erst nach einer längeren „Anfahrphase“

Flexible Kündigung, Auszahlung der Anteile

bei uneingeschränktem Kündigungsrecht besteht das Risiko eines unkontrollierbaren Kapitalabflusses

Demokratische Mitbestimmungskultur

 

Gelten als insolvenzsicher und kreditwürdig