Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


Als ein Teilaspekt der Energiewende rückt die Thematik Akzeptanz für Erneuerbare Energien in der Bevölkerung zunehmend in das Spektrum der öffentlichen Aufmerksamkeit und Diskussionen. Eine Umfrage der Agentur für Erneuerbare Energien aus dem Jahr 2012 ergab einen deutlichen Zuspruch zu Erneuerbaren Energien: 94% der Bevölkerung erachten die Nutzung und den Ausbau als wichtig, sehr wichtig oder außerordentlich wichtig. Betrachtet man die dahinterstehenden Formen der Zustimmung jedoch eingehender, offenbart sich ein komplexeres Bild.

Zwei grundlegende Varianten von Akzeptanz sind hierbei zu unterscheiden. Die eine drückt sich in tatkräftiger Unterstützung aus, wie sie bei öffentlichen Kundgebungen, in der Kommunalpolitik oder anhand unternehmerischen Engagements zu beobachten ist, und wird deshalb als aktive Akzeptanz bezeichnet. Der Großteil der Zustimmung entfällt jedoch auf Bevölkerungsteile, welche die erneuerbare Energieerzeugung prinzipiell gutheißen, aber lediglich eine tolerierende Haltung einnehmen. In diesen Fällen wird von passiver Akzeptanz gesprochen. Generell werden die Erneuerbaren Energien den fossilen Energieträgern, wie Gas und Kohle, sowie der Atomkraft zwar vorgezogen, geht es aber um die Frage, wo sie erzeugt werden sollen, haben persönliche Bedenken ein stärkeres Gewicht. In solchen Situationen kann sich die anfängliche, passive Akzeptanz bei vielen Betroffenen in die eine oder andere Form von Ablehnung umkehren. Entweder tritt dabei das Sankt-Florians-Prinzip, neuerdings auch NIMBY (Not-In-My-Back-Yard) bezeichnet, in Erscheinung oder es werden brisante Fragen der Verteilungsgerechtigkeit berührt. Das Sankt-Florians-Prinzip ist bei jenen Personen weniger ausgeprägt, die bereits positive Erfahrungen mit Erneuerbaren Energien gewonnen haben. Der Grad der wahrgenommenen Verteilungsgerechtigkeit hängt von vierlei Faktoren ab, wie etwa bereits im Vorfeld bestehenden Konkurrenzsituationen oder der Art wie die Belastungen der Öffentlichkeit, die durch Anlagenbau und -betrieb ausgelöst werden, gegenüber dem Profit einzelner Akteure ausbalanciert werden. Für die Praxis der konkreten Projektplanung hat dies zur Folge, dass die beginnende Umsetzung einer Anlage Konfliktpotenziale wachrufen kann, die zuvor nicht ersichtlich waren. In der Vergangenheit hat dies zu teilweise starken Widerständen geführt, die sich zum Beispiel in Gestalt von Bürgerinitiativen geäußert und Projekte verhindert oder zumindest verzögert haben. Folgende Grafik veranschaulicht anhand der Umfrageergebnisse von TNS-Infratest 2012 diese Diskrepanz zwischen den Zustimmungswerten für diverse Energieerzeugungstechniken generell und andererseits ihrer Tolerierung bei Vorerfahrungen der Befragten.

Zustimmung zu Anlagen Erneuerbarer Energien in der Umgebung des eigenen Wohnortes (in Anlehnung an AEE 2012, Daten basierend auf eine Umfrage von TNS Infratest 2012, 3.798 Befragte, im Auftrag der AEE, Stand 10/2012)Ein präventives Akzeptanzmanagement, welches außerdem unter Verwendung einer zweckmäßigen Auswahl an Instrumenten auf die jeweils vorherrschenden Konfliktpotenziale reagiert, kann jedoch auch umstrittenen Projekten zu langfristiger Zustimmung verhelfen. Um eine zumindest passive Akzeptanz für Projekte zu erwirken, gilt es zum einen als erfolgversprechend, die Betroffenen von den allgemeinen Vorteilen der regenerativen gegenüber der herkömmlichen Energieversorgung zu überzeugen, sowie sie zum anderen persönlich am Nutzen der Erneuerbaren Energien zu beteiligen. Dieser Nutzen äußert sich zumeist in finanzieller Hinsicht, wie etwa dem Beitrag, den die Erneuerbaren durch regionale Wertschöpfung zum Gemeinwohl leisten können. In einer vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung 2011 durchgeführten, vergleichenden Analyse der Betreibermodelle zeigten sich insbesondere Energiegenossenschaften als außerordentlich gut geeignet, eine hohe regionale Wertschöpfung zu generieren.


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