Teisnach/Aumühle/Regen (14.09.2016) * Der Stellvertretende Landrat Willi Killinger erkundigt sich persönlich bei der Holzbranche über die aktuelle Branchensituation und Herausforderungen im Sektor Forst und Holz. Delegation bei Fischl Organisiert von Netzwerk Forst und Holz Geschäftsführer, Alexander Schulze, besucht Killinger mit dem Leiter der Wirtschaftsförderung am Landratsamt Regen, Markus König, die Waldbesitzervereinigung Viechtach, das Sägewerk Fischl-Aumühle und zusammen mit Bürgermeisterin Ilse Oswald die Zimmerei Brunner in Regen. Am Ende bedankt sich Killinger für den „erkenntnisreichen Tag und die Einblicke in den Branchenalltag“. Die Betriebe loben die Sachkenntnis des stellvertretenden Landrats und freuen sich über die entgegengebrachte Wertschätzung.

Die erste Station der Tour entlang der Wertschöpfungskette vom Baum zum Bau ist der Kirchenwald zwischen Teisnach und Böbrach. Hier begrüßen ihn der 2. Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung Viechtach, Hans Hacker und deren Geschäftsführer,  Christian Hofherr. Sie kämpfen derzeit mit dem enormen Anstieg des Borkenkäferbefalls in der Region. Im Vergleich zum Vormonat hat sich die Schadholzmenge im August verzehnfacht.

 

Die Aufarbeitung von so großen Holzmengen ist mit sehr viel Aufwand für die Waldbesitzer aber auch mit Einschränkungen für die Wald-Besucher verbunden. Um über die Notwen­digkeit der Holzernte-Maßnahmen zu informieren, nutzt die Waldbesitzervereinigung künftig die so genannten „Waldschilder“, die Killinger mit seinem Besuch ihrer Bestimmung übergab. Unter dem Motto „Wir pflegen – Sie genießen, profitieren und erleben“ wird prägnant auf die Leistungen der Forstwirtschaft verwiesen. Die auffallende Farbe sorgt dafür, dass sie weder am Wanderer-Parkplatz noch am Holz-Lagerplatz übersehen werden.

Hofherr formuliert konkrete Ziele und Wünsche an die Politik: „Wir wünschen uns eine höhere Wertschätzung und Akzeptanz unserer Waldbewirtschaftung und die Anerkennung unserer Bemühungen um einen integrierten Naturschutz. Dazu gehört auch eine waldfreundliche Ausübung der Jagd, die eine Baumverjüngung ohne Zäune ermöglicht.“

Der Wirtschaftsförderer des Landkreises Regen, Markus König, verweist noch auf zwei regionale Effekte der Holzverwendung: Erstens sei Holz auch ein wichtiger Tourismus-Faktor: „Die gelebte und zur Schau getragene Regionalität des Werkstoffes Holz überträgt sich auf das Wohlbefinden und erzeugt ein Hier-bin-ich-daheim-Gefühl bei unseren Gästen.“ Und zweitens betont König: „Auch wegen der vielen dezentralen Arbeitsplätze ist uns Holz als regionaler Wirtschaftsfaktor so wichtig.“

Bei der zweiten Station der Firmenbereisung informiert sich Killinger über die Situation in der Sägewerk-Branche bei Fischl-Aumühle. Fischl-Aumühle schneidet Bauholz mit CE Kennzeichnung und sonstiges Schnittholz bzw. Verpackungsholz. Besonders für CE gekennzeichnetes Holz braucht die Firma frisches, gesundes Rundholz. Alexandra und Christian Fischl bringen gleich zu Beginn der Betriebsführung ein großes Branchen-Hemmnis auf den Punkt – Die in den letzten Jahren enorm gestiegenen Brand-Versicherungsprämien für Sägewerke:

Sogar relativ kleine Sägewerke kommen auf hohe 5-stellige Versicherungsprämien. Sie selbst mussten vor einigen Jahren einen Brand erleiden. Erst nach langem Bemühen ist es gelungen, überhaupt eine Versicherung abzuschließen. An ein Verhandeln von günstigen Konditionen ist da nicht zu denken. Alexander Schulze ergänzt Fälle aus dem Netzwerk Forst und Holz: Ist keine tragfähige Versicherungslösung in Sicht, verzichten Kleinbetriebe auf eine Brandversicherung und rechnen für den Fall eines Schadens schon jetzt mit der Betriebsaufgabe. „Doch gerade in Zeiten wie jetzt bei Käfer-Kalamitäten oder nach größeren Windwurf-Ereignissen braucht unsere Region jedes Sägewerk zur Aufnahme von Holz. Wir sind eine Holzregion und wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, auch die Weiterverarbeitung in der Region zu halten.“ Dem schloss sich auch Killinger an, der spontan versprach, der Sache nachzugehen.

Bei der dritten Station der Wertschöpfungskette, bei der Zimmerei Brunner in Regen, begleitet Bürgermeisterin Ilse Oswald die Netzwerk Delegation.  Mit ca. 20 Mitarbeitern ist die Firma eine „Vollsortiment-Zimmerei“, die vom Balkon bis zum kompletten Holzhaus alle Zimmermannsarbeiten anbietet. Rudi Brunner macht klar, dass auch für Betriebe der Holz-Weiterverarbeitung das Thema Brandversicherung stets aktuell sei. Er stellt generell einen hohen Aufklärungsbedarf in Sachen Holz und Brandgefährdung fest: „Kaum einer weiß, dass Holz als Baustoff im Brandfall sogar Vorteile hat: Relativ schweres Entflammen, kontrollierter Abbrand, lange Standhaftigkeit und kein plötzliches Materialversagen.“, so Brunner und Schulze ergänzt: „Beim Thema Feuergefahr und Brandschutz gibt es noch hohen Aufklärungsbedarf. Dem stellt sich das Netzwerk mit Vorträgen, Stellungnahmen oder Exkursionen zu Objekten mit besonderen Brandschutzlösungen.“

Und auch das Thema CE Kennzeichnung spielt für Brunner eine wichtige Rolle. Er kann der CE Kennzeichnung von Bauholz viel Positives abgewinnen: Die vorgeschriebene technische Trocknung des Holzes mit über 40 Grad Celsius führt zur Eiweiß Zersetzung im Holz und damit zu einer hohen, natürlichen Schädlingsresistenz. Chemie wird dadurch unnötig. Weiter hätte die Qualität des von den regionalen Sägewerken gelieferten Holzes im Laufe der letzten Jahre kontinuierlich zugenommen. Auch ein Grund warum die Firma Brunner bei ihren Bauten ausschließlich auf CE gekennzeichnetes Holz setzt.

Stellvertretender Landrat Killinger zieht ein überaus positives Resümee seiner Firmenbe­reisung und bedankt sich bei Netzwerk Forst und Holz Geschäftsführer Alexander Schulze für die Organisation. Die Diskussionen mit den Firmeninhabern hätten neue Aspekte zur Bedeutung des regionalen Wertstoffs Holz geliefert und tragen mit ihren Anregungen bei, die tägliche politische Arbeit zu optimieren.