turnhalle roetzEine neue Halle mit ausreichend Platz für sämtlichen Vereins- und Schulsport. Dies war der Wunsch der Stadt Rötz im Landkreis Cham in der Oberpfalz. Dem gegenüber standen ein begrenztes Budget und das Bestreben, möglichst mit nachwachsenden Rohstoffen, idealerweise aus der Region, zu bauen. Entstanden ist eine optisch ansprechende Sporthalle in moderner Holzbauweise, die vorbildhaft für das kommunale Bauen mit Holz werden könnte. Am Freitag, den 19. Februar 2016, stand im Rahmen der Reihe „Holzarchitektur entdecken“ des Netzwerks Forst und Holz beim C.A.R.M.E.N. e.V. und seiner Partner die Halle vorab zur Besichtigung offen.

Über 80 Interessenten, neben Architekten und Vertretern von Holzbetrieben auch viele Gemeinde-, Stadt- und Kreisräte sowie Bürgermeister, waren der Einladung nach Rötz gefolgt, um sich über den modernen Holzbau informieren zu lassen und die neue Sporthalle zu besichtigen. Darüber freuten sich neben dem Netzwerk Forst und Holz beim C.A.R.M.E.N. e.V. auch die Zimmerer-Innung und die Kreishandwerkerschaft Cham, das Regionalmanagement des Landkreises sowie die Marketinginitiative proHolz Bayern, die die Bauwerksbesichtigung und die zugehörigen Fachvorträge gemeinsam organisiert hatten.

Im historischen Fürstenkasten der Stadt wurde nach der Begrüßung der Gäste durch Alexander Schulze, Geschäftsführer des Netzwerks Forst und Holz beim C.A.R.M.E.N. e.V. und Tobias Weber, Obermeister der Zimmererinnung Cham, erläutert, wie es zu der Verwirklichung der Halle in Holzbauweise gekommen war.turnhalle roetz 2
„Wirtschaftliches Bauen und Qualität in Einklang gebracht“ lautete der Titel des Vortrags von Bürgermeister Ludwig Reger, in dem er die politischen Dimensionen der Entscheidung für einen Holzbau und den Weg von der Idee bis zur fertigen Halle mit begeisterten Worten schilderte. Als Vorbild fungierte die vom Architekten Dieter Brüggemann geplante Sporthalle der Gemeinde Wilpoldsried. Diese hatte Bürgermeister Reger bereits 2004 kennengelernt und kam 2014, als der Neubau der eigenen Halle aktuell wurde, auf die Kontakte in der Gemeinde im Allgäu zurück. Nach einer erneuten Besichtigung des Gebäudes im Oktober 2014 mit Fachleuten und dem Stadtrat, stand der eigene Beschluss, mit dem gleichen Architekten eine ähnliche Halle zu bauen, schnell fest. Schon Ende Juli 2015 wurden sämtliche Bauaufträge vergeben, im Oktober das Fundament beendet und im Dezember die Holzhalle in nur zehn Tagen aufgestellt. Dieser zügige Baufortschritt sei nur durch die exakte Planung vorab, die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten und den hohen Anteil an Vorfertigung beim beauftragten Holzbauunternehmen möglich gewesen, betonte der Bürgermeister. Zudem habe es sich als wichtig herausgestellt, sich bei der Planung nicht zu verzetteln. „Unsere Halle ist ein Zweckbau, aber ein ästhetischer und hochwertiger. So ist das Gebäude nach dem KfW-Effizienzhaus-Standard 70 zertifiziert und damit für eine Halle sehr energieeffizient. Zudem ist die 23 mal 45 Meter große Halle für nahezu alle Wettbewerbssportarten zugelassen und erfüllt auch die Anforderungen für den Schulsport“, freute sich Reger über den Neubau in seiner Stadt und empfahl seinen Politikerkollegen, beim Bauen und Sanieren in ihrem Verantwortungsbereich auch an den Baustoff Holz zu denken.
Im Anschluss referierte Architekt Dieter Brüggemann in seinem Vortrag „Architekten helfen sparen“ über die Planung und die technische Ausführung der Sporthalle. Ihm als gelerntem Schreiner und Architekt mit 25 Jahren Berufserfahrung lägen das Holz und der Holzbau seit jeher am Herzen. Und Holz sei ein bewährter und langlebiger Baustoff, die noch immer genutzten Fachwerkhäuser aus dem 15ten Jahrhundert seien eines der besten Beispiele. Was der moderne Holzbau alles kann, stellte der Architekt in verschiedenen Projektbeispielen vor und kam danach auf die neue Sporthalle in Rötz zu sprechen: „Bei diesem fungieren die Nebengebäude aus Ziegeln und Beton als Aussteifung, so dass die eigentliche Sporthalle komplett in Holzrahmenbauweise errichtet werden konnte“, so Brüggemann. Eine Beplankung im Inneren sei jederzeit möglich, aber nicht noturnhalle roetz 3twendig. Die äußere Fassade entstünde aus massivem Lärchenholz und würde von den Mitgliedern der örtlichen Sportvereine selbst angebracht, freute sich Brüggemann und zeigte sich am Ende seines Vortrags offen für künftige Anfragen aus den Reihen der Zuhörer.
Als dritter Referent des Nachmittags ergriff Gerhard Gruber, Inhaber der Gruber Naturhaus GmbH im Rötzer Stadtteil Bernried, das Wort und brachte in seinem Vortrag „Hohe Qualität im regionalen Holzbau“, den Teilnehmern die Vorzüge dieser modernen Bauweise näher. Gruber betonte die stetig steigende Holzbauquote in Bayern, die mittlerweile bei 19 Prozent läge. Holz sei der Baustoff der Zukunft: Vielseitig verwendbar, ein Kohlendioxidspeicher und regional verfügbar. Zahlreiche technische Weiterentwicklungen hätten die Qualität im Holzbau stetig verbessert. „Schwundrisse an Balken muss es heute dank Brettschichtholz und Duobalken nicht mehr geben“, so der Referent. Und mittlerweile habe auch die Forschung bewiesen, dass der Holz- dem Massivbau in Sachen Qualität und Haltbarkeit um nichts mehr nachstehe. Als Fazit plädierte Gruber für eine gerechten Wettbewerb zwischen den Baustoffen: „Für jedes Bauvorhaben sollte der jeweils am besten geeignete Baustoff verwendet werden“, so der Unternehmer.

Im Anschluss an die Vorträge machten sich die Teilnehmer gemeinsam auf zur neuen Sporthalle, wo Bürgermeister Ludwig Reger vor Ort die Besonderheiten des Gebäudes erläuterte. Viele Fragen zeigten das Interesse der Anwesenden und ein fachlicher Austausch bei einer Brotzeit rundete die Veranstaltung ab. Weitere Aktionen zum Thema Bauen mit Holz und weiteren Bereiche der Holzverwendung sind beim Netzwerk Forst und Holz beim C.A.R.M.E.N. e.V. bereits in Planung.

Bilder:

- Besichtigung

- Veranstalter und Referenten
(von li.: Gerhard Gruber/ Gruber Naturholzhaus GmbH, Ludwig Reger/ erster Bürgermeister der Stadt Rötz, Alexander Schulze/ Geschäftsführer des Netzwerks Forst und Holz beim C.A.R.M.E.N. e.V., Dieter Brüggemann/ Architekt, Tobias Weber/ Obermeister der Zimmererinnung Cham)

- Außenansicht Sporthalle Rötz