Am 07. November 2007 wurde vom damaligen Bundeskabinett die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt beschlossen. Diese besagt, dass bis 2020 fünf Prozent der gesamten Waldfläche Deutschlands und zehn Prozent des öffentlichen Waldes der natürlichen Entwicklung zu überlassen sind. Dieser Beschluss und seine Umsetzung sorgen gerade in jüngster Zeit wieder für heiße Debatten. Um-weltschützer begrüßen die Stilllegung weiterer Waldflächen als positiven Schritt hin zu mehr Natur- und Artenschutz. Waldbesitzer befürchten einen Verlust der vielfältigen Wald-Funktionen und sehen den positiven Einfluss der bewirtschafteten Wälder aufs Klima in Gefahr.

Jedoch steht noch gar nicht fest, wie viel Wald im Rahmen der Umsetzung der Nationa-len Biodiversitätsstrategie zusätzlich aus der Nutzung genommen werden müsste. Das Problem ist, dass es bisher keine haltbaren Zahlen gibt, wie viel Wald in Deutschland aktuell der natürlichen Entwicklung überlassen ist. Dies umfassend zu erheben, ist Aufgabe des Forschungs- und Entwicklungsvorhabens NWE5 der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt, des Waldbau-Instituts der Universität Freiburg und des Instituts für Landschaftsökologie und Naturschutz in Bühl. Ergebnisse sollen im Dezember 2013 vorliegen und als Diskussionsgrundlage für die Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie dienen.
Bis dahin bleibt nur, die Nutzung der Wälder und die Stilllegung weiterer Flächen sinnvoll abzuwägen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass gerade die nachhaltige und naturnahe Forstwirtschaft, wie sie seit 300 Jahren betrieben wird, unsere Wälder zu dem gemacht hat, was sie heute sind: Kulturwälder mit vielfältigen Funktionen. Wälder liefern Holz, den einzigen Rohstoff, der ständig nachwächst und völlig umweltfreundlich erzeugt wird. Im Gegensatz zu anderen Materialien nimmt Holz bei seinem Wachstum klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) auf, gibt Sauerstoff frei und bindet den verbleibenden Kohlenstoff über die gesamte Nutzung. Und selbst wenn am Ende seiner Lebensdauer das Holz der energetischen Verwendung zugeführt wird, wird nur so viel Kohlendioxid abgegeben, wie bei seiner Entstehung aufgenommen wurde. Als CO2-neutraler Werkstoff ist Holz also unersetzbar und seine Nutzung unabdingbar fürs Gelingen der Energiewende. Und: Je mehr reife Bäume entnommen werden, desto mehr junge Bäume und somit Holz kann nachwachsen und die Atmosphäre von klimaschädlichem Kohlendioxid entlasten. Der nachhaltig genutzte Wald liefert also einen weitaus höheren Beitrag zum Klimaschutz als stillgelegte Flächen und jegliche Verwendung von Holz ist gut fürs Klima.

Wer dabei um den Erhalt des Waldes als Erholungsraum für die Bevölkerung und Lebensraum für unzählige Pflanzen und Tiere fürchtet, liegt falsch. Die Waldfläche in Bayern ist in den vergangenen 32 Jahren immer weiter gewachsen. Allein im Jahre 2012 um 205 Hektar, was einer Fläche von 209 Fußballfeldern entspricht. Zudem ist, dank Waldumbau, der Bestand an Laubholz- und Mischbeständen in Bayern auf 32 Prozent gestiegen. In unseren Wäldern leben bis zu 14.000 Tier- und 6.000 Pflanzenarten. Die aktive Nutzung biologischer Abläufe wie Naturverjüngung oder Totholzanreicherung kann diese biologische Vielfalt weiter fördern. Darüber hinaus unterliegen große Teile der bewirtschafteten Wälder bereits einem zusätzlichen Schutzstatus, sei es als Naturpark, Naturwaldreservat oder Natura-2000-Schutzgebiet. Weitere Flächen von besonderer Bedeutung für den Artenschutz sind bereits vollständig aus der Bewirtschaftung genommen, zum Beispiel als Nationalparks. Im Sinne einer nachhaltigen Forstwirtschaft wäre deshalb eine unkritische und pauschale Stilllegung von fünf beziehungsweise zehn Prozent der Waldflächen, der hohen ökologischen, sozialen und ökonomischen Bedeutung unserer Wälder nicht angemessen.         


                                                                              


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