Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


Die Energieeinsparverordnung (EnEV) löste am 1. Februar 2002 die Wärmeschutzverordnung und die Heizungsanlagenverordnung ab und dient der Einsparung von Energie in Gebäuden. Die EnEV wurde zuletzt mit Wirkung zum 1. Mai 2014 geändert. Einige Änderungen wurden erst zum 1. Januar 2016 wirksam daher wird häufig die Bezeichnung EnEV 2016 verwendet. Die von der Bundesregierung aufgestellten Ziele eines nahezu klimaneutralen Gebäudebestandes bis 2050 sollen durch die Verordnung von Mindeststandards und Förderinstrumente (z. B. Vor-Ort-Beratung, Wohngebäudesanierung, kommunale Maßnahmen) erreicht werden.

 

Gültigkeit

Die Verordnung gilt für Gebäude, die unter Energieeinsatz gekühlt oder beheizt werden und dazu notwendige Anlagen. Ausgenommen sind beispielsweise Betriebsgebäude der Tier- und Pflanzenzucht sowie Betriebsgebäude, die auf eine Temperatur von unter 12 °C aufgeheizt oder dauerhaft offen gehalten werden. Ebenso ausgenommen sind Wohngebäude, die nur weniger als vier Monate jährlich genutzt werden oder weniger als ein Viertel eines ganzjährigen Energieverbrauchs benötigen (z. B. Ferienhäuser).

 

Berechnungsmethode und Referenzgebäude

Für die Anforderungen der EnEV werden grundsätzlich zwei Gebäudekennwerte berechnet. Aus der Gebäudegeometrie wird zunächst unter Anwendung von bauteilspezifischen Kennwerten der sogenannte Transmissionswärmeverlust der Hüllfläche berechnet. Unter Berücksichtigung der Primärenergiefaktoren der im Gebäude eingesetzten Energieträger wird anschließend der Primärenergiebedarf berechnet.

Dies erfolgt zunächst einmal für das geplante/gebaute Gebäude, mit den bauteilspezifischen Werten der tatsächlich eingesetzten Bauteile. Die Berechnung wird gleichzeitig mit in der EnEV definierten Referenzwerten durchgeführt, um die Gebäudekennwerte des sogenannten Referenzgebäudes zu erhalten. Die einzelnen Anforderungen für den jeweiligen Fall (Neubau / Sanierung) werden mit Hilfe dieses Referenzgebäudes ermittelt.

 

 Anforderungen Neubau

Für Neubauten berechnet sich der zulässige spezifische Transmissionswärmeverlust der Außenhülle (erste Anforderung) aus den bauteilspezifischen Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) für das Referenzgebäude, dabei gelten u. a. folgende Wärmedurchgangskoeffizienten (Auszug für Wohngebäude):

Bauteil U-Wert  [W/(m2*K)]
Außenwand gegen Außenluft 0,28
Dachfläche bzw. oberste Geschossdecke 0,20
Fenster 1,30

Seit 1. Januar 2016 darf der so errechnete spezifische Transmissionswärmeverlust von Neubauten nicht über dem des Referenzgebäudes liegen. Grundsätzlich darf der Wert zudem nicht über den Werten folgender Tabelle liegen:

Gebäudetyp Höchstwert des spezifischen Transmissionswärmeverlusts [W/(m2*K)]
Freistehendes Wohngebäude <350 m² 0,40
Freistehendes Wohngebäude >350 m² 0,50
Einseitig angebautes Wohngebäude 0,45
Alle anderen Wohngebäude 0,65

Bezüglich des zweiten Anforderungswertes des zulässigen spezifischen Jahres-Primärenergiebedarfs darf dieser seit dem 1. Januar 2016 nicht mehr größer als 75 % des Wertes des Referenzgebäudes sein. Dies ist die häufig genannte Verschärfung der Neubauanforderungen, die sich z. B. realisieren lässt, in dem eine höhere energetische Qualität der Außenhülle (ca. 2 cm mehr Dämmung) gewählt wird oder verstärkt Erneuerbare Energien eingesetzt werden.

Für Nichtwohngebäude erfolgt die Berechnung für einzelne Nutzungszonen (z. B. Fabrikhallen und Büroräume) getrennt. Ausnahmen gelten beispielsweise für Bürogebäude, Schulen und Bibliotheken, sofern das Gebäude nicht gekühlt wird, einheitliche Heiz- und Warmwassersysteme installiert sind und gewisse Voraussetzungen an Beleuchtung sowie Belüftung erfüllt werden.

Bei einem Neubau und der Erweiterung von Gebäuden ist zusätzlich zur winterlichen Wärmedämmung ein sommerlicher Wärmeschutz zu berücksichtigen, um den Komfort zu erhöhen und Energieaufwände für eventuelle Kühlung zu reduzieren. In der Regel ist ein vereinfachtes Rechenverfahren möglich (dabei erfolgt nach DIN 4108-2: 2013-02 ein Vergleich der vorhandenen Sonneneintragskennwerte gegenüber den zulässigen Sonneneintragskennwerten transparenter Bauteile). Alternativ kann eine aufwändigere Gebäudesimulation erfolgen.

 

Nachrüstpflichten für Bestandsgebäude

Gas- oder Ölheizkessel, die älter als 30 Jahre sind dürfen nicht weiter betrieben werden. Ausgenommen sind Anlagen mit einer Nennleistung kleiner 4 kW und größer 400 kW, Niedertemperatur- oder Brennwertkessel.

Befinden sich heizungstechnische Anlagen, Wärmeverteil- und Warmwasserleitungen und Armaturen in unbeheizten Räumen, sind diese mit einer Wärmedämmung zu versehen.

Seit 1. Januar 2016 muss die oberste Geschossdecke als Abschluss zu einem unbeheizten Dachraum so gedämmt sein, dass ein Wärmedurchgangskoeffizient von 0,24 W/(m²*K) nicht überschritten wird, sofern sie nicht den bisherigen Mindestanforderungen des baulichen Wärmeschutzes nach DIN 4108-2 entspricht. Alternativ ist es ausreichend, wenn das darüberliegende Dach diese Anforderung erfüllt.

Diese Nachrüstpflichten greifen nicht, sofern das Gebäude maximal zwei Wohnungen umfasst und der aktuelle Eigentümer am 1. Februar 2002 eine Wohnung selbst bewohnt hat.

 

Pflichten bei Änderungen am Gebäude

Grundsätzlich gilt bei Umbaumaßnahmen ein Verschlechterungsverbot, d. h. der Energiebedarf darf nach der Maßnahme nicht höher sein als zuvor. Wird mehr als 10 % eines Bauteils (z. B. Fenster, Außenwand, Dach oder Decke) erneuert oder energetisch saniert, muss jene Fläche des Außenbauteils, die tatsächlich geändert wird, die Anforderungen der EnEV erfüllen. Dabei gelten unter anderem folgende Höchstwerte (Auszug):

Bauteil U-Wert  [W/(m2*K)]
Außenwand gegen Außenluft 0,24
Dachfläche bzw. oberste Geschossdecke 0,24
Fenster 1,30

Wenn aus technischen Gründen die Dämmschichtdicke begrenzt ist, gilt die Dämmung als ausreichend, sofern die Wärmeleitfähigkeit des Dämmstoffes höchstens λ = 0,035 W/(m*K) beträgt. Werden Nachwachsende Rohstoffe oder Einblasdämmstoffe verwendet, sind λ = 0,045 W/(m*K) ausreichend.

 

Energieausweispflicht

Energieausweise müssen für alle Neubauten sowie für bestehende Gebäude erstellt werden, wenn diese teilweise oder im Ganzen verkauft oder neu vermietet werden. Ebenso müssen Energieausweise für Gebäude mit starkem Publikumsverkehr auf mehr als 500 m2 Fläche (für öffentliche Gebäude mehr als 250 m2) erstellt und gut sichtbar ausgehängt werden.

Beim Verkauf oder der Vermietung einer Immobilie muss der Energieausweis unaufgefordert spätestens zum Besichtigungstermin vorgelegt werden. In Immobilienanzeigen müssen (sofern der Energieausweis zu diesem Zeitpunkt bereits vorliegt) die wichtigsten Kennzahlen veröffentlicht werden (Art des Energieausweises, Endenergieverbrauch bzw. Endenergiebedarf, wesentlicher Heizenergieträger, bei Wohngebäuden zudem das Baujahr und die Energieeffizienzklasse).

Energieausweise haben Empfehlungen zur Energieeffizienzsteigerung und Modernisierungsempfehlungen zu enthalten und müssen beim Deutschen Institut für Bautechnik registriert werden.

 

Ordnungswidrigkeiten

Die EnEV definiert einige Verstöße als Ordnungswidrigkeiten. So kann der Weiterbetrieb alter Heizungsanlagen oder die fehlende Dämmung der obersten Geschossdecke mit bis zu 50.000 € Bußgeld belegt werden. Werden in Immobilienanzeigen keine Energieausweisdaten angegeben oder der Energieausweis beim Besichtigungstermin nicht vorgelegt, können bis zu 15.000 € Bußgeld verhängt werden.

 

Tipps und Ergänzungen

Die hier dargestellten Sachverhalte stellen nur einen Auszug dar und können nicht die komplette Regelungsvielfalt der EnEV 2014 wiedergeben. Ziehen Sie daher für Ihren Einzelfall einen fachkundigen Berater hinzu.

Beachten Sie bei der Durchführung von Effizienzmaßnahmen und Sanierungen die vielfältigen Fördermöglichkeiten durch Landes- und Bundeseinrichtungen. Ebenso gelten teilweise großzügigere Regelungen und weitere Förderungen beim Einsatz von Erneuerbaren Energien und Nachwachsenden Rohstoffen. Einige Fördermöglichkeiten finden Sie hier.

Achten Sie zudem darauf, dass bei der Realisierung von Neubauten zusätzlich die Anforderungen des Erneuerbare Energien Wärmegesetzes (EEWärmeG) gelten.

 


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