Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


46 2016Interesse an kleinen Hofbiogasanlagen weiter vorhanden

Straubing, 28. November 2016 * Am 24. November 2016 luden C.A.R.M.E.N. e.V., das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Neumarkt sowie die Regionalgruppe Oberpfalz des Fachverbandes Biogas e.V. nach Neunburg vorm Wald ein, um sich über das Thema Hofbiogasanlagen auf Güllebasis zu informieren. Über 60 Interessierte, darunter insbesondere Bankvertreter, Landwirte, Anlagenhersteller und Vertreter anderer Landwirtschaftsämter nutzten das Angebot und besuchten am Vormittag den Vortragsteil im Gasthaus Irlbacher und im Anschluss die Biogasanlage des Betriebes Johannes Ziegler.

 

Nach der Begrüßung durch den Amtsleiter von Schwandorf, Reinhold Witt, stellte Georg Friedl vom Fachverband Biogas die rechtlichen Rahmenbedingungen vor, unter denen Hofbiogasanlagen betrieben werden. So bietet auch das EEG 2017 mit knapp 23 Cent/kWh eingespeistem Strom eine interessante Vergütung. Voraussetzung ist, dass mindesten 80 Masseprozent Gülle (hierzu zählen Gülle und Mist von Schweinen und Kühen, Pferdemist oder auch Mist von Ziegen und Schafen) im Jahresdurchschnitt eingesetzt werden. Die Leistung des BHKW darf maximal 75 kW elektrisch betragen. Friedl zeigte, dass noch eine Reihe weiterer Regelungen zu beachten sind. Auch die steuerliche Behandlung einer Biogasanlage muss gut durchdacht sein.

Leonhard Rösel, Berater für das Projektteam LandSchafftEnergie stellte nach einer kurzer Erläuterung, was Biogas eigentlich ist, die Chancen und Risiken dar, welche die Investition in eine Biogasanlage auf Güllebasis für einen landwirtschaftlichen Betrieb bietet. So muss z. B. sichergestellt sein, dass der Anfall an Gülle auch für die nächsten 20 Jahre gegeben ist. Daher muss die Viehhaltung wirtschaftlich gut aufgestellt sein. Die Vergärung von Gülle und Mist hat viele positive Auswirkungen auf den gesamten Betrieb. So ist die vergorene Gülle bei der Ausbringung deutlich fließfähiger, weniger ätzend und auch geruchsärmer. Des Weiteren können in der Biogasanlage weitere Substrate wie z. B. Futterreste, minderwertigere Grünschnitte oder Zwischenfrüchte sinnvoll verwertet werden.

Im Anschluss sprach Melanie Glötzl von C.A.R.M.E.N. darüber, mit welchen wirtschaftlichen Kenngrößen zu rechnen ist. So sind Hofbiogasanlagen, die zu 100 Prozent mit Gülle betrieben werden in der Regel sehr lukrativ. Dies ist vor allem dem Umstand zu verdanken, dass die Baukosten vergleichsweise niedrig gehalten werden können, weil keine Einbringtechnik für Feststoffe notwendig ist und eine kurze Verweildauer im Fermenter ausreicht. Auch gibt das EEG keine Mindestverweildauer vor. Allerdings sind dazu große Viehbestände nötig, die in Bayern selten anzutreffen sind. Mit deutlich geringen Viehbeständen, schon ab ca. 90 GV, lassen sich Hofbiogasanlagen realisieren, wenn energiereichere Substrate wie etwa Maissilage eingesetzt werden. Allerdings zeigte Glötzl, dass die hohen Kosten – kalkuliert wurde mit 40 €/t Mais – für diese Einsatzstoffe die Biogasanlagen unrentabel machen. Können günstige Substrate wie z. B. Mist eingesetzt werden, stellt sich die Situation deutlich besser dar.

Im letzten Vortrag gab Robert Wagner von C.A.R.M.E.N. einen Überblick darüber, was beim Bau und Betrieb einer Biogasanlage unbedingt zu beachten ist. So bestehen umfangreiche Prüfpflichten für kleine Biogasanlagen genauso wie für große Anlagen. Betreiber müssen vorab und wiederkehrende Schulungen besuchen. Wichtig ist, dass die Verantwortung für den sicheren Betrieb und der Anlagen beim Betreiber liegt.

Abschließend stellte Johannes Ziegler aus Albenried seinen Betrieb vor. Seit April diesen Jahres läuft dort eine Hofbiogasanlage mit 75 kW. Eingesetzt werden Gülle aus der Milchviehhaltung, Bullenmist, Futterreste und Getreideschrot. Ziegler hofft neben eines möglichst wirtschaftlich erfolgreichen Betriebs auch darauf, dass ihm bei künftigen Auflagen für die Landwirtschaft im Rahmen von Klimaschutz die Biogasanlage gut geschrieben wird. Die Teilnehmer des Fachgesprächs nutzten im Anschluss mit großem Interesse die Gelegenheit, die Biogasanlage zu besichtigen und zahlreiche Fragen zu stellen.

Circa 3.400 Zeichen, Abdruck frei, Belegexemplar erbeten.

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