Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


IMG 4007Straubing, 26. Oktober 2016 * (je) * Am Donnerstag, den 20.10.2016 fand im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten die Veranstaltung „Nachhaltig und biobasiert – die Beschaffung für Bayern“ in Kooperation von C.A.R.M.E.N. e.V. und der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe (FNR) im Rahmen der Ausstellung „Bioökonomie zum Anfassen“ statt. Diese Ausstellung zeigte unter anderem das „Nachwachsende Büro“ der FNR sowie biobasierte Produkte für den Alltag, zusammengestellt von C.A.R.M.E.N. e.V.

Die Veranstaltung richtete sich an Entscheidungsträger und Interessierte in Städten, Gemeinden, Landkreisen sowie öffentlichen Einrichtungen. Etwa 50 Teilnehmer informierten sich an diesem Tag über verschiedene Aspekte der nachhaltigen Beschaffung. Der erste Teil der Veranstaltung beschäftigte sich mit dem Thema nachhaltiges öffentliches Bauen. Der zweite Teil der Veranstaltung drehte sich um verschiedene Aspekte der Nachhaltigen Beschaffung. In der an die Vorträge anschließenden Fragerunde zeigten die Teilnehmer reges Interesse an den vorgestellten Themen.

 

Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten bei der Bauvergabe

Stefan Hitter eröffnete den ersten Teil der Veranstaltung mit Schwerpunkt nachhaltiges, ökologisches Bauen. Herr Hitter ist Rechtsanwalt, spezialisiert auf Vergaberecht und privates sowie öffentliches Baurecht. Er stellte die vergaberechtlichen Grundlagen der Beschaffung unter Einbeziehung von Nachhaltigkeitskriterien dar und machte deutlich, dass das Vergaberecht Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen durchaus zulässt und welche Veränderungen zudem die Reform des Vergaberechts mit sich gebracht hat.

Kriterien ökologischer Baustoffe

Das Qualitätszeichen natureplus wurde von natureplus-Geschäftsführer Thomas Schmitz vorgestellt, es handelt sich um ein Umweltzeichen für ökologisches Bauen, das Baustoffe nach Klimaschutz-, Wohngesundheits- und Nachhaltigkeitskriterien auszeichnet. Er stellte die Kriterien vor, die ökologische Baustoffe erfüllen sollten und präsentierte gleichzeitig ein Forschungsprojekt, das die Kriterien für 21 verschiedene Bau-Ökolabels vergleicht und genauer unter die Lupe nimmt. Als Hilfestellung für Beschaffer wies er auf die Ausschreibungshilfen von natureplus hin, die kostenlos auf der natureplus-Seite abrufbar sind.

Nachhaltiges Bauen in der Praxis

Gernot Vallentin, von der Architekturwerkstatt Vallentin präsentierte eine von ihm geplante Kinderkrippe in Markt Schwaben in Passivhausstandard. Die Tagesstätte ist ein Holzbau mit Zellulosedämmung, der beweist, dass Bauen mit Nachwachsenden Rohstoffe auch in Passivhausstandard nicht teurer sein muss, als konventionell erstellte Gebäude. Gleichzeitig zeigte das Beispiel der Kinderkrippe, dass auch Gebäude aus Nachwachsenden Rohstoffen die Möglichkeit bieten, gestalterische Freiräume zu nutzen und ansprechende und zweckmäßige Gebäude entstehen zu lassen.

 Modernes Bauen mit Holz – ein Erfahrungsbericht

Kurt Hillinger, vom Amt für Ländliche Entwicklung in Tirschenreuth berichtete vom Neubau des sog. „ALE“- Amt für ländliche Entwicklung, einem Bau für 150 Mitarbeiter in Holztafelbauweise mit Massivholzdecken und einem Kostendeckel von 8,3 Mio €, der 2013 fertiggestellt wurde. Er zeigte auf, welche Anlaufschwierigkeiten mit dem Bau verbunden waren, v.a. was den sommerlichen Wärmeschutz betraf, untermalte aber gleichzeitig mit Fotos, wie gelungen, hell und einladend die Räumlichkeiten des neuen Amtes gestaltet sind und wies darauf hin, dass das „Wohlfühlklima“ in den Räumen auch anfängliche Skeptiker überzeugt hat. 2014 erzielte der Bau den 1. Preis beim Wettbewerb Holzbau Plus –Bundeswettbewerb Bauen mit Nachwachsenden Rohstoffen des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

 Rechtliche Grundlagen der nachhaltigen Beschaffung

Frau Angelika Höß vom Auftragsberatungszentrum Bayern e.V. erläuterte in ihrem Vortrag die rechtlichen Grundlagen der Nachhaltigen Beschaffung in der Verwaltung sowie Neuerungen die die Reform des Vergaberechts, die seit 18.04.2016 in Kraft ist, mit sich bringt. Anhand vieler Beispiele aus der Praxis zeigte sie auf, wo vergaberechtlich Möglichkeiten bestehen, Nachhaltigkeitskriterien aufzunehmen. Gleichzeitig wies sie aber darauf hin, dass die Reform zwar viele „Kann“-Bestimmungen, aber im Sinne der Nachhaltigkeit keine verpflichtenden oder verbindlichen Regelungen enthält.

 Wichtige Umweltzeichen und ihre Einordnung

Der Gütezeichen-Finder, der auf der Seite des Kompass Nachhaltigkeit zu finden ist, wurde von Max Mangold von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) präsentiert. Dieser stellt für bestimmte Produktgruppen Kriterien zur Umweltfreundlichkeit und sozialen Kriterien zur Auswahl und bietet den Beschaffern relevante Gütezeichen sowie Bezugsadressen für die Produkte an, unter Berücksichtigung der bundesländerspezifischen rechtlichen Grundlagen. Zudem wies er darauf hin, dass die Seite eine umfangreiche Informationsplattform für öffentliche Beschaffer bietet, unter anderem auch Hilfestellungen bei der Leistungsbeschreibung.

 Führung durch das „Nachwachsende Büro“ der FNR und die Ausstellung „Biobasierte Produkte für den Alltag“

Frau Missalla-Steinmann, FNR führte durch das von der FNR konzipierte Büro. Dort sind neben zahlreichen Büromaterialien aus Nachwachsenden Rohstoffen, wie Stehsammlern, Schreibutensilien aber auch einer Computer-Maus aus Biokunststoff auch Holzmöbel zu finden. Auch Dämmstoffe aus Nachwachsenden Rohstoffen sind an den Außenwänden ausgestellt, die die Vielfalt und Einsatzmöglichkeiten nachwachsender Dämmstoffe aufzeigen. Frau Julia Lehmann von C.A.R.M.E.N. e.V. führte durch die biobasierten Produkte des Alltags, die von Reinigungsmitteln und Naturkosmetik über Outdoor-Artikel wie einen mit Schweizer Schafwolle gepolsterten Rucksack-Rücken oder Skistiefel aus Biokunststoff reichen. Sie wies ebenfalls auf die vielfältige Einsatzmöglichkeit Nachwachsender Rohstoffe bei der Herstellung von Lacken, Farben und Dämmmaterialien hin und zeigte anhand einer Autoinnenverkleidung auf, dass Biokunststoffe und Biowerkstoffe mittlerweile häufig auch im Automobilbereich eingesetzt werden.

Umsetzung eines Grundsatzbeschlusses zur Nachhaltigen Beschaffung

Frau Kerstin Lopes de Carvalho, Klimaschutzmanagerin der Stadt München erläuterte anhand von Beispielen aus der Praxis, wie wichtig es ist, trotz politischen Rückhalts durch einen Stadtratsbeschluß, Mitarbeiter in den Beschaffungsprozess einzubeziehen. Dies erhöht ihrer Erfahrung nach die Motivation der Mitarbeiter für den entsprechenden Beschaffungsprozess oder etwaige Änderungen. Dass Beschaffungsprozesse auch für eine Großstadt wie München mit entsprechender Marktmacht manchmal schwierig sind, gleichzeitig aber auch die Möglichkeit bieten, Unternehmen in eine nachhaltigere Entwicklung zu lenken, zeigte Frau Lopes, anhand der Beschaffung von Fairen Bällen im Jahr 2013 auf. Faire Bälle waren zu diesem Zeitpunkt kaum auf dem Markt erhältlich, erst durch die Ausschreibung der Stadt München wurden Unternehmen tätig und ließen Bälle unter den geforderten sozialen Kriterien herstellen.

 Energieeffizienz im Büro

Keywan Pour-Sartip, C.A.R.M.E.N. e.V. gab zahlreiche Tipps, wie man den Büroalltag energiesparender gestalten kann und worauf beim Kauf von Bürogeräten und auch Bürobeleuchtung geachtet werden sollte. Bedarfsgerechte Geräte zu kaufen, hilft, die Anschaffungskosten und Verbrauchskosten im Rahmen zu halten. Zudem wies er auf die wichtigsten Labels hin, die energieeffiziente Geräte kennzeichnen.

 Podiumsdiskussion

In der abschließenden Podiumsdiskussion waren sich die Teilnehmer einig, dass zwar schon einiges im Sinne einer nachhaltigen, ressourcenschonenden und sozialverantwortlichen Beschaffung getan wird, aber noch erhebliches Potenzial für Verbesserungen möglich ist. Nicht zuletzt, weil Informationsbedarf bei den Verantwortlichen besteht. Dieser könnte durch ein breites Angebot an Schulungen, Fortbildungen und Informationsveranstaltungen für Beschaffer gedeckt werden.

 

 


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