Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


65 2019 VorstandWie gelingt die Energie- und Ressourcenwende? Interview mit dem neuen und alten Vorstandsvorsitzenden

Straubing, 26. November 2019 * C.A.R.M.E.N. e.V. ist seit Mitte Oktober unter neuer Leitung. Im Rahmen der Mitgliederversammlung in München wurde ein neuer Vorstand gewählt. MDirig. a.D. Georg Windisch übergab die Rolle des Vorstandsvorsitzenden an MDirig. Rudolf Escheu, Abteilungsleiter der Abteilung „Erneuerbare Energien, Energieeffizienz“ im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie. „Ich freue mich sehr auf diese neue, spannende, aber auch herausfordernde Aufgabe“, so Escheu. „Hier wird engagiert an der Energiewende wie auch an der stofflichen Nutzung Nachwachsender Rohstoffe gearbeitet.

Als stellvertretende Vorsitzende wurden Dr. Friedrich von Hesler von der Novamont GmbH und BBV-Bezirkspräsident Anton Kreitmair wiedergewählt. Weitere Mitglieder im C.A.R.M.E.N.-Vorstand sind MDirig. Hubertus Wörner vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Werner Dehmel von der Bayernwerk Natur GmbH, Georg Stegemann von der Viessmann Deutschland GmbH sowie der Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbandes Josef Ziegler.

C.A.R.M.E.N. e.V. hat bei dem ehemaligen sowie dem aktuellen Vorstandsvorsitzenden nachgefragt, wie die Energie- und Ressourcenwende gelingen kann und welche Rolle das Netzwerk dabei spielt.

 

Ehemaliger Vorstandsvorsitzender MDirig. a.D. Georg Windisch:
„Wir müssen unseren (exorbitanten) Energieverbrauch mittel- und langfristig aus den Ressourcen decken, die wir im nachhaltigen Kreislauf bereitstellen können.“

DSC 4132C.A.R.M.E.N. e.V.: Vier Jahre waren Sie nun C.A.R.M.E.N.-Vorstandsvorsitzender. Wie würden Sie die Zeit zusammenfassen?
MDirig. a.D. Georg Windisch: Es war für mich ehrenvoll und spannend, C.A.R.M.E.N.-Vorstandsvorsitzender zu sein. Das Thema Klimawandel hat in Politik und Gesellschaft ernsthaft Platz eingenommen. Nachwachsende Rohstoffe und Erneuerbare Energien sind zentrale Schlüsselelemente, um den Klimawandel zu bremsen. C.A.R.M.E.N. e.V. kämpft hier an zentraler Stelle. Gerne habe ich mich dabei eingebracht.

C.A.R.M.E.N. e.V.: Gab es persönliche Highlights, an die Sie sich gerne erinnern?
MDirig. a.D. Georg Windisch: Natürlich hat es sehr schöne „Events“ (hochkarätige Fachtagungen, Empfänge und Preisverleihungen mit hochrangiger politischer Beteiligung) gegeben, aber persönliche Highlights waren für mich die immer konstruktiven und am gemeinsamen Ziel „Wie bringen wir C.A.R.M.E.N. e.V. weiter voran“ orientierten Treffen mit der Geschäftsführung und die vielen, oft kleinen, persönlichen Begegnungen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vom C.A.R.M.E.N.-Team. Da habe ich immer Gemeinsamkeit und Sympathie gespürt. Das werde ich nicht vergessen.

C.A.R.M.E.N. e.V.: Welche Projekte und Herausforderungen sehen Sie für die Zukunft von C.A.R.M.E.N. e.V.?
MDirig. a.D. Georg Windisch: Die Gesellschaft muss davon überzeugt werden, dass vor dem Hintergrund des Klimawandels alle Veränderungen an den persönlichen Verhaltensweisen ganz konkret selbst akzeptiert und gelebt werden müssen. Dies wird nicht „von Oben“ her gelingen. Die Überzeugung zur Veränderung muss ganz konkret am Objekt und Projekt vor Ort erfolgen. Da ist C.A.R.M.E.N. e.V. „am Puls“ und leistet mit Beratung und überzeugenden Lösungen unmittelbar Zukunftsarbeit.

C.A.R.M.E.N. e.V.: Was denken Sie? Wie können wir die Energie- und Ressourcenwende erfolgreich meistern?
MDirig. a.D. Georg Windisch: Wir müssen unseren (exorbitanten) Energieverbrauch mittel- und langfristig aus den Ressourcen decken, die wir im nachhaltigen Kreislauf bereitstellen können. Nur dann wird es eine langfristige Zukunft geben.

C.A.R.M.E.N. e.V.: Ein paar abschließende Worte: Was wünschen Sie C.A.R.M.E.N. e.V.?
MDirig. a.D. Georg Windisch: Ich wünsche C.A.R.M.E.N. e.V. weiterhin Erfolg und Schlagkraft und den dafür notwendigen inhaltlichen und menschlichen Zusammenhalt im Team. Und ich wünsche mir, dass Sie dem neuen Vorstandsvorsitzenden die gleiche Unterstützung gewähren, die ich erleben durfte. Dafür nochmals herzlichen Dank an das C.A.R.M.E.N.-Team!

 

Neuer Vorstandsvorsitzender MDirig. Rudolf Escheu:
„Die Energie- und Ressourcenwende greift in alle Lebensbereiche der Menschen ein. Sie gelingt nur, wenn wir sie in die Breite der Bevölkerung bringen.“

C.A.R.M.E.N. e.V.: Herzlichen Glückwunsch zum neuen Amt als Vorstandsvorsitzender! Welche Berührungspunkte hatten Sie bisher mit C.A.R.M.E.N. e.V. und wie würden Sie das Netzwerk und seine Arbeit beschreiben?
MDirig. Rudolf Escheu: Vielen Dank für die Glückwünsche. Ich freue mich sehr auf diese neue, spannende, aber auch herausfordernde Aufgabe. Ich war jetzt fünf Jahre Leiter der Abteilung „Erneuerbare Energien und Energieeffizienz“ im bayerischen Wirtschaftsministerium. Diese Aufgabe brachte intensive Berührungspunkte mit sich, ist C.A.R.M.E.N. e.V. doch einer unserer wichtigsten Partner für die Vermittlung und Umsetzung der Energiewende in den bayerischen Regionen. In dieser Zeit habe ich C.A.R.M.E.N. e.V. als sehr praxisnah, pragmatisch und offen erlebt. Hier wird engagiert an der Energiewende wie auch an der stofflichen Nutzung Nachwachsender Rohstoffe gearbeitet.

C.A.R.M.E.N. e.V.: Ein kurzer Werdegang: Was haben Sie bisher gemacht?
MDirig. Rudolf Escheu: Mein Einstieg im Wirtschaftsministerium liegt ziemlich genau 30 Jahre zurück. Begonnen habe ich im Referat für wirtschaftspolitische Grundsatzfragen, für mich als damals jungen Volkswirt eine sehr spannende Aufgabe – zumal wir damals an wichtiger Stelle die schwierigen ökonomischen Fragen der deutschen Wiedervereinigung begleiten durften. Es folgte eine Tour d’Horizon durch die Landespolitik, von der Verkehrspolitik über Regionalförderung, Redenschreiben für Minister und Staatssekretär, noch einmal Wirtschaftspolitik sowie Personalabteilung bis zur eingangs beschriebenen Energieabteilung.

C.A.R.M.E.N. e.V.: Was denken Sie? Wie können wir die Energie- und Ressourcenwende erfolgreich meistern?
MDirig. Rudolf Escheu: Die Energie- und Ressourcenwende greift in alle Lebensbereiche der Menschen ein. Sie gelingt nur, wenn wir sie in die Breite der Bevölkerung bringen. Nachdem das viel mit dem individuellen Verhalten zu tun hat, kann man Energiewende auch nur bedingt verordnen. Man muss die Menschen überzeugen, sich auf nachhaltiges Wirtschaften ein- oder umzustellen. Ich sehe aber auch, dass wir noch ein gehöriges Maß an technischem Fortschritt benötigen, um eine zunehmend postfossile Energie- und Warenwelt finanzierbar und alltagstauglich zu machen. C.A.R.M.E.N. e.V. leistet bei alldem einen wichtigen Anteil – und das mit großem Geschick.

C.A.R.M.E.N. e.V.: Wie sehen Sie Ihre Gestaltungsmöglichkeiten als neuer Vorstandsvorsitzender bei C.A.R.M.E.N. e.V.?
MDirig. Rudolf Escheu: Zunächst einmal: Es gibt keinen Grund, bei C.A.R.M.E.N. e.V. all das umzukrempeln, was meine Vorgänger gut aufgebaut haben. Allerdings sind die Bioökonomie und die heutige Energiewelt dynamische Bereiche, in denen es auch für C.A.R.M.E.N. e.V. kein Selbstläufer ist, auf der Höhe der Zeit zu bleiben.
Die Bioökonomie soll in Bayern Leitmotiv für die Entwicklung und Umsetzung einer nachhaltigeren, auf Nachwachsenden Rohstoffen basierenden und kreislauforientierten Lebens- und Wirtschaftsweise werden. Dazu wollen wir bei C.A.R.M.E.N. e.V. einen Beitrag leisten. In der weiteren Vernetzung der eher landwirtschaftlich geprägten Erzeugerseite und der Nutzerseite, die sich in vielen anderen Branchen und Unternehmen abspielt, liegt noch ein großes Potenzial. Hier bringe ich gerne die Erfahrung aus meinen bisherigen Aufgabengebieten ein, damit aus Ideen Produkte und aus Produkten Arbeitsplätze im Freistaat werden können. Bei meiner bisherigen Aufgabe gibt es nicht minder Handlungsbedarf. Wenn ich den Anteil der Erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch zur Messlatte nehme, dann ist die Energiewende in Bayern erst zu gut 20 Prozent geschafft.

Herzlichen Dank für das Interview und die gute Zusammenarbeit!

Circa 8.000 Zeichen, Abdruck frei, Belegexemplar erbeten.


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