Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


C.A.R.M.E.N.-Fachgespräch informiert über Optionen für Altanlagen

06 2019

Schweinfurt, 22. Februar 2019 * Am 12. Februar veranstaltete C.A.R.M.E.N. e.V. in Schweinfurt ein Fachgespräch zum Thema Windenergie nach 20 Jahren EEG. Die ausgebuchte Veranstaltung erfolgte in Kooperation mit der Fachagentur Windenergie an Land e.V. sowie mit der Geschäftsstelle Bayern des Bundesverband Windenergie e.V. Insbesondere Projektierer und Betreiber von Windenergieanlagen sowie kommunale Vertreter nutzten die Gelegenheit, um sich über Perspektiven der Windenergienutzung nach Ende der EEG-Vergütung zu informieren und auszutauschen.

Nach Grußworten durch Bettina Bönisch, Fachagentur Windenergie an Land e.V., stellte Dr. Olaf Münster von der Regierung Unterfranken die dortige Situation im Bereich Windenergie vor. Den Blick auf Bayern richtete anschließend Dr. Ariane Lubberger und stellte den Status Quo der Windenergie im flächengrößten Bundesland vor. Demnach seien hier seit 2018 lediglich acht Neuanlagen errichtet worden. Gleichzeitig habe sich die Windenergie aber bundesweit zu einer der günstigsten Energieerzeugungsformen entwickelt.

Die Teilnehmenden erhielten darüber hinaus einen umfassenden Einblick in die rechtlichen, finanziellen, baulichen und technischen Fragestellungen der derzeitigen Post-EEG-Konzepte.

Wolfgang Burmeister, BayWa r.e. Clean Energy Sourcing GmbH, zeigte auf, welche grundsätzlichen Vermarktungsvarianten bestehen. Entscheidet sich der Betreiber für den Weiterbetrieb der Anlagen gelten bestimmte rechtliche Anforderungen. Laut Dr. Bernd Wust, Kapellmann & Partner Rechtsanwälte mbB, sei die immissionsschutzrechtliche Genehmigung in der Regel unbefristet und erlösche nicht automatisch. Jedoch müsse die Standsicherheit mit einem Weiterbetriebsgutachten überprüft werden.

Erlösoptionen für Windenergieanlagen durch Power Purchase Agreements (PPAs), Power-to-X und der Vor-Ort-Nutzung beleuchtete Dr. Bettina Hennig, von Bredow Valentin Herz Partnerschaft von Rechtsanwälten mbB. Die klassische Vermarktung über das Stromnetz, etwa durch Direktvermarkter, sei weiterhin möglich. Mit Hilfe von PPAs könne man eine langfristigere Preisabsicherung schaffen. Auch Volkmar Schäfer von der eta Energieberatung GmbH hält insbesondere PPAs aktuell für eine gute Alternative für die Beschaffung des Stroms. Hennig gab zu bedenken, dass der Anlagenbetreiber bei einer Versorgung Dritter die Rolle eines Energieversorgungsunternehmers einnehme, was ihn vor rechtliche Herausforderungen und Pflichten stelle. Zusätzlich bestünden bisher noch keine Musterverträge und Marktstandards.

Repowering, Stilllegung, Recycling und Rückbau: diese Optionen widmeten sich die letzten beiden Vorträge durch Frank Schindler, Thüringer Energie- und GreenTech Agentur GmbH sowie Bettina Bönisch von der Fachagentur Windenergie an Land e.V.

Laut Schindler mache Repowering Sinn, da eine Neuanlage im Durchschnitt bis zu vier Altanlagen ersetzen könne. Allerdings sei das Repowering derzeit nur eingeschränkt möglich, da viele Altstandorte aufgrund der größeren Höhe der Neuanlagen, die bestehenden Abstandsregelungen nicht einhalten können und eine Verschiebung der Anlagenstandorte aufgrund von Flächenverfügbarkeiten eingeschränkt sei.

Eine optimale Nachnutzungsstrategie gäbe es nach Bönisch nicht, da dafür immer anlagenspezifische Aspekte sowie externe Faktoren berücksichtig werden müssen.

„Der Wind der Wind, das himmlische Kind“… weht ungeachtet jeglicher technischer Nutzung ewig weiter. Betreiber von Windenergieanlagen müssen sich mit Auslaufen der EEG-Förderung zunehmend entscheiden, ob der Weiterbetrieb, Repowering oder die Stilllegung am geeignetsten ist. Unabhängig von der Entscheidung gilt es hierbei technische und rechtliche Vorgaben zu erfüllen, die nicht abschließend geklärt sind. Hier bestehe nach Ansicht der Referentinnen und Referenten noch Nachbesserungsbedarf der politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen.

Circa 3.900 Zeichen, Abdruck frei, Belegexemplar erbeten.


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