Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


20 2018Straubing, 20. April 2017 * Am 17. April 2018 fand unter dem Titel „WEG-Forum – Energetische Sanierung als Gemeinschaftsprojekt“ eine C.A.R.M.E.N. -Veranstaltung im Rahmen des Neumarkter Sanierungstreffs in Kooperation mit der Stadt Neumarkt i.d.OPf. statt. Rund 30 Teilnehmer informierten sich zu den Vorteilen für Mieter und Vermieter durch eine energetische Sanierung von Mehrfamilienhäusern.

Nach einem Grußwort von Dr. Robert Feicht, Regierung der Oberpfalz, erfolgte eine kurze Vorstellung der Neumarkter Klimaschutz-Aktivitäten durch Marion Burkhardt von der Fachstelle für nachhaltiges Bauen und Sanieren der Stadt Neumarkt. Die Stadt hat verschiedene Instrumente z.B. das Förderprogramm Faktor 10 oder die Grüne Hausnummer, zur Steigerung der Sanierungsquote entwickelt. Bisher wurde jedoch noch keine WEG als Effizienzsanierung gefördert; die Stadt würde dies sehr begrüßen. In ihrem Fachvortrag wurde deutlich, dass die Anforderungen aus der EnEV berücksichtigt werden müssen, sobald energetische Maßnahmen an mehr als 10 % der Gebäudehülle umgesetzt werden. Anhand verschiedener Beispiele stellte sie nachhaltige Baumaterialien vor, mit denen sich die geforderten Grenzwerte erreichen lassen. Außerdem sei es sinnvoll, die Maßnahmen langfristig zu planen und anzukündigen, damit die Eigentümer die Investitionen planen können.

Ulrich Jung von der Beratungsstelle Energieeffizienz und Nachhaltigkeit der Bayerischen Architektenkammer stellte verschiedene Arbeitshilfen zu Kommunikation, Organisation und Durchführung von Gemeinschaftsprojekten vor und wies darauf hin, dass durch Transparenz das Vertrauen der Eigentümer gewonnen werden sollte. Wichtig sei auch, dass die Hausverwaltung frühzeitig Fachpersonal in das Sanierungsvorhaben einbindet. Zu Finanzierung und Förderung von Sanierungen referierte Karl Wolf von der Sparkasse Niederbayern-Mitte und erläuterte die zutreffenden Förderprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sowie des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Einen Kredit als Eigentümergemeinschaft zu bekommen, sei rein rechtlich denkbar, jedoch seitens der Sparkassen nicht möglich. In der Praxis sei es gängig, dass jeder Eigentümer einen eigenen Kredit beantragt.

Ralf Specht und Julia Hackl von der Kanzlei FRIES referierten zu mieteigentums- und steuerrechtlichen Aspekten. Vorweg zu klären sei, ob der Sanierungsgegenstand Sonder- und Gemeinschaftseigentum ist, wann die Eigentümerversammlung für die Maßnahme zuständig ist, welche Beschlussmehrheit für die jeweilige Maßnahme erforderlich ist sowie die Finanzierung der Maßnahme. Am Beispiel der Fassadendämmung reiche die einfache Mehrheit zur Beschlussfassung aus, sobald ein Instandsetzungsbedarf festgestellt werden kann.

Welche Vorteile Mieterstromprojekte für Mieter und Vermieter haben, erläuterte Karl Weber von C.A.R.M.E.N. e.V. Da in deutschen Städten 14 % der Bevölkerung wohnen, aber nur 1,4 % der Photovoltaik-Leistung installiert sind, sei Mieterstrom eine gute Möglichkeit damit auch Städte von der Energiewende profitieren können.

In der von Kathrin Memmer von C.A.R.M.E.N. e.V. moderierten Diskussion mit Referenten und Publikum zeigte sich, dass der „Königsweg“, um WEG zu einer energetischen Sanierung zu bewegen, noch nicht gefunden wurde. Viele Projekte scheitern aufgrund unterschiedlicher Interessenlage der Eigentümer. Wünschenswert wäre es, wenn Verwalter eng mit Energieberatern und Mediatoren zusammenarbeiten und den Kosten- und Zeitaufwand einer Sanierung nicht scheuen würden. So könnten die zu 70 % unsanierten WEG-Gebäude künftig einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten und Mieter an der Energiewende beteiligt werden.

Circa 3.600 Zeichen, Abdruck frei, Belegexemplar erbeten.

BU: (Referenten v.l.) Ralf Specht und Julia Hackl (beide FRIES Rechtsanwälte Partnerschaft mbB, Nürnberg); Ulrich Jung, Beratungsstelle Energieeffizienz und Nachhaltigkeit, München; Marion Burkhardt, Fachstelle nachhaltiges Bauen und Sanieren, Stadt Neumarkt i.d. OPf.; Karl Weber und Kathrin Memmer (beide C.A.R.M.E.N. e.V.) sowie Karl Wolf, Sparkasse Niederbayern Mitte, Dingolfing


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