Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


4 2018Straubing, 25. Januar 2018 * Mit der Fachtagung „Stroh, Gras – Biogas" informierte die ProFair GmbH zusammen mit C.A.R.M.E.N. e.V. am Mittwoch, den 24. Januar 2018, über den möglichen Einsatz von Stroh und faserigen Stoffen in Biogasanlagen. Über 100 Teilnehmer diskutierten in der Stadthalle in Dingolfing über das Potenzial von Stroh und die damit verbundenen Chancen und Risiken für die Biogasproduktion.

Moderator Robert Wagner von C.A.R.M.E.N. e.V. begrüßte die Teilnehmer und führte durch das Programm. Im ersten Fachvortrag präsentierte Cord-Christian Gaus von der TUM School of Management die Ergebnisse einer umfangreichen Befragung zum Thema verfügbares Strohpotenzial. So konnte Gaus berichten, dass ab einem Preisniveau von 100 Euro pro Tonne ein überwiegender Teil der Landwirte dazu bereit sei, Stroh zu verkaufen. Jedoch sinke die Bereitschaft bei strikten Vertragskonditionen oder geringerem Preis. Laut Gaus seien zudem soziale, betriebliche und pflanzenbauliche Faktoren ausschlaggebend für einen Kaufvertrag. Dr. Gerd Reinhold von der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft betrachtete die Thematik aus Sicht der Bodenfruchtbarkeit. Dazu verglich Reinhold die Biogasanlage als Betonkuh mit einer Milchkuh. Insbesondere die Bodeneigenschaften und -bewirtschaftung sowie die Standortfaktoren haben Einfluss auf die Humusreproduktion sowie die Bodenfruchtbarkeit. Daher legte er den Betreibern nahe, die betriebsspezifischen Humusbilanzen als Entscheidungshilfen zu sehen.

Falko Stockmann von C.A.R.M.E.N. e.V. behandelte in seinem Überblicksvortrag die verschiedenen Vorbehandlungs- und Aufschlussverfahren. Stroh bestehe zu größeren Anteilen aus enzymatisch schwer abbaubarer Lignocellulose und stelle damit den Betreiber vor verfahrenstechnische Herausforderungen. Eine Lösung dafür sei, die Faser aufzubrechen, was durch eine Vorbehandlung des Substrats möglich ist. Dies könne chemisch, mechanisch oder biologisch umgesetzt werden. Zielführend sei hier eine Kombination aus mehreren Verfahren, welche individuell auf den Betrieb ausgerichtet werden müssten.

Durch die Nutzung von Spreu könnte sich das nachhaltig nutzbare Potenzial von Stroh verdoppeln, betonte Dr. Johann Rumpler von der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt in seinem Vortrag. Durch das von ihm vorgestellte Kompakternteverfahren und eine spezifische Aufbereitung könnten darüber hinaus neue Wertschöpfungsmöglichkeiten entstehen, so Rumpler. Auf die Herausforderungen bei der Maisstrohvergärung ging Theresa Burger von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising ein. Burger präsentierte Ergebnisse von Versuchen entlang der Prozesskette. Pflanzenbaulich und ökonomisch biete das Maisstroh Vorteile. So könne beispielsweise der Substratmix erweitert werden. Allerdings seien die Planung und auch Kostenaspekte nicht zu vernachlässigen. Dr. Walter Stinner vom Deutschen Biomasseforschungszentrum untersuchte die Wirtschaftlichkeit von Stroh als Biogassubstrat. Diese könne grundsätzlich gegeben sein, allerdings nur bei einer effizienten Prozesskette und bei einer regionalen Verwertung des Strohs.

Im Anschluss nahmen Firmen wie Lehmann - UMT GmbH, Geisberger Gesellschaft für Energieoptimierung mbH, Snow Leopard Projects GmbH und MWK Bionik GmbH Stellung zu den Herausforderungen und Chancen der Strohvergärung und präsentierten chemische, biologische und mechanische Lösungsansätze, die in den Anlagenbetrieb integriert werden können.

Praxisberichte von vier Betreibern aus ganz Deutschland und Österreich, welche Stroh bereits als Substrat einsetzen und ihren Anlagenbetrieb entsprechend angepasst haben, rundeten das Programm ab. Neben den Vorträgen konnten sich die Teilnehmer an Informationsständen der anwesenden Unternehmen beraten lassen.

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