Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


69 2017Straubing, 26. Oktober 2017 * Am Mittwoch, den 25. Oktober 2017, veranstaltete C.A.R.M.E.N. e.V. das Fachgespräch „Hof-Biogasanlagen im ökologischen Landbau" im Kloster Plankstetten mit anschließender Besichtigung der Hof-Biogasanlage des Klosterguts. Mehr als 90 Teilnehmer interessierten sich für die Integration einer Biogasanlage in den Wirtschaftskreislauf eines Biobetriebes.

 

Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Fachverband Biogas e.V., dem Bayerischen Bauernverband, der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft – Institut für Ernährungswirtschaft und Märkte, dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Neumarkt i.d.OPf. sowie dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ingolstadt statt.

Nach Grußworten von C.A.R.M.E.N. e.V., den Kooperationspartnern sowie Dr. Robert Feicht von der Regierung der Oberpfalz führte Edgar Geitner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Neumarkt i.d.OPf. als Moderator durch den Vortragsteil. Zunächst informierten Ulrich Kilburg und Melanie Glötzl, beide C.A.R.M.E.N. e.V., über grundsätzliche Rahmenbedingungen, die beim Betrieb einer Hof-Biogasanlage im ökologischen Landbau zu beachten sind. Kilburg ging unter anderem auf die wichtigsten Punkte des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ein und betonte insbesondere die neu eingeführten Meldepflichten beim Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur. Glötzl erläuterte anhand von Beispielrechnungen die Wirtschaftlichkeit von Hof-Biogasanlagen. Zu beachten sei, dass auch bei kleineren Anlagen umfangreiche Prüfpflichten bestünden und dem Betreiber der Arbeitszeitbedarf bewusst sein müsse. Sie kam zu dem Ergebnis, dass reine Gülleanlagen sowie Anlagen mit Festmist wirtschaftlich sein können. Anlagenkonzepte, die Gülle und Nachwachsende Rohstoffe einsetzen, seien jedoch schwer wirtschaftlich umsetzbar.

Prof. Dr. Kurt-Jürgen Hülsbergen analysierte die Nährstoffversorgung sowie die Stoffströme bei Hof-Biogasanlagen. Der Gärrest von Biogasanlagen wirke sich positiv auf den Humus sowie auf die chemischen, biologischen und physikalischen Bodeneigenschaften aus. Zudem habe der Gärrest eine direkte und langfristige Düngewirkung. Da Biogassysteme die Erträge im ökologischen Landbau signifikant steigerten, seien Synergieeffekte und keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelerzeugung zu erwarten, so Hülsbergen.

Vertreter von Naturland e.V., Bioland e.V. sowie des Bayerischen Bauernverbands stellten die Sicht der Verbände dar. Neben den Vor- und Nachteilen von Biogasanlagen im ökologischen Landbau erläuterten sie die Richtlinien für den Betrieb von Biogasanlagen und den Zukauf von Biogassubstrat.

Eine Betriebswirtschaftliche Bewertung nahm Dr. Benjamin Blumenstein von der Universität Kassel vor. Bei ökologischen Biogasanlagen sei durch einen vielfältigen Substratmix und niedrige Biogasausbeuten oft eine geringere Auslastung möglich. Als Herausforderungen nannte Blumenstein hohe Kapital- und Rohstoffkosten sowie eine geringere Verfügbarkeit ökologischer Substrate. Positiv sei jedoch die Nutzung kostengünstiger Reststoffe, wodurch keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion entstehe. Außerdem könne eine Biogasanlage die Produktivität im ökologischen Landbau erhöhen.

Abschließend berichtete Josef Schmidt vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ingolstadt von seinen Erfahrungen aus der Praxis. Schmidt war an der Planung der Hof-Biogasanlage des Klosterguts Plankstetten maßgeblich beteiligt und ist für den laufenden Betrieb zuständig. Im Anschluss folgte die Besichtigung der Anlage, welche 2016 in Betrieb ging. Die Teilnehmer nutzten auch diese Gelegenheit für zahlreiche Fragen.

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