Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


67 2017Straubing, 20. Oktober 2017 * Am Freitag, den 13. Oktober 2017, veranstaltete C.A.R.M.E.N. e.V. in Kooperation mit dem Sachverständigenrat Bioökonomie Bayern das Fachgespräch „Pflanzen hoher Wertschöpfung – Potentiale für die bayerische Bioökonomie". 70 Teilnehmer aus den verschiedenen Bereichen entlang der Wertschöpfungskette versammelten sich in den Räumlichkeiten des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in München, um dieses Thema genauer zu betrachten.

In der heutigen Zeit, in der auf einem Hektar Acker mit konventionellen, etablierten Kulturen lediglich eine Wertschöpfung von 1.000, vielleicht 2.000 Euro zu erreichen sei, bilden Heil- und Gewürzpflanzen eine willkommene Alternative. Prof. Dr. Werner Kunz von der Universität Regensburg entwickelte aus diesem Grund zusammen mit Dr. Wolfram Müller von der Zielpuls GmbH und Dr. Heidi Heuberger von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft ein Tool namens „Plantaro". Das Programm biete die Möglichkeit Chancen und Risiken entlang der Wertschöpfungskette, von der Pflanze bis zum Endprodukt, abzuschätzen und unterstütze dadurch die Landwirte bei ihrem Entscheidungsprozess.

Norbert Fuchs von der Vis Vitalis GmbH aus Österreich stellte heraus, dass bei unseren Essgewohnheiten wichtige Mikronährstoffe auf der Strecke bleiben. In unverarbeiteten Grundnahrungsmitteln wie Kartoffeln, Vollmilch, Tomaten, Äpfel oder Vollkornbrot stecken sehr viel mehr Spurenelemente, als im sogenannten Convenience Food. Es sei ein Trugschluss, dass unsere Ernährung heute so ausgewogen ist, wie nie zuvor.

Wohlriechend wurde es beim Beitrag von Dr. Andreas Storp vom ortsansässigen Parfumhersteller Drom Fragrances. Das Unternehmen verwende größtenteils natürliche statt synthetische Rohstoffe für seine Duftkreationen. Wie wertvoll Naturextrakte für Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetika sind, berichtete Dr. Dieter Gerard von der Flavex GmbH. Sehr innovativ sei die Methode Sanddorn, Ringelblumen oder auch Roten Sonnenhut mithilfe von überkritischem CO2 zu extrahieren. „Auch wenn heimische Rohstoffe zum Teil doppelt so teuer sind, können sie durch ihre hohe Qualität unterm Strich doch zu einem günstigeren Produktpreis führen."

Richard Bachl vom Verein zur Förderung des Heil- und Gewürzpflanzenanbaus in Bayern e.V. schilderte die Sicht eines Landwirts. In dem Zusammenschluss der Gäubodenkräuter GmbH & Co. KG haben sich mehrere Landwirte dem Anbau und der Trocknung von Arznei- und Gewürzpflanzen verschrieben. „Nischenkulturen dürfen nicht hinten angestellt werden", so Bachl. Vor allem die Technik und die Unkrautbekämpfung werden bei einer „kleinen Zukunftskultur" oftmals vernachlässigt.

„Je einzigartiger eine Pflanze ist, desto größer ihr Wertschöpfungspotential." Dies zeigte der Referent Dr. Fred Eickmeyer, Züchter und Inhaber der ESKUSA GmbH auf. Zusammen mit Continental entwickelte Dr. Eickmeyer einen Autoreifen aus Löwenzahnwurzeln. Um Züchter bei ihrer Aufgabe zu unterstützen, analysieren Unternehmen wie die Numares AG aus Regensburg, vertreten durch Dr. Roland Beyer, die wertgebenden Inhaltsstoffe.

In der abschließenden Podiumsdiskussion waren sich die Beteiligten einig, egal ob Anbauer, Verarbeiter oder Forscher: Alle müssen an einem Strang ziehen und zusammenarbeiten, für den Erfolg der bayerischen Bioökonomie.

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