Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


66 2017Straubing, 19. Oktober 2017 * Am Mittwoch, den 18. Oktober 2017, veranstaltete KWK kommt UG in Kooperation mit C.A.R.M.E.N. e.V. und weiteren Partnern den Infotag „Biogas – für die Zukunft gerüstet" im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe in Straubing. Im Zentrum der Veranstaltung standen mögliche Strategien für Biogasanlagenbetreiber, um in Zukunft auf dem Energiemarkt zu bestehen.

Nach Grußworten durch den Veranstalter Adi Golbach von KWK kommt UG und Melanie Glötzl von C.A.R.M.E.N. e.V. analysierte Markus Bäuml vom Fachverband Biogas e.V. die Ergebnisse der diesjährigen Ausschreibungsrunde für Biomasse aus Sicht des Fachverbandes. Eine Schulung der Betreiber im Vorfeld der Ausschreibung sei besonders wichtig, da sich zeigte, dass einige abgegebene Gebote aufgrund von Formfehlern keinen Zuschlag erhielten. Bäuml verwies auch auf weitere Zukunftschancen für Anlagenbetreiber. So könne Biomethan als Kraftstoff eine mögliche Alternative oder eine Ergänzung zur Flexibilisierung darstellen.

Bei einer Flexibilisierung kann durch die Erhöhung der installierten elektrischen Leistung Strom bedarfsgerecht erzeugt werden. Uwe Welteke-Fabricius vom FL(EX)PERTEN-Netzwerk informierte die Teilnehmer über dieses Thema. Im Vorfeld seien grundlegende Fragen zu klären: Wird der Betrieb 20 Jahre nach der ersten Vergütungsperiode des EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) weiterbetrieben? Welche reellen Chancen hat die Anlage im Ausschreibungsverfahren? Welche Modernisierungsmaßnahmen sind nötig? So sei zunächst zu prüfen, ob eine Flexibilisierung in den eigenen Anlagenbetrieb passt. Das ideale Ergebnis sei, dass nach einer Flexibilisierung der Stromvermarkter die Anlage nach dem Strommarkt optimiert steuert, so Welteke-Fabricius.

Im Rahmen des Infotages präsentierten sich zahlreiche Akteure der Biogasbranche und beantworteten die interessierten Fragen der Teilnehmer. So informierten Direktvermarkter, Netzbetreiber, Hersteller von Blockheizkraftwerken sowie Gasspeicher- und Wärmespeicheranbieter über die Anforderungen, welche mit der Flexibilisierung einer Biogasanlage einhergehen.

Berichte aus der Praxis rundeten den Infotag ab. Thomas Hartmann von der renergie Allgäu e.V. sprach über die Anforderungen an einen Wärmespeicher. Für die Minimierung der Wärmeverluste in einem Wärmenetz gebe es mehrere Punkte, wie zum Beispiel dezentrale Pufferspeicher, eine Sommerabsenkung oder eine Satellitenanordnung.

Der Anlagenbetreiber Klaus Hölzl stellte seinen Betrieb 2016 auf eine flexible Fahrweise um und teilte seine Erfahrungen mit den Teilnehmern. Hölzl entschied sich aufgrund einer besseren Wirtschaftlichkeit für eine dreifache Überbauung der Anlagenleistung auf 1700 kW. Insgesamt habe die Planung zwei Jahre und die Bauzeit sechs Monate in Anspruch genommen. Hölzl betonte, wie wichtig es sei, im Vorfeld mit dem zuständigen Landratsamt zu klären, welche Genehmigungen notwendig sind.

Adam Bürger von b.r.e. balance in renewable energies teilte als Planer der flexiblen Biogasanlage Hölzl ebenfalls seine Erfahrungen mit den anwesenden Betreibern. Am Anfang eines solchen Projektes müssen ein neutrales Beratungsgespräch, eine Vor-Ort-Begehung der Anlage und eine Sichtung aller vorliegenden Dokumente und Genehmigungen stehen. Anschließend folge die Erstellung einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung. Erst dann könne die Umsetzung einer Flexibilisierung beginnen.

Die Teilnehmer der Veranstaltung nutzten die Diskussionsrunden zwischen den Fachvorträgen sowie die Pausen für einen intensiven Austausch mit den anwesenden Experten.

Circa 3.500 Zeichen, Abdruck frei, Belegexemplar erbeten.