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17 2017Straubing, 27. Februar 2017 * Die Regionalgruppe Niederbayern des Fachverbands Biogas e.V. lud am Donnerstag, den 23. Februar 2017 zum 35. Biogaspraxistag nach Tittling ein. Neben Neuwahlen der Regionalgruppen- und Betreiberbeiratssprecher informierten Experten über das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) 2017 und was bei der Flexibilisierung von Biogasanlagen zu beachten ist.

Die Mitglieder des Fachverbands Biogas e.V. bestätigten in einer Wahl zu Beginn des Biogaspraxistages den bisherigen Regionalgruppensprecher Franz Winkler sowie seinen Stellvertreter Robert Wagner. Auch der Betreiberbeiratssprecher Sebastian Altmann und sein Stellvertreter Johann Busl wurden erneut in ihre Ämter gewählt.

In einem Vortrag über das aktuelle EEG und das kommende Ausschreibungsverfahren erläuterte Robert Wagner von C.A.R.M.E.N. e.V., welche Aspekte für Betreiber zukünftig zu beachten sind. Für das Jahr 2017 gebe es ein Ausschreibungsvolumen von 150 Megawatt, so Wagner. Laut EEG 2017 müssen Neuanlagen ab 150 Kilowatt (kW) bei den Ausschreibungen teilnehmen. Des Weiteren können Bestandsanlagen maximal acht Jahre vor Vergütungsende mitbieten, wenn sie bestimmte Mindestvoraussetzungen erfüllen. Nach einem Zuschlag im Ausschreibungsverfahren erhalte die Anlage für weitere zehn Jahre eine Vergütung. Die Jahresbemessungsleistung der Anlage darf dann maximal 50 Prozent der gebotenen installierten elektrischen Leistung betragen. Eine weitere Voraussetzung an den Betrieb stelle der Maisdeckel dar. Dieser beschränke die Masse von Mais-Ganzpflanzen, Maiskorn, CCM, LKS, Getreidekorn oder Körnermais auf 50 Prozent des gesamten Substrats. Dieser Anteil solle in den nächsten Jahren sogar noch weiter sinken. Jedoch sei es schwierig, auf 100 Prozent Substratversorgung aufzufüllen. Denn Alternativen wie Rüben, Wirtschaftsdünger, Wildpflanzen oder ähnliches haben Auswirkungen auf die Fruchtfolge, die Anlagentechnik oder den Flächenbedarf. Im Rahmen des EEG 2017 sei eine weitere Voraussetzung für das Ausschreibungsverfahren, dass das Substrat 150 Tage im hydraulischen System verweile. Anlagen, welche zwischen 2000 und 2002 in Betrieb gingen, sollen sich intensiv auf die Flexibilisierung vorbereiten, riet Wagner den Anwesenden. Biogasanlagen, welche später gebaut wurden, sollen die Ausschreibung beobachten und Änderungen an der Anlage von der Wirtschaftlichkeit abhängig machen.

Auf den Prozess der Flexibilisierung und die damit verbundenen betrieblichen Entscheidungen ging Christian Dorfner von der SK-Verbundenergie AG ein. Mit dem EEG 2017 sei der Grundstein für eine bedarfsorientierte Stromerzeugung gelegt worden. Im Rahmen der Flexibilisierung sei als erstes der Netzzugang zu klären, betonte Dorfner. Außerdem sei zu prüfen, welche Genehmigungen benötigt werden und welche baulichen Änderungen anfallen, wie beispielsweise ein Gärrestlager. Den großen Vorteil der Flexibilisierung sehe Dorfner darin, dass die Anlage die Höchstbemessungsleitung auch ausfahren könne. „Eine flexible Biogasanlage macht alles, was man für die Energiewende braucht“, betonte Dorfner. Denn auf dem Strommarkt werden flexible Stromerzeuger dringend gesucht.

Martin Seidl präsentierte als Poolsprecher Bayern Nord-Ost eine Checkliste für die Flexibilisierung. Der Betreiber investierte bereits in eine flexible Anlage und entwickelte zusammen mit dem Pool, bestehend aus Biogasanlagenbetreibern, eine Liste mit Tipps für die Umsetzung der Flexibilisierung. Seidl ging auf den zeitlichen Ablauf ein. So müsse zuerst die Finanzierung und die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens geklärt werden. Dem folgen die Prüfung der Netzverträglichkeit und ein Vorgespräch mit der Genehmigungsbehörde. Parallel dazu verlaufe die technische Feinplanung ab. Seidl erinnerte daran, nach Erhalt einer Genehmigung, der Umsetzung der baulichen Maßnahmen und der Inbetriebnahme des neuen BHKW, die Änderungen sofort bei der Bundesnetzagentur zu melden. Anschließend müsse ein Umweltgutachten erstellt werden, dem das Beantragen der Flexprämie folge. Wichtig sei, so Seidl, eine Strategie für den Gesamtbetrieb zu entwickeln, welche auf die individuellen Ziele zugeschnitten sei.

Im Anschluss an die Vorträge wurde eine flexible Biogasanlage besucht. Gerhard Bauer betrieb die Anlage mit einer Leistung von 150 kW ab 2008. Im Jahr 2014 beantragte er die Flexprämie und erhöhte seitdem die Leistung auf 420 kW. Die Teilnehmer stellten Bauer interessiert Fragen rund um die Flexibilisierung. „Biogas geht auch, wenn Wind und Sonne nicht vorhanden sind. Mit Biogasanlagen tun wir Gutes“, beendete Bauer die Besichtigung der Anlage.

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Bild: v.l. Johann Busl, Sebastian Altmann, Franz Winkler, Robert Wagner, Markus Bäuml