Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


Information zum Dämmen und Führung durch die SAZ-Ausstellung „Von der Pflanze zur Nutzung“

IMG 20170126 193133Straubing, 01. Februar 2017 * Am Donnerstag, den 26. Januar 2017, fand ab 19.00 Uhr im Schulungs- und Ausstellungszentrum (SAZ) des Kompetenzzentrums für Nachwachsende Rohstoffe (KoNaRo) in Straubing der Informationsabend „Dämmen mit Nachwachsenden Rohstoffen – Klima schützen, Kosten sparen“ statt. Herr Franz Reiner, Inhaber des Naturbau-Fachmarkts Straubing-Bogen, informierte die rund 30 Teilnehmer über das Dämmen mit Nachwachsenden Rohstoffen und stellte auch sein aktuelles Bauprojekt vor. Eine Führung von Frau Julia Lehmann von C.A.R.M.E.N. e.V. durch die Ausstellung "Nachwachsende Rohstoffe - von der Pflanze zur Nutzung" mit dem Fokus auf der stofflichen Nutzung schloss den Abend ab.

 

Das Thema weise stark in die Zukunft, erklärte Herr Alexander Schulze, der als Geschäftsführer des Netzwerks Forst und Holz die Teilnehmer begrüßte. Man brauche aber auch Menschen, die das Thema mit voller Überzeugung nach vorne bringen. Herr Carl Dischler, Geschäftsführer des Ökona Fördervereins e.V., setze in seinem regionalen ÖKONA-Magazin das Thema natürliches Bauen und Wohnen bereits mehrfach in den Mittelpunkt.

Als Baubiologe IBN (Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit) mit über 30 Jahren Erfahrung mit dem natürlichen Bauen habe sich Herr Franz Reiner der ganzheitlichen Betrachtung des Bauobjektes verschrieben. In seinem Vortrag erklärte er, dass er aus baubiologischer, bauökologischer aber auch bauökonomischer Sicht in ganzer Linie auf natürliche Bau- und Dämmstoffe setze. Schon bei der Erstellung eines Gebäudes beeinflusse man durch die Wahl der eingesetzten Baustoffe das spätere Raumklima. Im Fokus stehen da natürlich ganz die bauphysikalischen und technischen Eigenschaften, wie z. B. die Wärmeleitfähigkeit der Baustoffe. Die Energie-Einspar-Verordnung erlaubt nur den Vergleich der statischen Wärmeleitzahl, womit die Naturdämmstoffe gegenüber den konventionellen Dämmstoffen rechnerisch schlechter gestellt sind. In der Praxis sind aber die dynamischen Parameter der Wärmeleiteigenschaften viel wichtiger; und da schneiden die Naturdämmstoffe meist besser ab. Neben dem Dämmwert müsse aber auch der Primärenergieeinsatz, also die Energie, die zur Herstellung des Dämmstoffs aufgebracht wird, in die Entscheidung miteinfließen, so Reiner. Man könne auch die Naturdämmstoffe in unterschiedliche Kategorien einteilen. Aus Klimaschutzgründen seien vor allem die Dämmstoffe zu empfehlen, die in der Herstellung nur mechanisch bearbeitet worden sind. Potentiellen Bauherren empfiehlt Reiner, die Volldeklaration der Inhaltsstoffe zu fordern, um schädliche Stoffe zu umgehen.

Auf dem Markt stehen die vielfältigsten Naturdämmstoffe zur Verfügung. In der Dämmung von Hohlräumen habe sich das Einblasverfahren mit Zellulose etabliert. Mit Kalfaterbändern aus Hanf werden Fugen und Ritzen abgedichtet, sodass man hier auf künstliche Schäume verzichten könne. Aus baurechtlicher Sicht, sei der Einsatz von Naturdämmstoffen unproblematisch, bestätigte Reiner. Bauen mit Nachwachsenden Rohstoffen sei heutzutage kein Luxus, man müsse bei der Planung allerdings Prioritäten setzen. Leider friste heute die Baubiologie nach wie vor ein Schattendasein im Zusammenspiel mit Bautechnik und Baukultur, kritisierte Reiner. Natürliche Baustoffe böten heute zwei große Vorteile: eine sichere Konstruktion leiste eine nachhaltige Werthaltigkeit und eine gute Dämmung sichere geringe Unterhaltskosten.

DSC 9996Reiners aktuelles Bauprojekt auf dem Fachmarktgelände in Straubing-Bogen, zeigt eine perfekte Harmonie von Baubiologie, Bauökologie und Bauökonomie. Es handelt sich um einen mit loser Hanffaser gedämmten Holzbau, der auf einem Punkt-Streifenfundament steht. Die Errichtung des eingeschossigen Gebäude mit zwei Wohneinheiten fand komplett auf der Baustelle statt. Das Gebäude ist mit einer natürlichen Luftdichtung versehen, d.h. es wurde komplett auf künstliche Folien verzichtet, sondern stattdessen mit Hanffilz und Schlämmleim gearbeitet. Das Haus bekommt einen Außenwandkalkputz, versehen mit einer Lärchenholzschalung. Den aktuellen Baufortschritt können Sie auf seinem auf seinem Blog unter http://reiner-naturbau.blogspot.de/ oder direkt auf der Baustelle in Bogen erleben.

Im Anschluss an den Vortrag vermittelte Frau Julia Lehmann von C.A.R.M.E.N. e.V. in einer Führung durch die neu gestaltete SAZ-Ausstellung „Nachwachsende Rohstoffe -von der Pflanze zur Nutzung“ allgemeine Informationen zur stofflichen Nutzung Nachwachsender Rohstoffe. Dabei wurden die verschiedensten biobasierten Produkte - vom T-Shirt aus Holz, dem Skischuh aus Biokunststoff bis hin zur Autotür aus Pflanzenfasern – vorgestellt. Hier konnten die Teilnehmer auch die Naturdämmstoffe hautnah erleben und weitergehende Fragen diskutieren.

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