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08 2017Straubing, 26. Januar 20174 * Mit einer Biogasfachtagung zum Thema Stroh und Gras in Biogasanlagen informierte die ProFair Consult+Project GmbH in Kooperation mit C.A.R.M.E.N. e.V. am 25. Januar 2017 in Dingolfing über innovative Verfahren zur Nutzung von Ernteresten. Experten aus Forschung und Praxis beschäftigten sich mit der Frage, wie geeignet Stroh als Ersatz für andere Substrate ist.

Mit einleitenden Worten fasste Robert Wagner von C.A.R.M.E.N. e.V. das Potenzial, welches in Ernteresten steckt, zusammen. Wegen geringer Kosten und dem mit der Anschlussvergütung verbundenen Maisdeckel seien Betreiber an der Nutzung von Stroh interessiert. Harm Grobrügge von der European Biogas Association betonte, dass Stroh als Einstreu, zur Düngung oder als Baustoff vielseitig einsetzbar sei, aber nur als Substrat einer Biogasanlage alle positiven Aspekte vereine.

Falko Stockmann von C.A.R.M.E.N. e.V. erläuterte, welche Prozesskette bei der Biogaserzeugung aus Stroh ablaufen kann und welche Änderungen bestehender Biogasprozesse gegebenenfalls notwendig sind. Beim Anbau könne demnach die Züchtung von Pflanzen mit weniger Lignin den Prozess erleichtern. Auch die Ernte müsse sich der Nutzung anpassen, indem währenddessen die Pflanze zerkleinert oder ein früherer Zeitpunkt gewählt werde. Da Stroh als Substrat sehr trocken sei, könne bei der Lagerung ein Mix mit feuchten Substraten oder Pilz- und Bakterienkulturen die Zersetzung ankurbeln. Im Fermenter sei es möglich, durch eine längere Verweilzeit Stroh gut zu vergären. Denn Stroh benötige mehr Zeit, um umgesetzt zu werden. In der Praxis sei eine Kombination aus mehreren Verfahren, unter Einbezug der Wirtschaftlichkeit und der Energieeffizienz, ideal.

Wie wirtschaftlich der Einsatz von Stroh als Substrat in Biogasanlagen ist, veranschaulichte Katharina Danner von der Snow Leopard Projects GmbH. „Stroh ist günstig, verfügbar und ein Nebenprodukt“, fasste sie die Vorteile zusammen. Der Einsatz von Stroh könne wirtschaftliche Vorteile bieten, allerdings sei dies individuell zu betrachten und von den Kosten des bisherigen Substrats sowie den Anlagebedingungen abhängig zu machen. „Stroh in Biogasanlagen erhöht die Bodenfruchtbarkeit“, betonte Walter Danner, ebenfalls von Snow Leopard Projects. Denn im Gegensatz zu unbehandeltem Stroh, könne man mit Gärrest die Nährstoffe für Pflanzen verfügbarer ausbringen.

Monika Fleschhut von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) präsentierte den Tagungsteilnehmern Ergebnisse eines Forschungsprojekts, welches das praktisch verfügbare Potenzial von Maisstroh als Substrat in Biogasanlagen hinterfragt hat. Demnach zeigte sich bei der Vergärung des Nebenprodukts Maisstroh ein Methanhektarertrag von 45 bis 50 Prozent des Silomaises. Rainer Kissel stellte ein weiteres Forschungsprojekt der LfL vor. Die Vergärung bei einem hohen Grasanteil sei demnach zwar sehr anspruchsvoll, aber grundsätzlich machbar.

Im Rahmen der Fachtagung stellten unterschiedliche Unternehmen Erntetechniken, Siliermittel, Zerkleinerungs- und Rühranlagen vor, welche für die Nutzung von Stroh als Biogassubstrat hilfreich sind. Mit dem Einsatz von Stroh bzw. Maisstroh könne eine Verbesserung der Humusbilanz und eine Verminderung der Probleme bei der nachträglichen Bodenbehandlung erreicht werden. Beim Anbau und der Ernte von Maisstroh sei jedoch auf die Sorte, ein ebenes Saatbett und die Vermeidung von Spuren zu achten, so Dietrich Baye von der Carl Geringhoff Vertriebsgesellschaft.

Im Anschluss an die Fachvorträge konnten sich die Teilnehmer über die Nutzung von Ernteresten in Biogasanlagen im Rahmen von Workshops austauschen.

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