Holz ist der bedeutendste, nachwachsende Rohstoff, den es im Landkreis Straubing-Bogen gibt. Holz produziert sich durch Wachsen der Waldbäume in den gut 31.000 ha Waldflächen des Landkreises Straubing-Bogen quasi von selbst. Neben der Verwendung von Holz als Bau und Werkstoff hat in den letzten zwei bis drei Jahren Holz als nachwachsender Energieträger in Form von Scheitholz, Hackschnitzeln oder Holzpellets zunehmend an Bedeutung gewonnen. Mit der ganzen Diskussion einer ökologischen und nachhaltigen Energienutzung und –versorgung wird diese Bedeutung in nächster Zukunft weiter deutlich zunehmen.

Die Wälder bei uns im Landkreis sind mit 93 % weit überwiegend in privater Hand. Ungefähr 11.000 Waldbesitzerinnen und -besitzer im Landkreis und in der Stadt Straubing bewirtschaften ihre oftmals klein strukturierten Privatwälder überwiegend naturnah und konsequent nachhaltig. Wer in den letzten Monaten versucht hat, für seinen Schwedenofen noch getrocknetes Brennholz bei den Waldbesitzern zu erwerben, ist oftmals enttäuscht worden, denn viele Brennholz-Anbieter meldeten „ausverkauft". Die Angst, dass uns hier im Landkreis Straubing-Bogen das Holz ausgeht, ist jedoch unbegründet. Denn das Brennholz-Potential ist hoch und noch längst nicht ausgeschöpft.
Wie der zuständige Bereichsleiter Forsten, Forstdirektor Klaus Stögbauer, versicherte, sind die Holzvorräte in Bayern und im Landkreis so hoch wie noch nie. Leider gibt es für den Landkreis keine verlässlich abgesicherten, aktuellen Zahlen. Dennoch kann davon ausgegangen werden, dass jährlich ca. 300.000 fm Holz in den Wäldern nachhaltig und wirtschaftlich nutzbar heranwachsen, von denen natürlicherweise der überwiegende Teil als Bau- oder Schnittholz wirtschaftlich optimal vermarktet wird. Ein weiterer Teil geht in den Eigenverbrauch der einzelnen Waldbesitzer und kommt somit gar nicht auf den Holz- oder Brennholzmarkt. Der Rest des Zuwachses wird entweder aus verschiedensten Gründen gar nicht genutzt bzw. muss mit dem sogenannten Schleifholz zur Herstellung von Papier konkurrieren.

Auch innerhalb des Energieholzes gibt es Konkurrenzverteilungen. So bevorzugt der klassische Brennholz-Selbstwerber Scheitholz als übliche Bereitstellungsform von Brennholz. Überwiegend wird dies aus geringwertigen Holzsortimenten hergestellt, die sonst eher schwierig zu vermarkten wären. Das andere Energieholz-Potential, was auch in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen ist, ist die Verwendung von Holz als Hackschnitzel. Dies wird überwiegend von größeren Abnehmern, wie Schulen oder sozialen Einrichtungen in Zentralheizungen oder Kraft(Heiz)-Werken zur Energieverwendung eingesetzt. Dies sind maschinell zerkleinerte Holzstückchen, die mit einem Holzhacker zerkleinert werden. Auch hierfür wird i. d. R. Holz aus dem Gipfelbereich oder minderwertige Qualitäten verwendet sowie Restprodukte, die bei den Sägewerken im Rahmen der Schnittholzproduktion anfallen. Die dritte Energieholzvariante sind sogenannte Pellets. Dies sind kleine zylindrische Presslinge aus getrocknetem und naturbelassenem Holz, die überwiegend aus Sägemehl oder Hobelspäne gepresst werden und bei der holzverarbeitenden Industrie als Nebenprodukte anfallen. Holzpellets können überwiegend in Zentralheizungen von Ein- oder Mehrfamilienhäusern eingesetzt werden. Auch Einzelholzöfen mit einer automatischen Energiezufuhr gibt es mittlerweile für den Privatgebrauch.

Der entscheidende Verteilungshebel für das Energieholz ist jedoch nach wie vor der Holzpreis. So ist in den letzten Jahren der Preis von klassischem Brennholz gegenüber dem Schleifholz bei der Papierindustrie deutlich angestiegen, so dass ein Großteil der Holzströme mittlerweile nicht mehr in die Papierindustrie, sondern eben in den Brennholz-Bedarf wandert. Sollten weitere Anforderungen und Verwendungsmöglichkeiten, wie u. a. die chemische Zerkleinerung von Holz und dessen Verwendung als moderne Energie, Roh-, oder Baustoffe mit hineinspielen, wird auch hier nur der am höchsten erzielbare Preis von den Waldbesitzern die Mengenströme regeln.

Forstfachleute berichten davon, dass natürlich sehr viel Energieholzpotential noch in den Wäldern ungenutzt dahin wächst oder derzeit verrottet. Ohne die wichtige Thematik der ökologischen Anreicherung der Wälder mit Totholz und mit damit verfaulendem und zersetzendem Holz anzutasten, könnte grundsätzlich dennoch mehr Holz mobilisiert und damit auch mehr genutzt werden. Die Probleme hierfür liegen aber zum einen in der Struktur des kleinbäuerlichen Privatwaldes. Innerhalb des Landkreises besitzen nämlich 48 % der Waldbesitzer nur Wälder bis 1 ha Größe. Diese Waldflächen sind ungünstiger weise oftmals noch auf mehrere Waldparzellen verteilt. Auch die vielfach fehlende Erschließung mit Forstwegen für den Abtransport und einer regelmäßigen Nutzung der Hölzer verhindert großflächig einen stärkeren Anstieg der Brennholzvermarktungsmengen. Zum Weiteren kommt hinzu, dass viele Kleinwaldbesitzer ihren Wald nach wie vor als „grüne Sparkasse" betrachten und Holznutzung hieraus nur im unbedingt notwendigen Maße und nur unter bestimmten Voraussetzungen durchführen, wie beispielsweise die notwendige Ausbesserung von Gebäuden oder größere Anschaffungen etc. Dass diese Holznutzung natürlich effektiv und wirtschaftlich oftmals mit großen Maschinen einhergeht, muss selbstverständlich sein, denn auch ein Waldbesitzer hat nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten seine Bereitstellung durchzuführen.

Wie bereits angesprochen, ist die genaue Abschätzung der nachhaltig nutzbaren Rohholzmengen derzeit schwierig. Alle gut 10 Jahre finden sogenannte Bundeswaldinventuren statt, die relativ genau, auch für den jeweiligen Landkreis, Potentiale erheben. Die letzte Bundeswaldinventur war aus dem Jahr 2003 und diese hatte für den Landkreis Straubing-Bogen eine Energieholzmenge von ca. 50.000-55.000 Tonnen Holz bzw. von ca. 130.000-150.000 Festmeter Holz ausgewiesen. Allein diese Zahlen zeigen, dass wir im Landkreis derzeit bei weitem noch nicht dieses Potential ausschöpfen. Interessantere und genauere Zahlen könnte man erst ab dem Jahr 2012/13 bekommen, da in den letzten Tagen die aktuelle Bundeswaldinventur 3 angelaufen ist. Diese wird zum Ende 2012/Anfang 2013 wieder erste Auswertungsmöglichkeiten mit genaueren Vorratswerten für die Landkreiswälder liefern können.

Für die Waldbauern und ihre drei Waldbauernvereinigungen im Landkreis und auch für die Endabnehmer ist mit den Preissteigerungen für Brennholz und den anderen Energieholzträgern auf jeden Fall eine deutliche wirtschaftliche Komponente hinzugekommen. Endlich kann man auch mit den minderwertigen Holzqualitäten wirtschaftlich agieren. Ein Ster Nadel-Brennholz im klassischen Sinne wird derzeit ca. zwischen 40 € und 60 € kosten. Wenn man bedenkt, dass ein Ster Brennholz ca. 130 l Heizöl ersetzen kann, ist zu erkennen, dass Brennholz immer noch ein sehr wirtschaftliches und zudem umweltfreundliches Heizmedium ist, was auch fossile Energie einsparen lässt.

Verfasser:
Klaus Stögbauer, Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Straubing


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