Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


GehoelzmaehhaeckslerUnter den Begriffen Energiewald, Agrarholz oder Kurzumtriebsplantage ist eine Bewirtschaftungsform landwirtschaftlicher Flächen zu verstehen, die nach dem Prinzip „Einmal pflanzen, mehrmals ernten“ funktioniert. Schnellwüchsige Baumarten wie beispielsweise die Pappel ermöglichen Zuwächse von durchschnittlich 10 Tonnen Trockenmasse pro Jahr. Geerntet wird meist in Abständen zwischen drei und zehn Jahren, man unterscheidet deshalb auch zwischen dem kurzen, dem mittleren und dem langen Umtrieb.

Geeignete Baumarten

Viele heimische und eingebürgerte Baumarten eignen sich für den Anbau in Kurzumtriebsplantagen. Balsampappel, Aspe und Weide sowie Robinie, Schwarz- und Grauerle können in Frage kommen. Alle Arten haben ein hohes Stockaustriebsvermögen. Nach der Ernte entwickeln sich aus dem verbliebenen Stock schnell neue Triebe. Bei der Pappel und der Weide ist es von Vorteil, dass sie kostengünstig aus Stecklingen, etwa 20 cm langen einjährigen, im Winter geschnittenen Trieben, angezogen werden können. Dieses vegetativ vermehrte Pflanzgut gewährleistet die identische Weitergabe der gezüchteten Eigenschaften der Mutterpflanzen. Andere Baumarten müssen dagegen erst aus Samen zu bewurzelten Pflanzen angezogen werden.

Art- und Sortenwahl

Die besten Wuchsleistungen zeigen in Deutschland Pappeln und Weiden. Verschiedene Kreuzungen der Balsampappel (Populus Trichocarpa, P. maximowiczii) und der Schwarzpappeln (P. nigra; P. deltoides) verfügen über gute Zuwachsleistungen mit jährlich zehn bis zwölf Tonnen pro Hektar und Jahr absolut trockener Biomasse (atro). Diese Menge entspricht einem Energiegehalt von 5.000 bis 6.000 Litern Heizöl oder einem Volumenzuwachs von ca. 30 Kubikmetern pro Jahr. Roterle und Korbweide können etwa sieben Tonnen Trockensubstanz pro Jahr und Hektar erzeugen (Wuchsleistungen nach Angaben der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF)). Das Bayerische Amt für Forstliche Saat- und Pflanzenzucht (ASP) betreibt Sortenprüffelder und informiert über Ertragsleistungen von Pappelsorten. Baumschulen dürfen im Interesse von Landwirten nur geprüfte und zugelassene Sorten auf dem Markt anbieten. Verwendet ein Landwirt Steckholzmaterial beispielsweise ausländischer, nicht geprüfte Sorten, besteht ein hohes Risiko von Ertragsminderung und Ausfällen durch Pilzbefall.

Anlegen eines Energiewaldes, Standortanforderungen

Für den Kurzumtrieb geeignete Flächen zeichnen sich durch eine gute Wasserversorgung aus. Lehmige, schwach saure Böden sind ideal, bei einer jährlichen Niederschlagsmenge ab 700 mm. Um eine Stecklingskultur erfolgreich anzubauen, sollte die vorgesehene Fläche im Herbst gepflügt und im Frühjahr geeggt werden. Auch die einmalige Spritzung eines Totalherbizids (unter Beachtung der Anwendungsbestimmungen) ist von Vorteil, um den Bäumen ihre Jugendentwicklung – frei von Konkurrenzdruck – zu erleichtern. (Achtung: Ausnahmegenehmigung nach dem Pflanzenschutzgesetz erforderlich!)

Pflanzung und Pflege

Die Stecklinge werden im Winter in Mutterquartieren von amtlich registrierten und überprüften Baumschulen geerntet und im Kühlhaus gelagert. Zwischen Ende Februar und Ende April kann gepflanzt werden. Die Stecklinge werden bodeneben eingesetzt, maximal ein bis zwei Zentimeter sollten sie über die Bodenoberfläche herausschauen. Die Anzahl der Pflanzen pro Hektar richtet sich nach der geplanten Umtriebsdauer. Je kürzer diese ist, desto mehr Stecklinge müssen gesetzt werden. Nach Angaben der LWF werden etwa 5.000 bis 6.000 Pflanzen pro Hektar bei einer Umtriebszeit von ca. fünf Jahren benötigt. Soll erst nach sieben bis acht Jahren geerntet werden, reichen auch 4.000 Stecklinge aus. Es wird empfohlen, stets mehrere Pappelsorten blockweise gemischt anzubauen, um Risiken zu minimieren. Damit wird eine bei Bedarf erforderliche Nachbesserung bzw. der Ersatz nicht zufriedenstellender Sorten erleichtert. Aktuelle Sortenempfehlungen stellt das Bayerisches Amt für Forstliche Saat- und Pflanzenzucht (ASP) auf seinen Internetseiten bereit.

Im Anlagejahr sollte eine intensive Unkrautunterdrückung erfolgen, insbesondere, nachdem das Totalherbizid seine Wirksamkeit verliert. Auch mechanisch kann durch regelmäßiges Ausmähen die Begleitvegetation eingedämmt werden. Später beschatten die großen Pappelblätter den Boden gut und dämmen das Unkrautwachstum ein.

Düngung

Balsampapeln erfordern, wie Untersuchungen der LWF an 16-jährigen Beständen gezeigt haben, keine Düngung. Lediglich die Weide reagiert auf Stickstoffgaben mit signifikanten Mehrerträgen.

Energiewald-Ernte

Die Ernte erfolgt in der vegetationsfreien Zeit. Von Vorteil sind Frostperioden, um Bodenschäden zu vermeiden. Feldhäcksler, die über einen speziellen Erntevorsatz verfügen, führen mit ihrer mähenden Fälltechnik alle Arbeitsschritte in einem einphasigen Verfahren durch. Sie eignen sich gut bei einem Ernteintervall von drei bis vier Jahren. Die so gewonnenen Hackschnitzel haben aber einen Wassergehalt von über 50 Prozent und müssen deshalb vor der Verbrennung in kleinen und mittleren  Anlagen getrocknet werden. Lediglich Großfeuerungen über 1 MW Leistung sind in der Regel in der Lage, auch nasse Hackschnitzel zu verbrennen. Aufgrund der hohen Flächenleistung zählen Feldhäcksler theoretisch zu den günstigsten Ernteverfahren, aber nur dann, wenn mehrere Hektar am Stück zur Ernte anstehen und die Erntetechnik regional verfügbar ist. Nach derzeitigem Kenntnisstand laufen in Deutschland allerdings nur wenige Feldhäcksler. KUP-Dienstleister, wie z.B. Wald 21 GmbH organisieren deshalb alljährlich sogenannte Erntezüge durch Süddeutschland, um die Anfahrtkosten zu minimieren.

Bei längeren Erntezyklen ist eine motormanuelle Ernte gängige Praxis. Das Vorkonzentrieren, Rücken und Hacken kann dabei auf verschiedene Trägerfahrzeuge verteilt und zeitlich entkoppelt werden. Fällzangen, Energieholz-Fällsammelköpfe oder Harvesteraggregate kommen ebenfalls bei längeren Erntezyklen zum Einsatz. Bei beiden Methoden macht es Sinn, das Holz als Ganzbaum trocknen zu lassen und später zu Hackschnitzeln zu verarbeiten. So erreichen Sie Wassergehalte im Brennstoff, die auch eine Nutzung in Kleinfeuerungsanlagen erlauben.

Rechtliches

Das Bundeswaldgesetz (BWaldG) und das Waldgesetz für Bayern (BayWaldG) bilden die Rechtsgrundlage für die Anlage von Kurzumtriebsplantagen. Sie sind seit 2010 kein Wald im Sinne des Waldgesetzes, sondern bleiben landwirtschaftliche Flächen, wenn sie als KUP genutzt, also regelmäßig beerntet werden. Ein Umtrieb darf längstens 20 Jahre dauern, andernfalls entsteht automatisch Wald, der nur mit amtlicher Rodungsgenehmigung wieder in landwirtschaftliche Nutzfläche umgewandelt werden dürfte. Wie eine Erstaufforstung unterliegt in Bayern und Baden-Württemberg die Anlage eines Energiewaldes der Erlaubnispflicht, in anderen Bundesländern nicht. Hier prüft das zuständige Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Einvernehmen mit der Kreisverwaltungsbehörde nachbarrechtliche sowie Natur- und Landschaftsschutzaspekte. Der Vertrieb von Stecklingen der Balsampappel (nicht Weide) unterliegt außerdem dem Forstvermehrungsgesetz (FoVG). Der Anbau zugelassener und geprüfter Klone hat den Vorteil, dass diese Klone in Deutschland auf Wüchsigkeit und Schädlingsbefall getestet wurden.
Aktive Landwirte können für die KUP-Fläche Zahlungsansprüche aktivieren. Sie können sich diese außerdem im Rahmen des Greenings als ökologische Vorrangflächen mit einem Faktor von 0,3 je Hektar Anbaufläche anrechnen lassen, allerdings nur, wenn sie im ersten Jahr auf Pflanzenschutzmittel verzichten und Pflanzgut mit heimischen Baumartenanteil verwenden. Hochertragreiche Züchtungen aus der Balsampappel werden leider bisher nicht anerkannt.

Wirtschaftliche Überlegungen

Wer Energieholz anbaut, um es in der eigenen Holzheizung zu verbrennen, kann auf seiner Fläche eine hohe Wertschöpfung erzielen, denn immerhin wächst der Energieinhalt von rund 5.000 Liter Heizöl pro Hektar und Jahr nach. Wird Energieholz für die Vermarktung produziert, müssen sich KUP mit Deckungsbeiträgen einjähriger Ackerkulturen messen lassen. Erlösseitig stellen die zu erwartenden Erträge sowie die Preisentwicklung bei Hackschnitzeln über einen Zeitraum von 20 Jahren schwer zu prognostizierende Kalkulationsgrößen dar. C.A.R.M.E.N. erhebt seit vielen Jahren die Angebotspreise für Hackschnitzel über ganz Deutschland. Sie können als Richtschnur für erzielbare Marktpreise herangezogen werden (Hackschnitzel-Index). Um mit realistischen Ertragsansätzen kalkulieren zu können, empfiehlt sich ein Blick in den KUP-Scout der LWF aus Freising. Als standortbasiertes Pappel-Ertragsmodell bietet er die Möglichkeit, das Wuchspotential gemäß der regionalen Verhältnisse abzuschätzen.
Auf der Seite der Produktionskosten werden die Kosten für die Anlage und Pflege der KUP der Rekultivierung, sowie der Ernte und Transportvorgänge über die gesamte Nutzungszeit abgezinst und in die Kalkulation eingebracht. Je nach verfügbarem Ernteverfahren können die Kostenansätze für letztere zwischen 30 und 80 Euro pro Tonne Hackgut (atro) stark schwanken. Insbesondere auf leichten, grundwasserbeeinflussten Standorten, sowie ungünstig gelegenen Flächen beweisen KUP bereits heute ihre Vorzüglichkeit. Für individuelle Kalkulationen steht auf der Internetseite der Bayernischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) ein Deckungsbeitragsrechner für KUP-Hackschnitzel bereit.

Rodung

Die Nutzungsdauer der KUP liegt zwischen 25 und 30 Jahren. Danach kann die Rodung mit einer Tieffräse erfolgen. Nach einem zweimaligen Fräsvorgang ist die Wiederaufnahme der landwirtschaftlichen Nutzung problemlos möglich. Allerdings können – je nach Rekultivierungsziel – Kosten zwischen 500 und 5.000 Euro pro Hektar hierfür anfallen.

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